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Volume 2. October 1880, Nr. 1

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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V. Z. aus der Feder eines Baumeisters, und wie fast durchgängig 
falsch waren die täglichen Notizen über die Ausgrabungen auf 
dem Schloßplatz. Wir besitzen vom Jahre 1644 bis 100 Jahre 
später zur Zeit etwa des Abbruchs des alten Doms*) eine Reihe 
ganz vorzüglicher Specialkartcn und Spccialschriften über den Dom, 
daß die jetzigen Ausgrabungen dem darin Gegebenen nichts 
hinzufügen können. 
Ausgrabungen auf dem Schloßplatz im Nordostcn von den 
jetzt vorgenommenen, also „in der todten Ecke zwischen Schloß und 
Spree" können über den ersten Schloßbau**,) die jetzt ge 
führten über die älteste Form der Domkirche vor 1440, andere 
Ausgrabungen über die Lage des „schwarzen Klosters"***) 
Auskunft geben, sie können über die verschwundenen Hohcn- 
zollcrnsärge aufklären; über die Form der zum Theil unter 
Friedrich Wilhelm 1., dann 1747 ganz abgebrochenen Domkirche 
haben wir aber keine näheren Nachrichten durch Spaten und Hacke 
mehr nöthig. 
Der Marstall in der Breitenstraße zeigt bereits die heute 
noch genau vorhandene hübsche Front, nur der Thurm ist nicht 
mehr vorhanden, der auf dem nach dem Wasser zu gelegenen 
Hintergebäude sitzt. Was war das für ein Thurm? Und kann 
mir ein hochverehrter Leser und Mitarbeiter darüber Auskunft er 
theilen, tvic alt dieses Hintergebäude sein mag. Heute befinden 
sich dort, wie bekannt, die Stallungen der Pferde des Königs. 
Einer dieser Räume, in dem die Reitpferde Sr. Majestät heut 
stehen, ist besonders durch seinen mächtigen Säulengang merk 
würdig. Wie alt mag dieses Gebäude sein? 
Auch die schöne Schloßfreiheit ist schon vorhanden; schade, 
daß nicht schon damals der Münzthurm, statt Meister Schlüter zu 
Fall zu bringen, diesen unschönen Fleck Berlins in seinem Falle 
zerschlagen hätte. Wir hatten dann nicht heute nöthig, unsere 
werthen Köpfe zu zerbrechen, wie dieser Schmutzfleck wegzuschaffen. 
An Stelle des wenige Jahre später gebauten Zeughauses 
stehen noch Gebäude mit Gärten, und das heutige Kronprinzliche 
Palais, damals am „Neuen Thor" gelegen, zeigt sich in de* 
Gestalt, wie ich dasselbe schon einmal im vorigen Jahrgang ab 
konterfeien ließ. 
Einen hübschen Anblick gewährt die Königsstraße mit ihren 
Querstraßen und wir empfangen ferner eine klare Vorstellung über 
Lage und Form des damaligen Nathhauses. 
*) Anmerkung der Ned. Als im alten Dom zu Berlin im 
Jahre 1614 die reformirte Religion durch Johann Sigismund eingeführt 
wurde und alle Bilder und Zierrathen in einem Anfall von Bilder- 
flürmcrei herausgenommen wurden (worüber- bekanntlich ein großer Tumult 
entstand), da kam, wie ich das des Näheren schon einmal nach alten 
Zeitungsnachrichten erzählt habe, ein Theil der Bilder nach Hohcnziethen 
und Dertzow. Diese Bilder, geborene Berliner, sind beim Brand der 
Kirche in diesem Jahrhundert sämmtlich bis aus eins verbrannt. Ein 
anderer Theil dieser denr alten Bcrliirer Dom entzogenen wcrthvoUcn 
Bilder nahm der Johannitermeister Fürst Johann Moritz von 
Nassau (gest. 1679) an sich, und ließ damit die Kirche zu Sonnenburg 
schmücken. Ich frage, cxistiren diese Bilder noch in der Sonnen 
burger Kirche? 
**) Ich mochte bei dieser Gelegenheit allen wirklichen Bcrlinkennern 
die gewiß freudige Mittheilung machen, daß binnen Kurzem von sach 
kundigster Feder — den Namen dieses verdienten Mannes zu nennen 
habe ich keine Erlaubniß — ein Werk über das Königliche Schloß er 
scheinen tvird, welches aus langjährigen genauesten Untersuchungen — 
Keller- und Grundrißstudien — basirend eine sehr nothwendige Ergänzung 
zum Dohme'schen Werke bilden wird, das bekanntlich die alte Schloßbau- 
geschichte und was damit zusammenhängt nicht in der Ausführlichkeit be 
handelt hat, wie die neuere Sch^oßgeschichte. 
***) Das Kloster lag wahrscheinlich am Eingang der nach den 
„schwarzen Brüdern" genannten Brüderstraße aus dem Platze, wo später 
hin die Häuser 1—4 erbaut worden sind. 
