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Periodical volume 8. Januar 1881, Nr. 15

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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ihre schmälzenden Zähren zu des Menschen gedeihlicher Gesund 
heit dienen ließen." 
„Das war gar schön gesagt," entgegncte Jda schnippisch, 
obgleich sic mit glänzenden Augen zugehört hatte, „aber Ihr 
lvaret gar nicht aufgefordert. Eure Meinung zu sagen, zur 
Strafe müsset Ihr jetzt auch ein Räthsel erfinden, doch sollet 
Ihr Zeit damit haben, bis Lottchen das ihrige gesagt hat." 
Niemand widersprach den Befehlen der kleinen Dame, 
Lottchen begann sogleich folgendes Räthsel: 
„Den Wolf ich stätig irr; all mein Vermögen nutzet 
Mit meinem Unschuldsklcid ein hoher Orden trutzet 
Ich, ich bin die Geduld, die Juden sonder mich 
Nicht feierten ihr Fest, der Einfalt Bild bin ich." 
Mit einem Blick aus Rührung und Mitleid gemischt sah 
Levin die Jugendgespielin an, grade dies Räthsel schien wie 
geschaffen für sie- Jubelnd aber rief der älteste Nippern: 
„Das ist ein Schäflein." 
„Sv und warum denn, kluger Veit?" fragte Jda neckend. 
„Ei," meinte Veit, „der Wolf trägt ewige Feindschaft 
zum Schäflein und des Schafes sänuntliches Vermögen oder 
Wesen, als Wolle, Fell, Fleisch oder Anderes nutzet. Unter 
dem Namen des güldnen Vließ aber, das doch nichts anderes 
ist denn ein Lammfell, prangen die burgundischen Ordensritter; 
die Juden aber mußten ein Lamm zu ihrem Osterfest haben 
und ein solches ist an ihm selber ein geduldiges und einfältiges 
Thierlein." 
„Recht so," lobte Jda, die in diesem Kreise das Wort 
zu führen schien, „Du wirst noch mal so gelehrt werden, wie 
der Professor Hölzlein oder wie Dein eigner Vater- Nun, 
Junker, seid Ihr noch nicht fertig?" 
„Hört nur immer zu," entgegncte Lcvin und blickte 
entzückt in das frische rosige Gesichtchen, das sie zu ihm 
aufhob. 
„Die Sternlcin sind ganz silbern gar 
Doch giebt's auch blaue zumal 
Die einen leuchten gar so klar 
Die andern machen uns Qual." 
„Das ist ein dummes Räthsel, welches Niemand rathen 
kann," riefen die Knaben. Lottchen lächelte leise und Jda 
war dunkelroth geworden- Den Knaben gefiel das Räthsel- 
aufgeben nicht mehr, sie jagten durch den Garten, Levin und 
Jda waren so in die Betrachtung des wilden Rosenstrauches 
versunken, obwohl sie kein Wort mit einander sprachen, daß 
Lottchen sich entfernte und sich Frau von Nippern als Hülfe 
anbot. Sie hatte seit Kurzem ein merkwürdiges Verständniß 
für Levin und Jda, darum ließ sie die beiden jetzt allein, 
hielt sich aber so fern als möglich von den Franzosen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Schühengilde vsn Serlin. 
(Schluß aus Nr. 13.) 
