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Periodical volume 9. October 1880, Nr. 2

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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aufträgt. Ihre Geschichte aber hat sie mir selbst so erzählt, 
tvie ich Euch gesagt habe. Von ihrem Vaterlande redet sie 
selten, vergessen hat sie's nicht, denn mit dem Junker Levin 
spricht sie fast immer in der Sprache ihrer Heimath, aber sie 
bleibt hier, wo ihr geliebter Gemahl begraben ist, möchte auch 
eine Heimkehr nicht ganz ungefährlich sein, denn die Evange 
lischen sollen» hart haben in Frankreich." 
Der Rittmeister nickte. Er begriff jetzt, warum ihn der 
Kurfürst mit der kleinen Jda gerade zur Frau von Scharben 
geschickt hatte. 
„Mir ist die edle Frau wie eine Schwester gewesen," 
nahm Antonie wieder das Wort, „sie hat mein Lottchcn aus 
der Dause gehoben und ich schließe sie alle Tage in mein 
Gebet ein." 
„Gott segne die edle Frau," rief der Ritineister aus 
tiefster Seele, „und seid bedankt für Eure Erzählung, Schwä 
gerin; da saßen mal wieder drei Lindholze im Hahnchofe, 
zürnt der alten Kricgsgurgcl nicht, wenn sie auch einherpoltert, 
sie ist von derber Art, aber sie meint's nicht schlecht mit denen, 
die ihren Namen tragen." 
Die drei legten bewegt ihre Hände in einander, am 
Hahnehofe vorüber aber schritt mit freundlichen: Gruß die 
Johanniteriu, die von einem Kranken-Besuch im Dorfe kam, 
und im Mondlicht schimmerte hell auf ihrer Brust das Acht 
spitzenkreuz des Johanniterordens. — 
(Fortsetzung folgt.) 
Der Polycipräsidcnt von Berlin. 
(Hierzu Portrait Seite 17.) 
Die Ortspolizei stand ehedem dem Magistrate allein zu, wie 
olches noch die Polizeiordnung für Berlin und Cöln vom Jahre 
1580 beweist. Vom Jahre 1693 ab bis zum Jahre 1808 gehörte 
die Polizeigewalt bald königlichen Beamten, bald wieder dem 
Magistrat und während einer ganzen Zeit beiden Behörden ge 
meinschaftlich; seit 1808 existirt das Polizeipräsidium von 
Berlin und seit 1822 gehören demselben die Angelegenheiten, 
welche die vormalige „Regierung von Berlin" inne hatte, 
ferner die gesammte Ortspolizeiverwaltung, damit so etwa — einige 
Aenderungen bewirkte die Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 
— all das, was gegenwärtig dem Polizeipräsidium untersteht. 
Im Jahre 1693 war die Polizeiverwaltung, soweit sie 
die Beauffichtigung der Marktordnung, der Maße und Gewichte, 
des Verkaufs der Lebensmittel betraf, in einer Polizeidirektion 
vereinigt worden, und die Räthe Kleinsorgen und Protzen 
waren mit der Leitung der Polizei beauftragt worden. Eine Ver 
besserung des Polizeiwesens hatte sich damals mit. der schnell 
wachsenden Einwohnerzahl — Berlin zählte 22,000 Einwohner — 
dringend nothwendig gemacht, daß Kurfürst Friedrich 111. sich zu einer 
solchen entschloß und dieselbe seinen eigenen Beamten übertrug, 
da der Magistrat durch mancherlei Saumseligkeit geradezu traurige 
Zustände verschuldet hatte. Ich weiß nicht, ob's wahr ist, damals 
aber wurde die Einsetzung der königlichen Polizei mit der schlechten 
Aufführung des Magistrats motivirt. 
Das Polizeidirektorium erhielt einigeZimmer auf dem kurfürst 
lichen Schloß, um in denselben seine Sitzungen zu halten und 
2 Marktmeister und 15 Aussetzer wurden der Direktion zur Ver 
fügung gestellt. 
Im Jahre 1735 wurde wieder die Besorgung der Polizei 
neben dem Gouvernement dem Magistrate zur gemeinschaftlichen 
Handhabung übertragen und im Jahre 1742 erließ Friedrich 11. 
eine Verordnung, nach welcher der jedesmalige Stadtpräsidcnt 
gleichzeitig als Polizcidirektor zu fungircn habe. 
