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Periodical volume 1. Januar 1881, Nr. 14

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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Seit mehr denn 100 Jahren dienen die Gebäude, welche 
unsere Illustration zeigt, außer für die „Schloßapotheke" noch 
als Wohnungen königlicher Beamten. Die erste Gemahlin des 
Kurfürsten Joachim Friedrich, Katharina, eine Tochter des 
Markgrafen Johann von Küstrin, eine eifrig lutherische und 
gottesfürchtige Fürstin, besuchte gern Kranke, uni ihnen Rath und 
Hülfe ju ertheilen und gründete in den 00 er Jahren des 16. Jahr 
hunderts die Schloßapvtheke, aus der sie hilfsbedürftigen 
Personen Arzneimittel reichen ließ. Der erste Hofapothekcr war 
Crispin Haubenschmidt aus Halle. 
Im Innern der Schloßapothekc befinden sich so viel inter 
essante Denkwürdigkeiten, daß es wohl geboten erscheint, einmal 
einen Blick hineinzuwerfen. In dem hochgewölbten Vorraum hängt 
über der Thür zur Apotheke ein Oelbild, welches die Gründerin 
des Instituts, die Kurfürstin Katharina, darstellt, darunter die 
Worte: „Wohlzuthun und mitzutheilen vergesset nicht, denn solche 
Opfer gefallen Gott wohl", während an der rechten Seite des 
Bildes sich die wohlerhaltene Inschrift befindet: „Catharina — 
Tochter Johannis, Markgrafen zu Brandenburg, Gemahlin Joach. 
Friedr., Churs, zu Brandenburg, stiftete Anno 1598 diese Hof- 
apotheke vor die chflr. Hofbedienten, Geistliche und Arme aus 
ihren eigenthümlichen Mitteln." An der Innenwand hängt das 
Oelbild des Gemahls der Stifterin, des Kurfürsten Joachim Friedrich, 
und diesem gegenüber das des Königs Friedrich Wilhelm I., unter 
dessen Regierung die Apotheke einer eingehenden Renovirung unter 
zogen wurde. In den Schränken fesselt eine Collection von hundert 
vasenförmigen Gefäßen die Aufmerksamkeit Aller; die Malerei auf 
denselben, aus verschiedenartigen mythologischen und allegorischen 
Figuren bestehend, rührt von einer Prinzessin des Brandenburgischen 
Regentenhauses her und gereicht der Schloßapothekc zu besonderer 
Zierde. Die antiken Köpfe von acht berühmten Römern und 
Griechen, die auf den mit reicher Ornamentik versehenen Schränken 
stehen, bilden gleichfalls einen bemerkcnswerthen Schmuck des 
freundlichen Raumes. 
Im Jahre 1763 wurde eine „Königliche Hofapotheken-Kom 
mission" errichtet, welche gegenwärtig von dem Kultus-Ministerium 
und dem Ministerium des Königlichen Hauses gemeinschaftlich ressor- 
tirt, und deren drei Kommissarien sind: Professor Dr. von Lauer, 
Professor Dr. Schneider und Geheimer Ober-Regicrungsrath 
Dr. Knerck. Unter dieser Kommission steht die „Lustgarten Nr. 3" 
befindliche „Königliche Hofapothckc", an deren Spitze Hofapothcker 
Dr. Hvermann und Oberprovisor Hartung sich befinden. — 
Professor C. Hustow. (Siehe Portrait Seite 161). Ich 
entnehme die nachfolgenden Zeilen einem vortrefflichen Buche, 
welches Adolf Rosenberg soeben bei Ernst Wasmuth*) er- 
Schmieden „Entwürfe zum Neubau der königlichen Bibliothek in Berlin" 
(wo??) angefertigt, welche der Genehmigung des Kaisers harren. Wir 
können dem Leiter unseres Kultus-Ministeriums nur dankbar sein, daß 
er diesen nothwendige» Bau endlich in Angriff nehmen ließ. 
*) Anmerkung der Redaktion. Der genaue Titel dieses hervor 
ragenden Buches ist: Die B ertiuer Malerschule, 1819 — 1879, 
Studien und Kritiken von Adolf Rosenberg. Berlin, Verlag 
von Ernst Waemuth, Werderstraße t>. Der als Kunsthistoriker 
geschätzte Verfasser hat mit Fleiß und Verständniß ein Werk geschaffen, 
das eine wesentliche Lücke in unserer kunstgeschichtlichen Literatur ausfüllt. 
