Path:
Periodical volume 12. März 1881, Nr. 24

Full text: Der Bär Issue 7.1881

295 
aber werden diejenigen erinnert, welche voriges und mehrere 
Quartale zu bezahlen vergessen haben." Tie Nr. 1 des Jahres 
1737 bringt den ersten Leitartikel, welcher mit einem Gedicht auf 
den König schließt, und endlich des Sparkönigs Tod bringt die 
Nummer 66 von Anno 1740 in nachfolgender Weise: 
„Vorgestern, gegen Abend, kam allhier aus Potsdam ein 
Expresscr mit der betrübten Nachricht an, das; Jhro Majestät der 
Allcrdurchl. Großmächtigste Fürst und Herr, Herr Friedrich Wil 
helm, König in Preußen :c. unser Allergnädigster König und Herr, 
zum größten Leidwesen des Allerhöchsten König!. Hauses in ge 
dachter Stadt eben des Tages Nachmittags gegen 3 Uhr, das 
Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt." 
Mit Nr. 33 vom 18. März 1751 änderte sich die Vignette 
der Zeitung, die mit diesem Tage auch einen neuen Verleger er 
hielt. Die betreffende hierauf bezügliche Erklärung lautete: 
„Da Seine Majestät, nach dem Tode des bisherigen Ver 
legers dieser Zeitungen Joh. And. Rüdiger die Gnade gehabt, 
das Privilegium derselben auf den Buchhändler Chr. Fricdr. Bost, 
auf ihn und seine Erben, übertragen zu lassen, so hat man für 
nöthig befunden, den sämmtlichen Lesern hiervon Nachricht zu 
geben und öffentlich zu versichern, daß man in Zukunft weder 
Mühe noch Kosten sparen werde, diesen Blättern, sowohl durch die 
Neuigkeit als Zuverlässigkeit der mitzutheilenden Nachrichten den 
Beifall des Publici zu verschaffen. Der Verleger hat sich ent 
schlossen, durch monatliche Beilage von einem Bogen die Zeitung 
zu verstärken. Diese Beilage soll den gelehrten "Neuigkeiten ge 
widmet sein. Der Titel dieser Beilage wird sein „Das Neueste 
aus dem Reiche des Witzes, als eine Beilage re. re. und 
mit dem Ende des Monats April soll der Anfang gemacht werden. 
Die Ausführung mag es lehren, ob man auf eine angenehme Art 
nützlich zu sein weiß, und ob auch durch dieses Unternehmen die 
Ausbreitung des Geschmacks etwas gewinnt, welcher fast einzige 
gesittete Völker auf denjenigen Grad der Artigkeit bringen muß, 
auf welchen wir unsere Nachbarn bewundern." 
Gleich diese Nummer schon brachte Gedichte von Lessing mit 
der redaktionellen Ueberschrist „Werden wir es mit unsern Lesern 
verderben, wenn wir folgenden kleinen Poesien diesen Platz ein 
räumen?" 
Hierauf, sowie auf die recht eigentliche Geschichte dieser ältesten 
Berliner Zeitung komme ich später noch ausführlich zurück. 
Das zweite Blatt, das sich — verschiedene Male umgestaltet — 
bis heute erhalten hat, ist wie bereits erwähnt, das „Berliner 
Jutelligenzblatt". 
„Nachdem Se. königliche Majestät Unser allergnädigster König 
und Herr unterm 12. April 1727 eigenhöchsthändig verordnet, 
daß die „wöchentliche Frag-und Anzeigungsnachrichtcn" 
von Nr. 1 u. s. w. dero Beamten und denen Magisträten in denen 
Städten gegen 1 Groschen vors Stück von denen nächst gelegenen 
Postämtern distribuirt werden sollen re. rc. — damit kündete der 
„königliche Commissarius und Registrator — (und spätere Hosrath) 
Herr Wilcken das Erscheinen dieses ersten Preußischen An 
zeigeblattes „vor Berlin und außerhalb" an. Das erste 
Adreßkomtoir befand sich „aufm 3ten Stock des gewesenen Tonncn- 
binderschen und nunmehr Rath Köppen'schen Hauses". 
Diese Zeitung ist eine nicht auszuschöpfende Fundgrube für 
die Kenntniß Berlins und der Mark vom Regimcnte Friedrich 
Wilhelms I. an bis auf den heutigen Tag. Freilich ist's eine 
mühsame Lektüre. Wie von den Zeitungen des 17. Jahrhunderts 
will ich auch von diesem Blatte einige charakteristische Proben 
mittheilen. 
Da heißt es z. B. unter der Rubrik: Sachen, die ge 
stohlen. „Am 19. Jan. h. a. ist des Nachmittags einem ge- 
tvissen von Adel in Sachsen auf der Preuß. Gräntze sein Kutscher, 
"Nahmens Hans Gürgen Wolter, ein uneheliches Kind, dessen 
Mutter in Wollin, einem Dorf ohnweit Zicsar wohnhaft, und 
dessen Vater nicht ferne von Berlin sich aufhalten soll, mittler 
Statur und dabei sehr dick und untersetzig, gelben und schlechten 
Haaren und rothem glutzigen Gesicht, mit voller Libercy ent- 
lauffen und hat einige Sachen diebischer Weise mitgenommen. 
