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Volume 26. Februar 1881, Nr. 22

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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Nun werden die Gaben eingesammelt und darauf singen 
Alle. 
Sie haben uns eine Verehrung gegeben, 
Für's ganze Jahr. 
Jahr ein, Jahr aus. 
All' Unglück fahre zum Giebel heraus! 
In Stralow bei Berlin ist der Vorgang mit Gesang und 
Gabensammeln der gleiche, doch kommt noch ein anderer Gebrauch 
hinzu. Am Sonntag vor Fastnacht versammeln sich nämlich die 
Hofbesitzer und losen um die in drei Theile oder Kaweln getheilte 
Fischerei auf der Spree für das nächste Jahr, wobei die zwei 
Fischer, welche für das Kalender-Jahr den Rummelsburger See 
befischen, als Unparteiische für die neun klebrigen das Loos ziehen. 
Am folgenden Tage versammeln sich dann Nachmittags die Knechte, 
von denen einer ein an einer Stange befestigtes, buntgeschmücktes 
Schiffchen trägt, und ziehen im Dorfe umher. Das gesungene Lied 
ist fast wie das zu Köpenick gebräuchliche, doch hat es noch folgen 
den Schluß: 
Wir wünschen dem Herm Wirth einen vergoldenen Tifch, 
Auf alle vier Ecken einen gebratenen Fisch, 
Und in der Mitte eine Kanne voll Wein. 
Das soll dem Herrn Wirth sein Fastelabend sein! 
Wir wünschen Frau Wirthin zum Fastelabend 
Einen jungen Sohn mit schwarzbraunem Haar! 
Tanz und Verspeisung der Gaben im Kruge beschließt das Fest. 
Vgl. Kuhn's Abhandlung über einen Fastnachtsgebrauch 
zu Stralau in den Märkischen Forschungen. Bd. I. 
S. 294—318. 
In Müggelsheim bei Köpenick (einer im vorigen Jahrhundert 
gegründeten Pfälzerkolonie) trug man noch vor wenigen Jahren 
einen Marder oder Iltis, der auf ein Brett genagelt war, umher, 
indem man zugleich Eier einsammelte. Dabei sang man folgendes 
Lied: 
Hahn, Appel, Hahn! 
Die Fassenacht geht an! 
Der Küche will nicht ritschen, 
Gebt mir euren Speck, 
Dann geh' ich von der Thüre weg; 
Ich stell' die Leiter an die Wand 
Und schneid' mir ein Stück drei Ellen lang. 
Von den langen. 
Die kleinen laß ich hangen. 
Ei, Mütterchen, ei! 
Gebt mir zwei oder drei. 
Daß mein Körbche vull sei! 
Eier raus! 
Oder ich schick' den Fuchs in's Hinkelhaus! (Hühnerhaus.) 
Mir selbst ist noch von den fünfziger Jahren her erinnerlich, 
wie in der Gegend von Arnswalde und Friedeberg in der Neumark 
die Knechte bei den Mägden frühmorgens am Fastnachtstage in 
die Kammern der Mägde, die Söhne des Hauses in naiver Nach 
ahmung in die Kemenate der Gouvernante mit Ruthen bewaffnet 
einzudringen versuchten, um das sündige Fleisch auf die Tage der 
Kasteiung gehörig vorzubereiten. (Vergl. noch Kuhn und Schwartz: 
Norddeutsche Sagen S. 369 flg.; Kuhn: Westfälische Sagen 
II. 124 flg.). 
Zu den Ruthen verwendet man gern die ersten mit Blatt 
knospen versehenen Frühjahrsschößlinge. 
In Berlin, wo Fastnacht diesmal früh — auf Dienstag den 
1. März — fällt, bemerkte ich aus den Wochenmärkten viele 
dergleichen Ruthenbündel, aus Weiden mit den „Kätzchen" (Blatt- 
knospen) daran und etwas grünes Fichtenreisig darum, lvie sie 
besonders am Palmsonntag hierorts feilgeboten werden. 
Eine besondere Nolle spielt die Fastelruthe aber in Neuvor 
pommern; hier erhalten die Kinder ein großes Ruthenbündel, das 
nach Art eines Weihnachtsbaums mit bunten Flittern, Rosinen 
und dergleichen Naschwerk aufgeputzt ist, am Fastelniorgen zum 
Geschenk. Bei Erwachsenen ist das Ruthenpeitschen auch dort Sitte. 