Auch die vereinigte Berlin'sche und Königstädtsche Schützengilde 
bittet unterm 2. Februar 1746 um Wiedereinsetzung in ihre stüheren 
Rechte und Privilegien, ebenso kommen die Französische Gilde und 
die Gilden der andern Städte. Doch erfolgte die Wiederherstellung 
der Gilden nicht so schnell, namentlich wollte der König nicht mehrere 
Gilden, sondern nur eine, da, wie es in einem Schreiben aus dem 
Jahre 1746 an den Magistrat beißt, einmal der vom Magistrat 
in dem von ihm eingeforderten Gutachten angeführte Endzweck, 
die Bürger wieder zur „Handthierung" des Gewehrs zu gewöhnen 
besser erhalten werden könne, wenn eine combinirte Haupt-Schützen 
gilde hiesiger Residenzen gestiftet, der Schützenplatz vor dem Königs 
thore dazu eingerichtet, in allen andern berlinischen Städten das 
Schießen nach wie vor unterbleibe, anerwäge die vielseitigen Schützen 
häuser und Gesellschaften allzuviel Gelegenheit an die Hand geben, 
daß die Bürger so zum Müßiggang und Trink-Gesellschaft incliniren, 
ihre Nahrung und Wirthschaft negligircn, öffters Frau und Kind 
hungern lassen, und dem Scheiben-Schießen oder Trinken nachgehen 
würden, wodurch dem gemeinen Wesen dasjenige Urtheil und Schaden 
wieder zuwachsen würde, welches Unseres in Gott ruhenden Herrn 
Vaters Majestät so weißlich und landesväterlich durch Abschaffung 
des eingerissenen Mißbrauchs beim Scheiben-Schießen Anno — 1727 
zu unterdrücken bewogen worden. Dasern Ihr nun zuträglich 
haltet, das Vorhaben, eine einzige Schützenbrüderschaft aufzurichten, 
auszuführen, so müsset Ihr dieserhalb einen wohlerstandenen Plan 
machen und darin festsetzen: 
1) daß nur eine combinirte Haupt-Schützcn-Brüderschaft von 
Berlin, Kölln, Friedrich-Werder, Friedrich- und Dorotheen 
stadt sein, und solche aus deutschen und ftanzösischen 
Bürgern 
2) Aus einer gewissen auszumachenden Anzahl und zwar 
3) lauter Ehrliebenden, ordentlichen und in guten Verhältnissen 
stehenden Bürgern bestehen soll. 
4) Das Scheibenschießen nur in 2 bis 3 Sommermonaten 
statthaben, und mit dem Königsschießen geschlossen werden 
müsse. 
5) Die Haupt-Brüderschaft sich anheischig mache, die übrige 
von der Bürgerschaft anzulehren, mit Gewehr umzugehen, 
und dazu aus den Zünften wieder gewisse freiwillige Bürger 
herauszunehmen und solche darinnen zu exerciren. 
Endlich untenn 20. Juli 1747 wurde vom Könige auf Grund 
der vorerwähnten Bedingungen, und des in dem Sinne derselben 
ausgearbeiteten Statutes folgendes Privilegium ertheilt. 
Nachdem Seine Königliche Majestät Unser Allergnädigster Herr 
auf allcrunthänigsten Vortrag der hiesigen Gouvernements und in 
allem betracht der Fertigkeit und Eifers womit Dero getreue Bürger 
schaft an dero Königlichen Residentzien in Berlin sich bei denen 
in anno 1745 aufgestoßenen Kriegsläuftcn, zu Vertheidigung der 
Stadt unters Gewehr begeben, zu allen damal angeordneten Wachten, 
Piquetten, Patrouillen mit Kommando jederzeit willig und bereit 
finden und anführen lassen, allergnädigst resolvirt, die vorhin gänz 
lich eingegangene Bürgerliche Schützen-Compagnie wieder Herstellen 
zu lassen, und dannen sein allergnädigst befohlen, für die zu re- 
tablirende Schützen-Gilde ein Reglement zu entwerfen, und zur 
allergnädigsten Confirmation einzusenden, so ist solches in folgenden 
Artikeln verfasset: 
Artikel I. 
Soll die ganze Schützen-Gilde zwar aus einer combinirten 
Haupt-Brüderschaft bestehen, und die dazu zu nehmende Membra 
aus allen hiesigen Königl. Residentzien,. dessen Städten und Vor 
städten ohne Unterschied genommen werden; damit aber wegen der 
starken Anzahl dessen Brüderschaft desto bester ordentlich er 
halten werde, so ist derselbe 
Artikel II. 
In zwei Compagnien zu vertheilen, dergestalt, daß Berlin und 
Kölln mit ihren Vorstädten die erste, und der Friedrichswerder 
Dorotheen- und Fricdrichsstadt die zweite Compagnie ausmache 
und damit 
Artikel III. 
Bei diesen 2 Coinpagnien, davon jede nicht über 200 Mann stark 
sein muß, aber gute Ordnung gehalten werden könne, so sollen bei 
jeder Compagnie 2 Gilde-Meister, 2 Schützen-Meister und 2 Assessores,
        
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