Die Libcreh ist ein hellrother Rock von seinem Tuch mit weiß- 
tuchenen aufgeschnittenen Aufschlägen. Solte der entlauffene Kut 
scher nicht vorbemeldte Kleider tragen, so wird er einen grauen 
schlichten Bauernknechtsrock und bläuliche Strümpfe anhaben. Es 
wird demnach ein jeder für diesen Kerl nicht nur aufrichtig ge 
warnt rc. rc.". 
Unter „Personen, so Bedienungen suchen" heißt es: 
„Ein Frantzösischer Sprachmeister informiret die Frantzösische, La 
teinische und Griechische Sprache, auch die Philosophie und andere 
Wissenschaften von 1l—2 Uhr Vormittags". 
Die Bier-, Brod- und Fleischtaxe vom 10. März 1727 
lautet: 
Das Quart Braunbier kostet 8 Pf., das Quart Weißbier 
6 Pf. Vor 3 Pf. Semmel 10 Loth 2 3 h Stchn., vor 2 Gr. 
Wcißbrod 4 Pfund 12 Loth, vor 2 Gr. Hausbacken 4 Pfund 
31 Loth. Es kostet das Pfund: Rindfleisch 1 Gr. 3 Pf., Kuh 
fleisch 1 Gr., Kalbfleisch 1 Gr. 4 Pf., Hammelfleisch 1 Gr. 3 Pf., 
Schweinefleisch 1 Gr. 6 Pf., Kopf Maul Füße 1 Gr. 
Das oben angeführte Bier war einheimisches. Von anderen 
Bieren kostete das Quart: Kuffenbier 1 Gr. 2 Pf., Brühhan 1 Gr. 
6 Pf., Zcrbster Bier 1 Gr. 8 Pf., Cottbuser 1 Gr. 4 Pf., Crossener 
1 Gr. 6 Pf., Garlcy 1 Gr. 6 Pf., Lebuser 1 Gr. 3 Ps., Bernauer 
1 Gr., Ruppiner 1 Gr., Brandenburger 10 Pf., Fürstenwalder 10 Pf., 
Eüstriner 1 Gr. 3 Pf., Carthäuscr 1 Gr. 6 Pf. und Köpnicker 
Moll 1 Gr. 
Weiter heißt es da z. B.: 
„Obwohl die Wittwe Frau Jänichen iu der Poststraße im 
j goldenen Schiff mit Tode abgegangen, so wird dennoch eben die 
! selbige Arbeit von ihrem Sohn, als allerhand seidene Zeuge ge- 
! waschen und gefärbt und wie neu zubereitet, wie auch allerhand 
, Flecken aus Seidenen und Wollenen Zeugen ausgemachet." 
Und ferner: 1) Es ist allhier angekommen Ludwig Georg 
Ring, ein recht erfahrener Zahnarzt, welcher alle Zähne ohne 
Schmerzen ausnimmt. 2) er setzt auch Zähne ein als wenn sie 
von Natur gewachsen. 3) Auch hat er was vor Zahnweh, in 
einem Augenblick zu stillen. 4) Macht er alle gelbe Zähne so 
weiß wie Helffenbein, auch 5) macht er alle Flecken in Seiden, 
Wollen wie auch in Leinen aus, hat auch gute Salbe für Elster- 
augen. 6) Giebet ein gewisses Remedium vor Motten und Schaben 
und ein Waschwasser für alle Mängel im Gesicht und macht eine 
schöne Haut. Er ist anzutreffen im Ordonnantzhause in der Span- 
dauerstrahe, wo das englische Bier gebrauet wird. 
Auch erzählt uns das Jntelligenzblatt, daß unsere Ururgroß- 
eltcrn so gut gelebt haben, wie wir. Da heißt cs in einer An 
kündigung eines damaligen Borchardt: 
„Allerhand Sorten frische Seefische, englische und holsteinische 
wische Austern, Hamburgische frische Capaunen, Hummer Krebse, 
Caffee, Thee, Canaster Taback, Holländischer Genever Branntwein 
rc. rc. bei dem Holländer Roher Pietersen in dem holländischen 
Laden in der Königstraße gleich über dem Berlinischen Raths 
keller." 
Auch gut und billig getrunken wurde. Eine solche Anzeige 
lautet: 
„Bei den Kauffleuten Bocquct und Jacob allhier in der 
Königstraße in Mons Gouillots Hause neben des Herrn von Grumb- 
kow Excellenz sind lviederum zu bekommen allerlei gute und auf 
richtige Frantzweine, als weißer zu 5 und 6 Gr., alten ckito 8 Gr., 
Ficardau k 6 Gr., Muskatenwein k 10 Gr., Frontignac ä 12 Gr., 
Rothen Wein de Grave k 6 Gr., Languedoc k 8 Gr., Rother
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.