Zuletzt, aber nicht zum Wenigsten, die Berliner Gepflogenheit 
Punsch und Pfannkuchen am Fastelabend zu genießen. Wie weit 
geht diese Sitte? Der mit Muß gefüllte Pfannkuchen, welcher hier 
geineint ist, d. h. das einer flachgedrückten Kugel ähnliche Gebäck, 
wird in der ganzen Welt als berlinisch bezeichnet, Berliner Pfann 
kuchen, Berlin Pancakes, sind selbst bei unseren Antipoden von 
Newyork bis San Franzisko eingebürgert. Unter Pfannkuchen (in 
vielen Theilen Deutschlands Pfannenkuchen) versteht man nämlich 
außerhalb Berlins und der berlinisirten weitern Umgegend das 
flache fladenförmige Gebäck, welches der Berliner Eierkuchen nennt. 
; Zu Fastnacht muß man Sauerkohl und Knackwurst essen (Stendal). 
In derselben Stadt bäckt man zu Fastnacht „Heedewecken" von 
Weizenmehl in länglich runder Fornz, in Neuvorpommern ani 
selbigen Tage „Heißwecken" (plattpommersch Heedwecken) von halb 
kugeliger Form mit kleinen Korinthen; diese „Kuchenmilchbrödchcn" 
wie der Berliner sagen lvürde, werden heiß gegessen; daher der 
Name. Es mag hier wiederholt werden, was schon Jakob Grimm 
hervorhob, daß es an der Zeit ist, endlich einmal die Besonder 
heiten in Speis und Trank, die Eigenthümlichkeiten der Form des 
Backwerks u. s. f. in den verschiedenen Landschaften Deutschlands 
zu fixiren. Wir wollen unsere Leser auf dies interessante Thema, 
welches überraschende Einblicke in die Kultur unserer Vorzeit ge 
stattet, hierdurch aufmerksam gemacht haben. 
Ueber den Aschermittwoch ist bis jetzt viel weniger bekannt, 
als über Fastnacht. An der Schwigawa, dem Aschermittwoch, 
müssen in der Niederlausitz die jungen Mädchen die jungen Burschen 
bewirthen. Wenn die einzelnen Paare in der Nacht zusammen 
bleiben, so zeigt es sich im Laufe des Jahres, ob das betreffende 
Paar dazu bestimmt ist, zu heirathen. (Veckenstädt: Wendische 
Sagen S. 440). 
Bis Aschermittwoch heißt es „toll sein und voll sein," auch 
! bei den Alten, denn: „je oller, je doller!" Da soll man mit 
i Fenrose's Flights of Fancy rufen: „Heil dir, mächtige Tollheit! 
Heil dir! Dein Reich breitet sich aus, deine Macht besiegt Alles! 
Wohin das schwellende Segel den Reisenden trägt, ist nicht der 
klügste, nicht der beste Mann vor dir frei." 
Mit dem Aschermittwoch, sagt Klöden von unseren Märkern, 
hatte plötzlich alles eine andere Gestalt angenommen. Es war 
der erste Tag der Fasten, an welchem man sich von den begangenen 
Sünden reinigte, weshalb er auch der Schürtag oder Schcuertag 
genannt wurde. Man suchte Ablaß und trieb den alten Adam 
figürlich mit Ruthenhieben aus. Demüthig wallte man zur Kirche, 
ließ sich vom Priester Asche aufs Haupt streuen, und wer so viel 
Latein verstand, hörte dabei andächtig den ernsten Spruch aus des 
Priesters Munde: Mementohomoquia cinis es et in cinereni 
converteris — Asche bist du, zu Asche sollst du wieder 
werden! — E. Fr, 
König Kiedrich's Tod nnd Himmelfahrt. 
(Mitgetheilt aus alten Papieren des Hofgarten-Direktors Sr. Majestät 
des Kaisers Jüsitfie.) 
1. Als jüngstens Herr Merkurius am Himmel rapportirte. 
Daß König Friedrich Maximus noch immerhin regierte. 
Sprach Zeus: „Er hat genug gelebt, Zeit ist es, daß man 
Ihn begräbt. 
Ich schenke seine Krone an seinen Brudersohne." 
2. Als nun der Tod die Ordre sah, da bebten seine Beine, 
Cr sprach zu Pluto: „Herr Papa, ich geh' nicht so alleine.
	        
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