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Volume 12. Februar 1881, Nr. 20

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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äußerem Durchmesser und im ersteren Falle von 2, im letzteren 
von 1,6 bis 3 Meter Länge zur Verwendung; auf den an den 
Rohrständern angebrachten eisernen Querträgem sind die zur Auf 
nahme des Leitungsdrahtes bestimmten Isolatoren (Doppelglocken 
von gewöhnlicher Construction) in Abständen von je 40 Centimeter 
befestigt. Jeder einzelne Ständer bietet Raum zur Aufnahme von 
etwa 12 bis 16 Leitungen. Zur Herstellung der Leitungen wird 
2,5 Millimeter starker verzinkter Eisendraht (sogenannter leichter 
Leitungsdraht) oder nach Umständen auch Stahldraht von ent 
sprechend geringerer Abmessung verwendet werden. Die Entfer 
nungen zwischen den einzelnen Stützpunkten (Spannweiten) wechseln 
je nach Lage der örtlichen Verhältnisse zwischen 60 und 100 Meter. 
In die Wohnungen, Geschäftsräume re. der Theilnehmer werden 
die Leitungen, soweit die Einführung mittels einadriger und in 
die Diensträume der beiden mittels blanken Drahtes nicht möglich 
ist, Centralstellen mittels vieradrigcr Bleirohrkabel eingeführt. Als 
Empfangs- und Gebcapparate sollen zunächst Siemens'sche (pa- 
tentirte) Fernsprecher mit Hufeisenmagnet Verwendung finden, welche 
bekanntlich bereits im Dienste der Deutschen Reichs-Telegraphenan- 
stalten mit Fernsprechbetrieb sich in jeder Beziehung vortrefflich 
bewährt haben. Das Bureau jedes einzelnen Theilnehmers wird 
mit zwei dergleichen Apparaten, von denen der eine zum Hören, 
der andere zum Geben bestimmt ist, ausgestattet, außerdem aber 
mit einem Klingelweckerwerk versehen werden, dessen Ein- und 
Ausschaltung vermöge einer zweckentsprechenden Vorrichtung auf 
automatischem Wege sich vollzieht. Zum Betriebe der Klingel 
wecker ist die Verwendung von Leclanchö-Elementen in Aussicht 
genommen. Auf den Centralstellen steht jede der dort eingeführten 
Anschlußlcitungen init einer Signalvorrichtung in Verbindung, 
verinöge deren nicht allein die Glocke eines elektrischen Läutewerks 
zum Tönen, sondern gleichzeitig — wie bei den Signalapparaten 
in größeren Wohnungen, Gasthöfen rc. — auch die Nummer der 
Leitung zum Vorschein gebracht wird, in welcher gerufen worden 
ist. Die Signalapparate der Centralstellen sind zu je 50 an der 
Zahl übersichtlich gruppirt und in schrankartig gestalteten Behält 
nissen untergebracht. Mit Hülfe zweckentsprechend eingerichteter 
Umschalte - Vorrichtungen können die zwischen den verschiedenen 
Thcilnehmern gewünschten Verbindungen, auch wenn die betreffen 
den Leitungen nicht an eine und dieselbe Vermittelungsanstalt an- 
geschlosien sind, jederzeit schnell und leicht bewirkt werden. Die 
Dicnststunden für den städtischen Fernsprechverkehr sind zunächst 
auf die Zeit von 7 Uhr Vormittags im Sommer und von 8 Uhr 
Vormittags im Winter bis 9 Uhr Abends festgesetzt. Ob bezw. 
unter welchen Bedingungen den Thcilnehmern auch während der 
Nachtzeit die Benutzung der Anlage zu gestatten sein möchte, soll, 
wie wir hören, späterer Erwägung vorbehalten bleiben. 
Unsern Lesern werden wir schon in einer der nächsten 
Nummern in einem weiteren Artikel in Bild und Wort eine der 
telephonischen Centralstellen vorführen. 
