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Periodical volume 8. Januar 1881, Nr. 15 Abbildung: Prospect der Stadt Berlin, vom Schiffbauerdamm aus gesehen. Nach einem Kupferstiche aus dem Jahre 1717

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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wäre man beim Magistrat trotz des Ausfalles der Untersuchung 
dennoch der Ueberzeugung gewesen, daß der Rendant mindestens 
nicht uninteressirt beim Verkauf der Ringe gewesen sei. 
Einen treffenden Einblick in die Vermögenslage der Gilde zu 
damaliger Zeit gewähren die Rechnungen, von denen die für die 
Zeit vom 1./4. 1773—1./4. 1774 beispielsweise mit einer Ein 
nahme von 144 Thlr. 16 Sgr. abschließt, 
während 272 - 2 - 10 Pf. veraus- 
gabtsind,sodaßderRendant 127 Thlr. 10 Sgr. 10 Pf. Vorschuß 
leistete. 
Dieser Vorschuß verringerte sich zwar dadurch, daß die Aus 
gaben auf das Nothwendigste beschränkt wurden, sowie durch aber 
maligen Verkauf einer Anzahl Ringe der Schützenkette, derselbe 
betrug aber immer noch nach der letzten der vorliegenden Rech 
nungen pro 1782/83 87 Thlr. 5 Sgr. 10 Pf. 
Ihrer ursprünglichen Bestimmung wieder näher gerückt, wurde 
die Gilde durch die im Jahre 1810 vom König Friedrich Wil 
helm III. errichtete Bürgergarde, welche 
der Schützcngilde als besonderes Schützen 
corps einverleibt wurde und zeichnete sie 
sich hier im Jahre 1813 durch Besetzung 
der Stadt nach dem Ausmarschc der 
Truppen rühmlich aus. Auch dem Allge 
meinwohl brachte sic ein dankenswerthes 
Opfer dadurch, daß sie Alles, was sich 
in ihrer Lade an Geld, Silber und werth- 
vollen Geschenken aller Art besaß, als Opfer- 
auf dem Altar des Vaterlandes nieder 
legte. Dafür bestimmte der König Friedrich 
Wilhelm III., als er im Jahre 1825 die 
Bürgergardc wieder aufhob, daß das frei 
willige Schützencorps und die reitende 
Bürger-Conipagnie, welche Erstere sich wie 
oben erwähnt, aus der Schützcngilde ge 
bildet hatte, noch fernerhin bestehen bleiben 
sollte, doch thaten auch diese beiden Corps 
vom 1. April 1825 an keinen Wachtdienst 
mehr. In diesem Verhältnisse verblieb das 
Schützcncorps bis zum Jahre 1837, in 
welchem Jahre dasselbe sich wieder als 
Gilde constituirte, welcher vom Könige 
unterm 6. Octobcr ej. a. neue Statuten 
verliehen wurden, die unterm 11. Ja 
nuar 1842 durch neue ersetzt wurden und 
welchen letzteren unterm 24./0. 44 noch 
ein Nachtrag zugefügt wurde. 
Am 20. Juli 1847 feierte die Gilde 
das 100jährige Jubiläum ihrer Bestäti 
gung durch Friedrich den Großen, an 
welcher thcilzunchmen 960 Gilden anderer preußischer und deutscher 
Städte eingeladen worden waren, von denen freilich nur der kleinste 
Theil der Einladung Folge leisten konnte. Trotzdem war die Zahl 
der Thcilnchmcr eine so große, daß das Fest sich zu einem der bedeu 
tendsten gestaltete, welche das damalige Berlin gesehen hat. 
Ucbrigens nahm ganz Berlin an demselben Theil, so daß sich 
dasselbe zu einem wahren Volksfeste gestaltete. Eine nähere Be 
schreibung desselben würde uns zu weit führen, erwähnen wollen 
wir nur, daß die Gilde sowie die von auswärts eingetroffenen 
Gäste vom Schützenhause aus nach dem Schlöffe zogen, woselbst, 
nachdem der König Friedrich Wilhelm IV. eine Deputation em 
pfangen hatte, derselbe die Parade über die Schützen abnahm und 
daß außerdem Prämicnschießen nebst obligatem Festessen und Ball 
veranstaltet waren. Eine aufopfernde Thätigkeit entwickelte die 
Gilde im Jahre 1848, als nach dem 18. März ej. a. das Militär 
herausgezogen worden war, durch Uebernahme des Wachtdienstes, 
den es später mit der bald errichteten Bürgerwehr theilte. Ihr 
ist in dieser Zeit die Erhaltung manches öffentlichen Gebäudes, 
sowie die Unterdrückung manches Straßenkrawalles zu danken, 
ohne daß sie jemals von der Waffe hätte Gebrauch machen müssen. 
Auch die späteren Kriegsjahre haben die Gilde stets aus ihrem 
Platze gefunden, viele ihrer jüngeren Mitglieder sind mit hinaus 
gezogen zur Bekämpfung des Feindes und haben da bewiesen, daß 
die in der Linienstraße erlangte Fertigkeit im Handhaben der 
Schußwaffe nicht eine Spielerei war, sondern auch dem Vaterlande 
zu Gute kam, andere haben in opferwilliger Thätigkeit zur Linde 
rung der Entbehrungen und Leiden unserer braven Truppen in 
Feindesland und der verwundeten Krieger in den Lazarethen, theils 
durch thätige Theilnahme, theils durch Geldopfer beigetragen. 
Wenn wir auch wünschen wollen, daß die Gilde niemals wieder 
ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß genöthigt werde, zur Ver 
theidigung der Stadt gegen äußere und innere Feinde zu dienen. 
Prospekt drr Stadt Srrlin, vom Schiffbauerdamm aus gest 
so wollen wir doch wünschen und hoffen, daß dieselbe noch lange 
eine Pflanzstätte sein möge des gemeinsamen Bürgersinnes und 
eine Schule in der Uebung der Waffen für die jüngeren Mitglieder, 
damit, wenn das Vaterland sie ruft, auch sie dasselbe zu verthei 
digen vermögen, wie einst ihre Altvorderen in den ersten Jahr 
hunderten des Bestehens Berlins. 
Kan? Vollgold. 
(Mt Bildniß Seite 177.) 
Sit Terra Tibi Levis! 
Eine ernste und erhebende Feier versammelte am Montag den 
22. November 1880 die Notabeln Berlins im großen Festsaal 
des Rathhauses am Sarge eines der besten und edelsten Bürger 
Berlin's. Zum ersten Male, seitdem das neue Stadthaus existirt. 
Platz wo jetzt Cirkus Renz (Markthalle). jetzt Albrechtstraßen- und Schissb, 
Kirchhof für die Torothccnstadi Wcidcndammcrbrllele. Der Damm über 
(wo jetzt Kaserne des II. Gartercgiments) zwischen Weidendm 
in der Fricdrichstraße. Warienkir>
        
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