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Volume 12. März 1881, Nr. 24

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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Frantz Bleichert h 6 Gr., Moseler Wein k 10 Gr., das Ouart, 
alles ohne Bouteillen zu verstehen." 
Auch den moussirenden Champagnerwein kannte man, dessen 
Fabrikation bekanntlich 1698 entdeckt war. 
Mit dieser „guten Gabe Gottes" will ich für heute schließen. 
M i s c c 1 l e n. 
Martin Kropins und der Meuba« der Königs. Kunlk- 
nnd chewerkschnkc. (Siehe Illustrationen Seite 285 und 291.) 
In der Nacht des 13. December 1880 verstarb nach kurzem 
Krankenlager der Direktor der König!. Kunstschule, Professor und 
Baumeister Martin Gropius im Alter von 56 Jahren. Er 
War am 11. August 1824 in Berlin geboren. Mit ihm schied 
einer unserer thätigsten Architekten, der sowohl auf dem Gebiete 
seiner eigentlichen Kunst wie auf dem des Kunstgewerbcs noch 
manchen Erfolgen entgegensehen durfte. Aus der bekannten Ber 
liner Künstlerfamilie entsprossen, widmete er sich dem Studium des 
Baufaches auf der hiesigen Bauakademie und begann nach Absol- 
virung seines Examens als Baumeister, gemeinsam mit seinem 
Freunde Schmieden, eine erfolgreiche Thätigkeit als Privat- 
architckt. Die Firma Gropius und Schmieden hat eine Reihe her- 
vorragender Gebäude in der Residenz und deren Nachbarschaft aus 
geführt. Wir nennen an dieser Stelle nur das provisorische Reichs 
tagsgebäude, dessen Herstellung den beiden Architekten unter der 
Oberleitung des Geheimen Negierungsrathes Hitzig anvertraut war. 
Die Stadt Berlin verdankt ihnen die Pläne und die Ausführung 
des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain; ferner sind 
nach ihren Entwürfen ausgeführt unter anderen verschiedene 
Neubauten im Ressort des Cultusministeriums, beispielsweise 
die geburtshilfliche und die noch nicht vollendete chirurgische 
Klinik in der Zicgclstraßc, sowie die Kunstschule in der 
Klosterstraße, das Universitäts-Gebäude mit seinen Annexen 
in Kiel, außerdem das Garnison-Lazareth in Tempclhof, die Pro- 
vinzial-Jrren-Heilanstalt in Eberswalde und das fast vollendete 
Kunstgewerbemuseum in der Königgrätzerstraße. 
Wir nennen ferner das Haus des Kassenvereins in der Ober- 
wallstraße, die Billa Heese, das Mendelssohn'sche Haus in der 
Jägcrstraßc, die Billa Bleichröder in Charlottenburg. Noch vor 
Jahresfrist haben sie in der Concurrenz um das Leipziger Con- 
zcrthaus den ersten Preis davongetragen, und endlich rührt von 
Gropius und Schmieden der Entwurf zum Neubau der Kö 
niglichen Bibliothek her, der bekanntlich noch dem Kaiser zur 
Genehmigung vorliegt. 
Martin Gropius begann auch frühzeitig eine Lehrthätig- 
keit, welche er bis an sein Lebensende mit Liebe und Fleiß fort 
geführt hat. Er fungirte bereits Ende der sechsziger Jahre bei 
Carl Bötticher als Assistent und unterrichtete gleichzeitig an 
der Akademie der bildenden Künste. Später wurde er an die 
Spitze der königlichen Kunstschule gestellt, von welcher er sich erst 
kürzlich zurückzutreten entschlossen hatte, nachdem er die letzten 
Monate gekränkelt hatte, ohne daß inan indeß ein so schnelles 
Ende befürchten konnte. Bei der Einsetzung der ständigen Kom 
mission für das technische Unterrichtswcsen iin Kultusministerium 
wurde er als Mitglied berufen und ebenso auch vor wenigen 
Wochen bei Bildung der Akademie des Bauwesens als ordent 
liches Mitglied erwählt. Zu seinen letzten Auszeichnungen zählt 
die Verleihung der goldenen Medaille für Kunst, sowie die Wahl 
als Mitglied des Instituts of British Architects. 
Was die diesem Artikel beigefügte zweite Illustration betrifft, 
der „Neubau der Kunst- und Gcwerkschule", so bemerken 
wir nur kurz, daß dieses im April 1880 der Benutzung über 
gebene Gebäude ein charakteristisches Beispiel für die Anordnung 
und Ausbildung der aus dem Atelier von Gropius und Schmieden 
hervorgegangcnen einfachen Monumentalbauten ist. 
Ob die geplante Fortsetzung des Baues bis zur Neuen 
Friedrichstraße, welche dem Rauch-Museum ein würdigeres 
Lokal schaffen würde, Aussicht auf Verwirklichung in kürzerer Zeit 
hat, ist gegenwärtig Wohl sehr fraglich. — Die Kunstschule, deren 
Direktor M. Gropius durch 11 Jahre gewesen ist, darf sich des 
Umstandes freuen, daß es dem Entschlafenen vergönnt gewesen ist, 
zum mindesten das für sie bestimmte Haus zu vollenden und ihr 
damit nicht nur die lang ersehnte Heimathstätte sondern auch ein 
Vermächtniß seines schaffenden Geistes zu hinterlassen. — 
Briefkasten. 
E. R. Berlin <J. Gelegentlich ausführlich. 
G. d'A. Bitte um Ihre Postadresse für eine ausführliche briefliche 
Nachricht. 
Notiz. Einem Theile unserer heutigen Nummer liegt ein Prospect 
der Hofbuchhandlung von E. S: Mittler & Sohn bei, auf den wir 
unsere Leser noch besonders aufmerksam machen. 
Inhalt. 
Lottchen Lindholz, eine Berlinische Geschichte aus dem 17. Jahr 
hundert von Ludovica Hesekiel (Fortsetzung). Die ersten Berliner 
Bücherdrucke und die Geschichte der Berliner Zeitschriften und Zeitungen 
bis zu Anfang des Achtzehnten Jahrhunderts (mit vielen Illustrationen), 
eine Skizze von Emil Dominik. Miscellen: Martin Gropius und der 
Neubau der Königl. Kunst- und Gewerkschule (mit zwei Illustrationen); 
Briefkasten. Inserate. — 
Erster StaatSpreis des Königl. Preußischen 
Handels-Ministeriums. 
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Die Weltgeschichte L. von Ranke's wird in ca. 6 Theilen erscheinen, von welchen 
einzelne mehrere Bände umfaffen werden. — Eine Aufnahme in die „Sämmtlichen Werke" 
findet erst nach Vollendung des Werkes in der Separatausgabe statt. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Emil Domirrik in Berlin W. — Mitherausgeber: Ernst Friedet in Berlin N. W. 
Verlag von Gebrüder Partei in Berlin W. — Druck: W. Moeser Hofbuchdruckerei in Berlin 8. 
Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt.
	        
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