Path:
Volume 29. Januar 1881, Nr. 18

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

vil. Jahrgang. 
Nr. 18. 
I 
Unter Mitwirkung von: s. Alsieri, Prof. Dr. Georg Lüchmann, Prof. Dr. p. Lasset, Stadtarchivar Fidicin, Theodor Fontane, 
tudovica HeseKiet, Dr. V. Horn, Dr. Hermann Melke, Ferd. Meyer, Dr. Ferd. psiug, Dr. H. pröhte, Direktor Wilhelm Schwärst 
in Posen, Archidiakonus Schwebet in Cüstrin, Stadtrath Adolf Streckfuß, Heinrich wagcner in Potsdam re. 
herausgegeben von Ernst Friedet und Emil Dominik. 
Merlin, 
den 29. Januar 
1881. 
Die Zeitschrift erscheint wöchentlich regelmäßig am Sonnabend, lostet vierteljährlich 2 Marl, und ist durch alle Buchhandlungen, Zcitungsspeditionen und Postämter, sowie durch 
die Expedition, Berlin W., Lützowstraße 7, zu beziehen. — Literarische Beiträge sind an die Redaction des „Bär", Berlin W., Lützowstraße 7, zu senden. — Inserate, pro 
2gesp. Petitzeile 40 Pfg., werden von allen Annoncenexpeditionen sowie von der Verlags-Buchhandlung entgegengenommen. 
Lottchen Lindhoh. 
Eine Berlinische Geschichte aus dem 17. Jahrhundert von £uisomcn fifsdticl. (Fortsetzung.) 
Neunzehntes Kapitel. 
Pie Krau Höerstwachtmeisterin. 
Noch steht am Markte immer 
Das alte stille Haus 
Auch ich bin fremd geworden 
Und weiß, denk' ich zurück, 
Daß ich begraben habe 
Ein gut Theil Jugendglück. 
Prinz Zchönaich-Larolnlh, 
Heinrich Lindholz war lange von seiner Heimath entfernt 
gewesen, er hatte sich auf die Heimkehr gefreut wie ein Kind 
auf die Weihnachtsbeschee- 
rung, und nicht nrir auf 
die Heimkehr, sondern ge- 
radezll auf seine Frau, auf 
ihre schönen dunkeln Augen, 
ihr liebliches Lächeln. Wie 
oft hatte er sich's ausgemalt, 
wie er sie finden werde an 
ihrem Spiunrockeil, in ihrer 
Küche und nun fand er das 
Haus leer. Die Frau lvar 
für ein paar Tage nach 
Tempelhof, sagte ihm die 
Magd, eine fremde ihm 
gänzlich unbekanilte ältere 
Person, die ihn mißtrauisch 
ansah und nicht recht an 
seine Versicherung glaubte, 
daß er der Herr des Hauses sei. Er konnte sich auch 
nicht überwinden, das leere Haus zu betreten, und als 
die Magd ihm gesagt, der Kammerrath Lindholz sei daheim 
und der Oberstwachtmeister Lindholz auch, da beschloß er, seine 
Schritte zu dem Letzteren zu wenden. Beschämt fast fragte 
er nach der Wohnung seines Oheims und verwundert sagte 
ihm die Magd, ob er denn nicht wisse, daß der Herr Oberst 
wachtmeister ganz in der Nähe ein Haus gekauft habe, in der 
Spandauer Straße, weil die Frau Oberstlvachtmcistcrin nicht 
zu weit von der Frau habe wohnen wollen. Heinrich starrte 
die Magd beinahe entsetzt an, Ohm Andreas vcrheirathet, 
aber er mochte sich doch iricht von einer Magd darüber be 
lehren lassen, was im Kreise seiner nächsten Verwandten ge 
schehen, er ließ sich von der Magd das Hans seines Oheims 
zeigen, befahl ihr kurz und gut sein Gemach herzurichten, er 
werde mit dem Herrn Oberstwachtmeistcr zurückkehren. Die 
finstere alte Person ließ die Thür hinter ihm zufallen, lang 
sam, sehr langsam ging er 
die Spandauer Straße hin 
auf, cs war ihm so öde, 
so einsam zu Muth, wie 
zuweilen draußen auf dem 
großen Weltmeer. 
Die Thür des Hauses, 
das ihm als seines Oheims 
Eigenthum bezeichnet war, 
stand weit offen, der Son 
nenschein slnthete in den 
gepflasterten Flur, es sah 
ordentlich einladend aus, und 
da kam ein schwerer sporcn- 
klirrender Tritt die Treppe 
hinunter, im blauen Nock, 
mit Federhut und Degen 
stand Oheim Andreas vor 
ihm, das verwitterte, runzlige Gesicht aber sah auch aus wie 
Heller Sonnenschein. 
„Heinrich, mein Junge," schrie er mit lauter Stimme, 
„bist Du endlich heimgekehrt, na, sei mir tausendmal will 
kommen, komm' nur herauf, meine Frau soll uns einen 
ordentlichen Krug Bier holen, denn fidele Bierhühncr sind wir 
noch immer, nicht war?" 
Oie Prtrilnrche und der prtrilnrchhof zu ürrli». 
Nach dem Bilde des Maler Stridbeck vom Jahre 169(1. 
(Siehe Seite 224).
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.