Die städtischen Baumschulen liefern jetzt alljährlich eine 
große Zahl von jungen Bäumen und Sträuchern, welche für Park- 
Anlagen und Anpflanzungen verwendet werden können. Wie groß 
die Zahl dieser Gehölze im laufenden Etatsjahre ist, läßt sich noch 
nicht übersehen, im Rechnungsjahre 1879/80 waren es, wie die 
National-Zcitung mittheilt, 282,444 Stück im Werthe von 
71,997 Mark. Die Kosten, welche die Baumschulen verursachen, 
betragen jährlich etwa 28,000 Mark. Verkauft werden gegen 
wärtige Gehölze an Private nicht, da der Verbrauch der Stadt 
selbst zu groß ist, um noch einen Theil der Bäume verkäuflich zu 
halten. Ich knüpfe hieran den Wunsch, daß dafür Sorge getragen 
werde, daß die mit allem Fleiß, mit aller Sorgfalt gepflanzten 
Bäume, welche ein so respektables Kapital repräsentiren, in den 
ersten Jahren ihres Berliner Straßenjungenlebens besser ge 
pflegt werden möchten, als das leider gegenwärtig ge 
schieht. Statt einer wöchentlichen einmaligen und noch besser 
zweimaligen Begießung erhalten die jungen Bäume alle 8 bis 
12 Wochen frisch Wasser. Das ist zu wenig selbst bei nassen 
Sommern für Bäume, welche mitten in dem, Wasser nicht durch 
lassenden, Straßenpflaster stehen. Diese mangelhafte Bewässerung 
ist denn auch Schuld daran, daß, wie ich in der Potsdamerstraße 
selbst beobachtet habe, die Hälfte der neugepflanzten Bäume eingeht. 
An unsere Leser. Das Sammeln von Anekdoten aus dem 
Leben des Generalfeldmarschaüs Grasen von Wränge! hat, so 
weit wir das wahrnehmen konnten, allgemeinen Beifall gefunden. 
Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß eine Sammlung der 
vortrefflichen Bonmots König Friedrich Wilhelms IV. noch 
größeres Interesse finden würde. Wir bitten darum unsere Leser, 
der Redaktion mitzutheilen, was sie von solchen witzigen und 
geistreichen Sprüchen König Friedrich Wilhelms IV. kennen. 
Brieftasten. 
O. R. in P. Hätten Sie mir Ihre Postadresse angegeben, konnte 
ich Ihnen schon vor 14 Tagen antworten. Sie finden das Gewünschte 
in „Mushake's Schulkalender", den jeder Gymnasiallehrer besitzt. 
Wer von unsern Lesern kann dem „Bären" eine Geschichte der Ent 
stehung West end's (bei Charlottenburg) schreiben und von Berlin W¥. 
(ich meine das Viertel von der Viktoriastraße westlich bis zum Zoologi 
schen Garten). 
Inhalt. 
Lottchen Lindholz, eine Berlinische Geschichte aus dem 17. Jahr 
hundert von Ludovika Hesekiel (Fortsetzung). Acht Jahre am Hof 
des Prinzen Heinrich (1770—1778), aus den Memoiren eines alten Fran 
zosen, deutsch bearbeitet von Ernst Breest (Fortsetzung). Die zukünftige 
Entwickelung der Berliner Verkehrsverhältnisse (Straßenbahn- und Om 
nibuswesen) von Professor E. Dietrich, Lehrer des Straßenbaus an 
der technischen Hochschule. Friedrich Haase (mit Portrait). Miscellen: 
Bilder von der Stadtbahn, am Humboldtshafen (mit Illustration); All 
gemeine Fernsprechanlage für Berlin; Die städtischen Baumschulen; An 
unsere Leser. Briefkasten. Inserate. 
Verlag von Theodor Dosmann in Berlin. 
Soeben ist vollständig erschienen: 
G. L Lessing. 
Sein Leben und feine Ivcrlre. 
[96] 
von Th. 1V. Danzcl und G. L. Guhraucr. 
Zweite berichtigte und vermehrte Auflage, herausgegeben von 
1V. v. Malzahn und R. Lopbcrger. 
Zwei Bände. — Lieg. drosch. IN. 1ö, geb. M. 18,60. 
Die neue Auflage -cs grun-lcgen-cn Hauptwerkes über -en Srböpfer und ersten 
Klassiker unserer Nationalliteratur, -en geistvollsten Kritiker aller Zeiten, -en vatrn- 
drecber -er mo-ernen Geisteskultur sei hiermit allen .freunden und Veredrcrn de» 
großen un- besten deutschen Mannes angelegentlich empfohlen. 
Verlag von HeSrüöer H^ekel in Berlin. 
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von 
Prof. Dr. William Uierson. 
Mit einer historischen Karte von H. Kiepert. Vierte, verbesserte 
und vermehrte Aufiage. 
2 Bände. Gr. 8. Preis gebunden 12 Mark. 
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. (05) 
Für die Redaction verantwortlich: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Partei in Berlin W. 
Druck: 22. Mörser Hofbuchdruckerei tu Berlin.
	        
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