Path:
Periodical volume 8. Januar 1881, Nr. 15

Full text: Der Bär Issue 7.1881

187 
Allein übrig blieb also nur noch der Niveauübergang beim 
Matthäikirchhofe. Hier blieb der über die Potsdamer Bahn be 
stehen, der über die Anhalter Bahn wurde cassirt. Der letztere 
wurde weiter nach Schöneberg zu auf dem Höhenzuge errichtet. 
Die Entfernung dieser letzteren Ueberführung bis zur Unter 
führung am Kanal beträgt Wohl nahezu 2 Kilometer und trennt 
zwei der bedeutendsten Vorstädte Berlins und das Alles im Inter 
esse zweier Eisenbahnen und gegen das Interesse von ganz Berlin. 
In jedem civilisirten Staate würden die sämmtlichen be 
theiligten Behörden wetteifern, zwischen diesen Stadttheilen so 
schnell wie möglich Verbindungswege herzurichten, wenn auch nie 
solche bestanden hätten; in Preußen, in der Residenz des Landes, 
durste ein Ressortminister hundertjährige Verbindungsstraßen auf 
heben aus besonderer — Freundschaft zu Aktiengesellschaften, die 
selber nicht den Sinn für das allgemeine Wohl hatten, um solche 
Ungeheuerlichkeiten gar nicht erst zu — erbetteln. 
Welche Verpflichtung zur Unterführung der Potsdanrer Eisen 
bahn-Direktion beim Umbau des Bahnhofs auferlegt ist, kenne ich 
nicht. Sicherlich wird der Preußische Eisenbahnminister Maybach 
den Potsdamer Eisenbahndirektor Maybach mit der Verpflichtung 
nicht all zu sehr drängen, und wenn Petitionen mit tausenden 
Unterschriften darum bäten! 
Das ist bei uns nun so. 
Etwas anderes aber als das Interesse der Stadt Berlin — 
solche Kleinigkeit würde niemals berücksichtigt werden — das In 
teresse nämlich des eigenen Ressorts wird sehr bald eine 
Oeffnung der Straßen herbeiführen. Daruin freut Euch „Berlin- 
West^ und „Berlin-Südwest"! 
Durch die rechtswidrige Aushebung nämlich der seit mehr denn 
100 Jahren bestehenden Lützowstraße als Weg von der Pots 
damerstraße zum Halleschen Thore und ebenso der Kursürsten- 
straße ist eine Entwerthung des gesammten Grundbe 
sitzes zwischen diesen Bahnen vom Kreuzberge bis zum 
Kanal naturgemäß eingetreten. Die Bahnen haben sich 
diese durch ihre Versperrung selber herbeigeführte Entwerthung zu 
verschiedenen Malen zu Nutze gemacht, und haben Terrain, das 
nach dem Bebauungsplan Straßenterrain war, als Hinterland 
terrain expropriirt, und unser sauberer Nechtszustand hat diesen 
Raub nicht gehindert. Dies nur nebenbei. 
Der Eisenbahnfiskus wird nun binnen kurzem in den Besitz 
fast des gesammten todt daliegenden Terrains gelangen, das zwischen 
den Bahnhöfen liegt. Ueber kurz oder lang wird einmal die An 
haltische Bahn verstaatlicht, über kurz oder lang wird ferner der 
Dresdner Bahnhof cassirt werden und wird dann aber kaum die 
Millionen Mark werth sein, welche seiner Zeit dem Militairfiskus 
dafür gezahlt sind, — so lange die Verbindungsstraßen 
von Südost nach Südwest nicht hergestellt sind. 
Geschieht dies aber durch Aufmachung der Blücherstraße, 
dann erhöht der Fiskus den Werth dieses seines Bauobjekts um 
ein ganz bedeutendes. 
Sein eigenes Interesse also wird ihn binnen Kurzem dazu 
bringen. — D. 
