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Periodical volume 19. Januar 1881, Nr. 21

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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und wünschte mir Glück, meine Ehre so Wohl vertheidigt zu haben. 
Die Damen thaten, als wäre nichts vorgesallen. Ein Fräulein 
Durat war die Einzige, die mir gelegentlich sagte, ich hätte am 
Hofe manche Neider und müßte sorgfältig jede schlechte Gesellschaft 
vermeiden, wenn ich nicht das Unglück haben wollte, ermordet oder 
selbst ein Mörder zu werden. Eine ähnliche Affaire spielte sich 
noch zwischen mir und den Pagen ab, mit denen ich lange nicht 
Fechtübungen gemacht hatte. Wir hatten uns noch nie veruneinigt, 
aber als ich nun dagegen war, uns mit blanker Waffe zu üben, 
wie Ahrensdorff vorschlug, sondern das Rappicr empfahl, ließ der 
Genannte eine etwas verletzende Aeußerung laut werden, die mich 
bewog, sofort den Degen zu ziehen und ihm ein Duell anzubieten. 
Nach einigem Hin- und Herreden, welches von seiner Seite den 
Zweck hatte, die Sache mehr scherzhaft zu wenden, gab er mir 
plötzlich einen Sei 
tenhieb, den ich noch 
schnell mit einer 
Quarte aus den Arm 
deckte. Mein Degen 
fuhr ihm in die 
Hand und verwun 
dete ihn zwischen 
Daumen und Zeige 
finger. Ich war 
darüber in Verzweif 
lung und warfmeinen 
Degen so heftig in 
einen Winkel, daß 
das Stichblatt zer 
brach. 
Hülfe schaffen, 
flog zum Dr. Stosch, 
der die Wunde un 
tersuchte und sie ge 
fährlich fand, da 
unsere Degen 
schartig waren, 
geschickter Wundarzt 
indeß, der 
zogen wurde, 
sicherte uns, es wäre 
nicht die geringste 
Gefahr vorhanden. 
Ich fürchtete be 
ständig, der Prinz 
möchte auch diesen 
Vorfall erfahren. 
Allein wir kamen 
alle überein, . die 
Geschichte geheim zu 
halten und fingirten eine harmlose Ursache jener Wunde. Die 
Sache blieb auch unter uns, obgleich der Prinz die Wahrheit 
ahnte. Er fragte mich, wie die Sache sich verhielte, — aber ich 
berichtete ganz übereinstimmend mit Dr. Stosch und dem Chirurgen. 
Darauf sagte er, das wäre eine Mystifikation; seine Pagen hätten 
sich wahrscheinlich geschlagen, sein Hof wäre jetzt überhaupt voll 
von Hitzköpfen. Ich fühlte mich selbstverständlich getroffen. Nach 
einigen Tagen erschien Ahrensdorff wieder im Dienst und seitdem 
schlossen wir uns eng an einander an. Sechzehn oder achtzehn 
Jahre später besuchte mich Ahrensdorff in Lenzen und ries mir 
diesen Streit ins Gedächtniß. Damals war er Premier-Lieutenant 
bei den Ziethenschen Husaren. Das Gut Bochin bei Lenzen ge 
hörte ihm. v. Strahlendorff, mit dem ich wohl noch enger be 
freundet war, hat mich in Lenzen dreimal besucht, das letzte Mal 
£Ullt irvtt ^uu-juutuvtut» 
Oberbürgermeister von Berlin. (Siehe Seite 258.) 
mit seiner Frau und zwei Kindern. Er hatte das Rcginicnt 
v. Röder als Rittmeister verlassen, um auf seinem Gut Rosenhos 
bei Wittstock zu leben. Seine Frau war die Tochter eines sehr 
reichen sächsischen Generals. 
Jetzt fahre ich in der Reisebeschreibung fort. Sechs Wochen 
blieben wir in Droningholm, dann begann die Jahreszeit un 
günstiger zu werden und der Hof siedelte zu Schiffe nach Stockholm, 
über. Dort wurde der Prinz mit großen militärischen Ehren 
empfangen und mit einem Theil seiner Leute, unter denen auch ich 
mich befand, im Königlichen Schlosse einquartiert. Wir aßen auch 
dort an gemeinschaftlicher Tafel, aber man ließ mich in Ruhe, 
denn man nahm sich vor mir in Acht. — Der schwedische Hof 
machte dem Prinzen den Aufenthalt so angenehm wie möglich. 
Man gab ihm Schauspiele aller Art, Opern, Komödien und Con 
certe, lvie er es gern 
hatte. Auch nahm 
er an einer Dilet 
tanten - Vorstellung 
theil, welche dem 
Königspaare eine 
Ueberraschung be 
reiten sollte. Man 
setzte den „Grafen 
von Cominge" aus 
den Theaterzettel, 
aber anstatt der 
gerade in Stockholm 
anwesenden französi 
schen Truppe, welche 
die Majestäten er 
warteten, erschienen 
Prinz Heinrich, der 
Kronprinz, später 
Gustav III., Prinz 
Friedrich und die 
Prinzessin Sophie 
Albcrtinc auf der 
Bühne. Strahlcn- 
dorff und ich hatten 
die Ehre, gleichfalls 
mitzuspielen. Der 
König, die Königin 
und die ersten Hof 
beamten waren die 
einzigen Zuschauer; 
der Saal des Pa 
lastes war für die 
französischen Auf 
führungen hergerich 
tet worden. Am 
folgenden Tage erhielten sämmtliche Darsteller, also auch ich, eine 
Einladung zur Königlichen Tafel. Man speiste an mehreren Tafeln 
und tanzte danach bis tief in die Nacht, wobei ich das meinige 
that. — Wir hatten noch ein großes Fest, als der Prinz zum 
Ritter des Seraphinen-Ordcns ernannt wurde, dessen ziemlich werth- 
volle Insignien man ihm übergab. 
Im Augenblicke, wo wir es am allerwenigsten erwarteten, 
vielmehr meinten, über Dänemark nach Berlin zurückkehren zu 
sollen, wurde uns angekündigt, wir gingen nach Petersburg, 
wohin die Kaiserin Katharina den Prinzen eingeladen hatte. 
Diese unerwartete Reise gab Denen, die in die Geheimnisse 
der Cabinette nicht eingeweiht waren, Stoff zu tausend Ver 
muthungen. Die Einen gaben unserem Prinzen die Krone 
von Polen, die Anderen vermutheten, es handle sich um eine
        
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