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Periodical volume 12. Februar 1881, Nr. 20

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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war, sagte der Admiral dem Prinzen, er würde ihni mit seiner 
Erlaubniß eine Idee von einem Seegefechte geben. 
Auf die entsprechenden Signale war in einem Augenblick 
Alles geordnet und die unnützen Gegenstände auf Deck, welche 
ftir den Angriff oder die Vertheidigung schädlich sein konnten, 
beiseit geschafft, so daß das Deck nur mit Soldaten und Matrosen 
angefüllt war. Die Masten und das Takelwerk wimmelten von 
Menschen und Jeder erwartete auf seinem Posten die ihm geltenden 
Befehle. Wir wurden zunächst von Fregatten angegriffen, die 
ihrerseits sich gegen mehrere kleine Schiffe von 6 oder 8 Kanonen 
zu wehren hatten und vor ihnen flohen. Der Admiral erklärte 
unter dem Lärm des Feuers dem Prinzen Alles und dieser bekam 
eine sehr hohe Meinung von der maritimen Kriegskunst der 
Schweden. 
Nach einer der glücklichsten Ueberfahrten kamen wir schon 
am Abend desselben Tages im Hasen von Carlskrona an, immer 
Straßenbahnwesens ausschließlich in die Hände einer oder mehrerer 
Aktien-Gesellschasten gelegt wird. 
Die Regelung des Betriebes der Persvncntransport- Wagen 
in einer großen Stadt ist eine für letztere in höchstem Maße wich 
tige Angelegenheit, die Art und Weise aber, wie bis vor kurzer 
Zeit die Anlegung von Straßenbahnen in Berlin einer Privatge 
sellschaft freigegeben wurde, unter der alleinigen Verpflichtung, ge 
wisse Bedingungen bezüglich der Pflasterung und Unterhaltung der 
Straßen, sowie bezüglich des Betriebes zu erfüllen, war wenig ge 
eignet, die Interessen von Publikum und Stadtverwaltung aus 
reichend zu vertreten. Die Akticn-Gesellschaft suchte sich dabei die 
ergiebigsten Linien heraus, während Stadt und Publikum Werth 
darauf legen mußten, auch weniger frequente Linien ausgebaut zu 
sehen; die Gesellschaft schob die Linien nur soweit in die Vorstädte 
hinaus, als auf ausreichenden Verkehr zu rechnen war, das Publi 
kum mußte dagegen wünschen, daß die Anlegung der Straßen- 
Silder von der Stadtbahn. 7. Originalzeichnung von M. Lübke. 
Der Uebergang der Bahn über den Humboldtshasen. Im Hintergründe Siegessäule und Kronprinzenufer. (Siehe Seite 247.) 
von unseren Fregatten begleitet. Der Prinz wurde mit Kanonen 
salven begrüßt und von einer ungeheuren Menschenmenge will 
kommen geheißen, die alle den Bruder ihrer Königin sehen wollten. 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Münftigc Entwicklung -er Berliner Verkehrsver 
hältnisse (Straßenkahn- Md Omnibuswesen) 
von E. Iietrilü, 
Profeffor und Lehrer des Straßenbaues an der König!, technischen 
Hochschule zu Berlin. 
Verfasser hat wiederholt*) auf die Bedenken hingewiesen, welche 
dagegm erhoben werden können, daß die Ausbildung des Berliner 
*) Z. B. in dem Auffatze „Die Zukunft der Berliner Straßen 
bahnen" in Nr. 91, Jahrgang 1879 der Baugewerks-Zeitung, welchem 
Blatt« auch der vorliegende Auffatz in theilweiser durch den Berfaffer 
bewirkter Umarbeitung resp. Ergänzung entnommen ist. 
bahnen ebenso wie die Pflasterung und Entwässerung der Straßen 
der fortschreitenden Bebauung in den Vorstädten vorausgehe und 
diese Bebauung erleichtere. 
Im Allgemeinen aber ist ein derartiges Abkommen zwischen 
Stadt und Gesellschaft ein in seinen Folgen so wenig übersehbares, 
daß die Gesellschaft einerseits ihren Aktionären möglicherweise ab 
norme hohe Dividenden und diese auf Kosten des fahrenden Publi 
kums zahlen konnte, oder aber anderseits, falls das Abkominen zu 
j Ungunsten der Gesellschaft ausfiel, die Stadtverwaltung sich auf 
Kosten der Aktionäre einer Privatgesellschaft bereicherte. 
Die Frage wäre prinzipiell vielleicht dann am richigsten ge 
löst worden, wenn die Stadtverwaltung den Bau der Straßen- 
: bahnen für die Zukunft selbst übernahm und neue Linien nach eige 
nem Ermeffen anlegte, den Betrieb dagegen auf eine bestimmte 
i Reihe von Jahren an geeignete Unternehmer vergab und sich aus 
der Pacht Deckung für die Anlagekosten verschaffte. 
Dies ist nun fteilich nicht geschehen, aber die Angelegenheit 
j hat nach den Ausführungen des neuen im laufenden Jahre abge- 
' schlossenen Vertrages doch insofern erheblich mehr Halt bekommen, 
E als die Stadtgemeinde in Zukunft Antheil an den finanziellen
        
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