Iür Erhaltung der Kunlldenlimäkcr. Unter diesem Titel 
bringt der 7^-Correspondent in Nr. 338 der „Vossischen Zeitung" 
einen Artikel, in welchem er die (bis jetzt'nur provisorische) Wieder 
besetzung der Stelle eines Conservators der Kunstdenkmäler im 
preußischen Staate an Stelle des verstorbenen v. Quast mit einem 
Architekten als einen Mißgriff bezeichnet, weil hiernach die in 
unsern Tagen so überaus wichtige Archäologie des Mittelalters 
im Ministerium ohne Vertretung bleiben würde, und weil es unge 
eignet scheint, einen werkthätigen Architekten zum „Conservator" 
zu machen. Ein solcher werde der Versuchung ausgesetzt sein, selbst 
restaurirend — während er nur erhalten soll — aus die Denk 
mäler einzuwirken. — Hierzu bemerkt das Wochenbl. f. Arch. und 
Ing.: Die Erhaltung der Baudenkmäler ist aber in den meisten 
Fällen gar nicht möglich, ohne eingehende Kenntniß der Con- 
struktionen, und ohne werkthätig restaurirend, ergänzend und selbst 
neu bauend einzugreifen, und aus diesem Grunde kann nur ein 
werkthätiger Architekt mit Erfolg Conservator sein. Wollte man 
ihn in Bezug auf alles Bautechnische an einen anderen technischen 
Rath verweisen, so würde nicht er, sondern dieser Andere der 
eigentliche Conservator sein. Auch für die Beaufsichtigung der 
Denkmäler der Kleinkunst, welche in stilistischer Hinsicht sich un 
mittelbar an die Denkmäler der Baukunst anschließen und ohne 
die Kenntniß der Baugeschichte gar nicht richtig gewürdigt werden 
können, ist ein Architekt viel geeigneter (? die Red. d. Bär), als 
ein „tüchtig durchgebildeter Archäologe mit umfassenden positiven 
Kenntnissen", wenn diese Kenntnisse nicht auch die der Geschichte 
der Baukunst umfassen. Daß aber unser neuer Conservator, Herr 
v. Dehn-Rothfelscr, auch tüchtige und positive archäologische 
Kenntnisse besitzt, hat er durch seine frühere Thätigkeit bewiesen. 
Die neue Akademie des Aaumefens für Preußen. Die 
Einsetzung der neuen Akademie des Bauwesens, welche durch 
königlichen Erlaß vom 7. Mai 1880 erfolgte, ist für die 
architektonische Entwickelung Berlins von so großer Tragweite, 
daß wir uns nicht versagen können, ihre innere Einrichtung zu 
beleuchten. 
Sie ist mit dem 1. Oktober 1880 in Kraft getreten und stellt 
eine dem Minister der öffentlichen Arbeiten unterstellte berathende 
Behörde dar. Dieselbe ist in Fragen des öffentlichen Bauwesens, 
welche von hervorragender Bedeutung sind, zu hören, und nament 
lich berufen, das gesammte Baufach in künstlerischer und wissen 
schaftlicher Beziehung zu vertreten, wichtige öffentliche Bauunter 
nehmungen zu beurtheilen, die Anwendung allgemeiner Grundsätze 
im öffentlichen Bauwesen zu berathen, neue Erfahrungen und 
Vorschläge in künstlerischer, wissenschaftlicher und bautechnischer 
Beziehung zu begutachten und sich mit der weiteren Ausbildung 
des Baufaches zu beschäftigen. Der Akadeinie des Bauwesens 
können auch Bauprojekte, welche von öffentlichen Korporationen 
auszuführen sind, zur Begutachtung vorgelegt werden. 
Die Akademie besteht aus einem Präsidenten, zwei Abthei 
lungsdirigenten und dreißig ordentlichen sowie einer unbeschränkten 
Zahl außerordentlicher Mitglieder. Die dreißig Ordinarii müssen 
in Berlin ihren Wohnsitz haben. Damit immer frisches Blut 
wieder in diese Organisation kommt, scheidet alle drei Jahre ein 
Drittel der Mitglieder aus. Auch der Präsident und die Abthci- 
lungsdirigenten werden nur aus drei Jahr gewählt. Wählbar 
sind sämmtliche Architekten des deutschen Reiches, für 
den Hochbau auch noch außerdem Künstler verwandter 
Fächer (Maler, Bildhauer re). Die Wahl erfolgt auf Vor 
schlag des Ministers durch den König selbst, der hier wieder sein 
hohes Verständniß für die Baukunst und was dieser namentlich 
in Berlin noth thut, bekundet hat. 
Ebenso weise ist die Maßregel, daß die Mitgliedschaft ein 
Ehrenamt ist und eine Vergütigung nur in Form von Diäten 
und Reisekosten für diejenigen Mitglieder, welche zeitweise von 
außerhalb einberufen werden, gewährt wird. Die außerordentlichen 
Mitglieder haben das Recht, an allen Sitzungen Theil zu nehmen. 
Für die Geschichte des Bauwesens wird es von Jntereffe sein, 
zu siriren, welche Mitglieder in die Akademie des Bauwesens bei 
deren Jnslebentreten durch das Vertrauen der Krone Preußens 
berufen worden sind. Vorsitzender ist der Ministerial- und Ober- 
Baudirektor Schneider geworden. Ordentliche Mitglieder sind: 
Geh. Ober-Baurath Schwedler, Geh. Baurath Grüttefien, beide 
vortragende Räthe in demselben Ministerium, Geh. Ober-Regierungs- 
rath Kinel, vortragender Rath beim Reichsamt für die Verwaltung
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.