Ich werde dieses Mittelstück des alten Schultz'schen Planes 
später vervollständigen durch Reproduktion des Theils, welcher die 
damalige Entstehung der Dorotheenstadt re. darstellt. — 
Dominik. 
„Korken lind auch ßompot!" Bei welcher Gelegenheit 
diese Redensart und ob dieselbe in Berlin geboren wurde, er 
kundigte sich kürzlich ein Leser. Ein Freund unseres Blattes 
kann darauf die nachstehende Auskunft geben. Die „Restau 
ration von Frank" in der Heiligengeiststraße war in den 
zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts ein vielbesuchtes Speise 
haus, in welchem junge Leute gut und wohlfeil zu Mittag aßen. 
Der Wirth war wegen seiner guten Speisen und seiner außer 
gewöhnlichen Grobheit eine stadtbekannte Persönlichkeit. Als nun 
einmal sich ein junger Mann darüber beschwerte, daß das Menu 
bereits seit drei Tagen kein Cvmpot brächte, rief Herr Frank: 
„Saure Gorken sind auch Compot!" 
Es ist das derselbe Mann, von dem auch die folgende später oft 
illustrirte Anekdote erzählt wird. Als wieder einmal ein Gast da 
rüber Beschwerde führte, daß er in seiner Suppe einen Faden 
gefunden hätte, rief ihm Frank zu: „Nun nein! Soll vielleicht 
in Ihre Zweigroschen-Suppe eine Sammetmantille schwimmen?" — 
Welche Käufer Werkins vcfinde« sich feit 1812 noch heute 
im Westh dcrfelöeu Iamilien? Der kürzlich in Nr. 34 ver 
öffentlichte Auffatz des Herrn Ghmimsialdirektors Schwartz hat 
einen vortrefflichen Freund unseres Blattes, dein wir schon so 
manchen wcrthvollen Beitrag verdanken, veranlaßt, an der Hand 
der beiden Bücher: „Allgemeiner Straßen- und Wohnungs 
anzeiger für Berlin, herausgegeben von S. Sachs, 
König!. Bauinspektor" und „Berliner Adreßbuch für 
das Jahr 1880," diejenigen Hausbesitzer namhaft zu machen, 
deren Vorfahren vor 60 Jahren bereits im Besitz der betreffenden 
Grundstücke waren. Ich will nur gleich vorherschicken, cs sind 
ihrer nicht viele, die Continuität im HauSbesitz ist eine verschwindende. 
Unser Blatt wird nach und nach die sämnitlichen Straßen 
aufführen. Heute nur den Anfang, und ich werde mich dabei so 
kurz wie möglich fassen. Um Vervollständigung wird gebeten. 
Heiligegeiststraße 21 (ehemals Wittwe Doussin, heute Doussin 
& Comp., Tabakfabrik). Spandauerstraße 65 (damals und 
heute Goldschmidt, Kaufmann) und Nr. 74 (Oehme, Seidenwaaren- 
fabrikant 1812 und heute Oehmes Erben), Nr. 36 (damals Lentz, 
Zinngießermeister, heute Rentier Lentz), Nr. 46 (Mädicke, Knopf 
fabrik ehedem, heute Mädicke, Fabrikbesitzer Charlottenburg). Neue 
Markt 4 und 5 (Wache, verw. Kammergerichtsassessor heute, 
damals Wache, Amtschirurgus). Königsstraße 56 und 57, 
(ehemals L. M. Bamberger, Geldwechsler, heute Bamberger, Ban 
quier), dir. 40 früher Caspary Weinhandlung, heute wohnen 
im Hause Milsche & Caspary, Weinhandlung, der Besitz ist in 
andere Hände übergegangen. Poststraße 23 ehedem Kaufmann 
Knoblauch, heute Prof. Geh. Regierungsrath Knoblauch. Stra- 
lauerstr-'üe Nr. 28. 29 heute wie damals im Besitz der Familie 
Ravens. 4—6 ebenso im Besitz der Brauerfamilie Bier. Nr. 16 
besaß 1812 Seifenfabrikant Sarre, heute ist der Besitz ein anderer 
und nur das Geschäft von Sarre & Comp, befindet sich noch in 
demselben Hause. Nr. 42 heute wie damals Kauftnann Stein 
haufen. Nr. 52 damals Kaufmann Kcibel, heute Kommerzienrath 
Kcibel. Klosterstraße 70 damals wie heute Gasthofbesitzer 
Neucndorff (Grüner Baum). 72 damals Kade, Schlächtermeister, 
heute Rentiers T. und R. Kade. Nr. 87 damals wie heute 
H. F. Fetschow & Sohn Bankgeschäft. Hoher Steinweg 9—10 
damals Kaufmann Reetz, heute Wittwe Reetz. Schloß frei heit 
Nr. 2 damals wie heute Hofjuwelier Humbert, Nr. 4 damals 
Kauftnann Godet, heute Hofjuwclier Godet. Schloßplatz 12
	        
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