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Periodical volume 29. Januar 1881, Nr. 18

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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der Weg nach dem Mühlendamm. Der Thurm stand also nicht, 
wie bei der nachherigen Kirche, die auch zerstört wurde, an der 
Seite der Brüdcrstraße, sondern an der entgegengesetzten Seite, 
Das große Haus zur linken Seite gehörte 1690 (nach Stridbeck) 
einer Frau Rickert und daran stieß das Schulgebäude. 
Diese alte Pfarrkirche*) von Cöln befindet sich sehr wahr 
scheinlich auf der Stelle, wo ehedem ein wendischer Tempel 
gestanden hat. Sie ist wahrscheinlich um 1160 gebaut und wird 
1285 zum erstenmal erwähnt, 1379 wurde sic, nachdem sie bau 
fällig geworden, in ein gothisches Gotteshaus umgebaut. In den 
Jahren 1555, 1615 und 1675 erneuert, sollte 1706 Schlüter 
dem Bau, wie er sich auf unserem Bilde zeigt, einen neuen Thurm 
schaffen. Aus der Sache wurde jedoch nichts. Friedrich Wil 
helm 1. ließ 1717 die Kirche gänzlich erneuern und derselben 1724 
einen neuen Thurm geben. Derselbe war im Jahre 1730 bereits 
302 Fuß hoch, als den 29. Mai 1730 ein Blitz ihn entzündete 
und dadurch Thurm, Kirche und 40 der umliegenden Häuser gänz 
lich zerstörte. 
Sofort ging man an einen Neubau, beeilte diesen jedoch so 
sehr, daß der bereits 250 Fuß hohe Thurm am 25. August 1734 
einstürzte und im Fall die Hauptpfeiler nach der Brüderstraße 
zu sehr beschädigte. Friedrich Wilhelm I. ließ die Kirche wieder 
herstellen, den Thurm jedoch nicht. Dieser wurde erst unter Fried 
rich Wilhelm II. gebaut. So stand die Kirche bis zum 19. Sep 
tember 1809. In dieser Nacht wurde sie mit sammt einer Anzahl 
der umliegenden Häuser ein Raub der Flammen. Der Platz wurde 
geebnet und 'bepflanzt und die Pctrigemeinde hielt Jahrzehnte 
hindurch ihren Gottesdienst in der Domkirche. 1852 baute Strack 
die jetzt stehende Kirche sammt dem 307 Fuß hohen Thurm. Die 
Einweihung geschah am 16. Oktober 1853. 
Ich habe vorhin schon erwähnt, daß die Petrikirche aus 
der Stelle eines wendischen Gotteshauses steht, oder vielleicht 
richtiger ausgedrückt, daß der älteste Bau der Petrikirche aus einem 
wendischen Tempel in eine christliche Kirche umgewandelt worden 
ist. Noch älter wie die Berliner Nicolaikirche, wurde diese alte 
Cölnische Pfarrkirche für den Gottesdienst der zum christlichen 
Glauben bekehrten wendischen Fischer bestimmt und dieselbe 
dem Patron der Fischer, dem heiligen Petrus geweiht. 
Als die wendischen Gottheiten damals und noch vor dem 
Jahre 1238 — denn aus diesem Jahre kennen wir bereits einen 
Prediger in Cöln Simeon, der später Probst in Berlin wurde — 
aus ihrem Jahrhunderte hindurch innegehabten Besitzthum „aus 
geräuchert" wurden, da sollen sie, so erzählt die Sage, Rache ge 
schworen haben. Ihrem eigenen alten Hause, so oft dasselbe auch 
geflickt und verändert wurde, thaten sie nichts. Als aber die 
"Neubauten entstanden, da zerstörte ihr Zorn dreimal die Kirche. 
Wir wollen hoffen, daß der Zorn der alten Herren verraucht 
*) Anmerk, der Red. Literatur: Schmidt, Geschichte der 
St. Petrikirche. Nicolai. Fidicin, Reinbeck's umständliche Nachrichten 
von dem Brand der Petrikirchc 1730 (mit Illustrationen). 