Am 20. Februar 1782 erschien dann wieder eine ausführliche 
Instruktion, nach welcher der Polizcidirektor nur vom Könige 
und dem Gencraldirektvrium abhing — Berlin hatte inzwischen 
145,000 Einwohner erhalten — und dieser Zustand hat bis zur Ein 
führung der Städteordnung, bis zum Jahre -1808 gewährt. Es 
entstand für alle Zweige des Polizeiwescns ein eigenes Polizei 
präsidium zu Berlin, welches einige Zeit, als ein Polizei 
ministerium eingerichtet wurde, von diesem reffortirte, später aber 
und heute noch von dem Ministerium des Innern abhängt. 
Anfänglich bestand das Polizeipräsidium aus einem Präsidenten, 
vier Mitgliedern, sieben Subalternbeamten und zwei Stadtphvsicis. 
Zu seinem Reffort gehörten damals die Eichungskvminission, die 
Commission zur Prüfung der Bauhandwerker, die Charite, die 
königliche Thicrarzneischule und die Straßenbeleuchtungsinspektion. 
Ferner waren alle approbirten Aerzte von demselben abhängig. 
Zur Unterstützung seiner ausübenden Gewalt dienten anfänglich 
dem Polizeipräsidium die in Berlin bei Anwesenheit der Franzosen 
gebildete Bürger- und Nationalgarde. Dieselbe war 1812 
in Bürgerbataillone verwandelt worden, nämlich in zwei Eskadrons 
Cavallerie, eine Schützenkompagnie, acht uniformirte und fünf nicht 
uniformirte Bataillone zu Fuß, die sämmtlich unter dem Stadtkom 
mandanten und dem Polizeiintendanten als Obersten standen. 
Später wurde die Polizei, nachdem die Bürgenniliz eingegangen 
war, von der am 30. Juli 1812 errichteten „Land- und Grenz- 
! gensdarmerie" unterstützt, die aber hinsichtlich ihrer Disciplin 
unter dem Kommandanten von Berlin stand. 
Am 22. Juli 1848 starben die Berliner Gensdarmen aus, 
und zwei Tage darauf erschienen — eine Schöpfung des damaligen 
Polizeipräsidenten von Bardeleben — die ersten blau- 
berockten Schutzleute aus den Berliner Straßen mit Säbel und 
numerirtem schwarzen Hut, so daß also die Berliner Schutzmann 
schaft am 24. Juli 1883 ihr 25 jähriges Jubiläum feiern kann. 
Die Vervollständigung dieser kleinen Polizeiskizze nach der 
Seite der Persönlichkeiten, welche in diesen 187 Jahren an der 
Spitze des Berliner Polizeiwesens standen, will ich einem Artikel 
vorbehalten, welcher in unserem Blatte ausführlichst die Geschichte 
der gesammten Stadtverwaltung schildern soll. 
Nur eine Persönlichkeit will ich ausnehmen, die unseres gegen 
wärtigen Herrn Polizeipräsidenten von Madai, dessen 
Potrait unsere heutige Nummer schmückt. 
Der Polizeipräsident der Stadt Berlin, von Madai, ist eine 
der bekanntesten Persönlichkeiten der Hauptstadt, ein eigenartiger, 
interessanter Beamtencharakter. Von Madai ist vor Allem ein 
feiner Mann von den gewähltesten Umgangsforinen, sehr geistreich, 
dabei von mildem Charakter, diplomatisch klug, geduldig und doch 
eisern energisch in der Verfolgung seines Zieles. Das hat ihn 
befähigt, stets in den schwierigsten Lagen das Passende zu thun, 
Gegensätze auszugleichen und allmälig mit der sanftesten Eisen- 
festigkeit, die denkbar, was ihm als seines Amtes schien, durch 
zuführen. Da man schließlich merkte, daß das, was Herr 
von Madai wollte, zum Nutz und Frommen der Allgemeinheit 
war, so wurde der zuerst nicht gerade günstig betrachtete Beamte 
beliebt und populär, so in Frankfurt nach der Annexion, so in 
Berlin. 
Guido von Madai ist 1810 in Halle geboren, besuchte 
die Anstalt von Schulpsorta, studirte, trat in die Regierungs- 
j Carriere und war von 1848—1866 ein recht beliebter, aber sonst 
i ziemlich unbekannter Landrath im Posen'schen. Das Jahr 1866 
j brachte von Madai nach Frankfurt a/M. — Frankreich am 
: Main, sagt Fürst Bismarck — wo er seine obengenannten Eigen- 
! schäften in so glänzendem Maße bewährte, daß er noch heut in fast
        
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