Aerl'iner Adreßbuch 
Jahrg. 1868—1872* [93] 
zu kaufen gesucht. Offerten ruh II. 6. in der Expedition des „Bär". 
Mittheilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams 
sämmtliche Bände oder einzelne Bände werden zu kaufen gesucht. Offerten 
mit Preisangaben erbitten Gebr. Paetel, Berlin. W 
ist, und daß der schlanke Strack'sche Bau für alle Zukunft vor 
allem Ungemach verschont bleiben möge. D. 
Werkiner Subhastationen in 1880. Im Laufe des Jahres 
1880 haben beim hiesigen Amtsgericht 583 Subhastationen statt 
gefunden und vertheilen sich dieselben wie folgt: 
Bezeichnung 
Be- 
Unbe- 
Reinertrag 
des 
baute 
baute 
der bebauten 
Grundbuchamts. 
Grundstücke. 
Grundstücke. 
Umgebungen 
184 
6 
1207174 
Louisenstadt 
48 
4 
396134 
Königsstadt 
61 
— 
414766 
Friedrichstadt 
15 
— 
115628 
Friedrich-Wilhelmstadt 
5 
— 
81360 
Dorotheenstadt 
2 
— 
21600 
Berlin 
9 
— 
79900 
Alt-Cöln 
14 
— 
78175 
Neu-Cöln 
2 
— 
16925 
Werder 
2 
— 
8395 
Alt-Schöneberg 
32 
1 
256009 
Tempelhof 
19 
6 
134130 
Charlottenburg 
13 
5 
92140 
Jnvalidenhaus-Parzellen 
17 
— 
118465 
Hasenhaide und Weinberge 
21 
3 
141990 
Nicderschönhauser Parzellen 
9 
1 
226741 
Niedcr-Barnim 
85 
19 
380081 
538 
45 
3769613 
Es ergiebt dies gegen 1879 ein Minus von 13 bebauten Grund 
stücken und ein Minus von 27 unbebauten Grundstücken, dagegen 
im Reinerträge ein Plus von 921,452 Mark. Die diesjährigen 
Subhastationen ergeben bei einer Capitalisirung des Reinertrages 
mit 6 Prozent einen Capitalwerth von 62,826,886 Mark. 
Brieftaften. 
R. A. Paris. Friedrich Wilhelm I. oder Friedrich I. Nichts ge 
wisses weiß man nicht, doch ist das erstere das Wahrscheinlichere. 
Graf Br. Alles richtig erhalten und an Th. F. abgeliefert, der 
Ihnen inzwischen wohl schon geschrieben hat. 
Freund Be. Ich will aber doch Ihr zartes Verhältniß mit Stüler- 
straße 10 lösen, und rectificire mich. Sagen wir zwölf. 
Inhalt. 
Lottchen Lindholz, eine Berlinische Geschichte aus dem 17. Jahr 
hundert von Ludovika Hcsekiel (Fortsetzung). Acht Jahre am Hof 
des Prinzen Heinrich (1770—1778), aus den Memoiren eines alten Fran 
zosen, deutsch bearbeitet von Ernst Breest (Fortsetzung]. Papa Wrangel, 
Anekdoten aus seinem Leben. Nach Mittheilungen aus unserm Leserkreise, 
zusammengestellt von Emil Dominik (Fortsetzung). Die Münzen von 
Guben, aus dem Nachlasse des Prorektors Sauße, mitgetheilt von 
Dr. Jentsch. Miscellen: Das Tabackscollegium einst und jetzt (mit 
zwei Illustrationen); Die Petrikirche und der Petrikirchhof von, Jahre 
1660 (niit Illustration); Berliner Subhastationen im Jahre 1880. 
Briefkasten. Inserate. 
soeben erschien im Verlage von Gebr. Paetel: 
Naturwissenschaftliche 
Thatsachen und Probleme. 
Populäre Vorträge 
W. Preyer, 
Professor der Physiologie und Director des Physiologischen 
Instituts der Dniversität Jena. 
Für die Redaction verantwortlich: Emil Dominik in Berlin \V. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 
Druck: SB. Woefer Hofbuchdruckerei in Berlin.
        
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