Man tvird nicht immer bei der Beurtheilung der Meinung des Verfassers 
sein können, aber man wird stets anerkennen müssen, daß strenge Ge- j 
wissenhaftigkcit und ein bedeutendes Kunstverständniß für unsere älteren : 
und neueren Maler daS Urtheil sprachen. Eine Probe von des Verfassers : 
Schreibweise giebt der nachstehende Aufsatz. Wir empfehlen das Buch ‘ 
allen unsern Lesern. Die Ausstattung ist, wie sie von unserer bedeu- 
tendsten Verlagshandlung auf architektonischem und Kunstgebiete zu er- i 
warten war, vortrefflich. 
scheinen ließ. Rosenberg schreibt über den Künstler, dessen Portrait 
wir an die Spitze unserer Nummer setzten, nachfolgendes: „Seit 
der Reorganisation der Kunstakademie ist ein frischeres Leben 
in die Berliner Künstlerwelt eingedrungen, von dem auch die ältere 
und die mittlere Generation nicht unberührt geblieben ist. Außer 
Werner wurden noch drei begabte Lehrer von auswärts an die 
Akademie berufen, Gussow, Michael und Thumann, von denen 
der erste durch seinen kühnen Naturalismus und seine ungewöhn 
liche Farbenfrische nicht blos eine Revolution in Künstlerkreisen, 
sondern auch in den ästhetischen Anschauungen des großen Publi 
kums hervorgerufen hat. 
Carl Gussow wurde im Jahre 1843 in Havelberg ge 
boren und verlebte seine Kindheit in der alten Stadt Branden 
burg a. d. H., in welcher sein Vater als städtischer Baurath seinen 
Wohnsitz genommen hatte. Nachdem er seine Schulstudien vollendet, 
gelangte er erst zu der Ueberzeugung, daß die Kunst sein Beruf 
sei. Er fand bei seinem Vater liebevolles Verständniß und Ent 
gegenkommen und bezog die Kunstschule in Weimar. Hier schloß 
er sich zuerst an Arthur von Ramberg an, welcher ihn durch sein 
eigenes Beispiel auf das Studium der Niederländer wies und 
ihm zugleich durch seine Darstellungen aus dem ländlichen Leben 
ein Stoffgebiet erschloß, aus welchem der junge Künstler später 
seine größten Erfolge erzielen sollte. 
Als Ferdinand Pauwels von Antwerpen nach Weimar berufen 
wurde, verfehlte der glänzende Kolorist, ein entschiedener Vertreter 
des belgischen Realismus, nicht, die jungen aufftrebendcn Künstler 
in seine Kreise zu ziehen. Aber so bedeutend sein Einfluß auch 
auf Gusiow's technische Ausbildung, vornehmlich auf sein später 
mit so großer Entschiedenheit ausgesprochenes koloristisches Glaubens 
bekenntniß war, so wenig harmonirte Gussow innerlich mit seinem 
Lehrer, der trotz seines Realismus in der Farbe ziemlich streng 
akademisch war. Er blieb nur bis zum Jahre 1867 bei ihm und 
ging dann nach München, in der Hoffnung, eine weitere Förde 
rung in der Pilotyschule zu erhalten. 
Diese fesselte ihn jedoch nur vierzehn Tage. Er machte als 
dann eine Studienreise nach Italien und kehrte nach Verlauf von 
sieben Monaten wieder nach Weimar zurück. 
Schon in seinen ersten kleinen Genrebildern, die 1870 in 
Berlin zur Ausstellung gelangten, zeigte sich eine so ausgesprochen 
originale Kraft, ein so selbstständiges koloristisches Talent, daß 
sich Graf Kalkreuth, damals Direktor in Weimar, veranlaßt sah, 
dem jungen Manne eine Professur an der Kunstschule anzutragen, 
welche dieser auch annahm. Es gelang ihm bald, eine umfang 
reiche Lehrthätigkcit zu entwickeln, deren Einfluß sich steigerte, als 
er 1874 nach Karlsruhe und anderthalb Jahre darauf an die 
Berliner Akademie berufen wurde. 
Sein Kolorit, das hie und da, besonders in der Wiedergabe 
der Augen, noch etwas stumpf und Verblasen gewesen war, hatte 
sich geklärt und gekräftigt, seine Formenbildung hatte eine plastische 
Schärfe erreicht, die sich zu einer geradezu unheimlichen Lebendig 
keit steigerte, als er 1876 drei Genrebilder*) mit lebensgroßen 
Figuren: „Das Kätzchen", „Der Blumenfreund" und „Verlorenes 
Glück" vollendete und gleichsam zu seiner Einführung in Berlin 
auf die Ausstellung schickte. 
Noch nie zuvor ist in der deutschen Malerei ein so kühner, 
rücksichtsloser Realist aufgetreten, welcher der Natur so energisch 
zu Leibe geht, als Gussow. Freilich geht die Rücksichtslosigkeit, 
mit welcher er der Natur auf allen ihren Spuren folgt, bisweilen 
so weit, daß aus der übertriebenen Natur die Karrikatur wird. 
*) Anmerkung der Redaktion. Die sämmtlichen oben ange 
führten Werke Gussow's sind in vortrefflichen Photographien in der 
Kunstverlagshandlung von Löscher & Petsch, Berlin AV., Leipzigerstraße, 
erschienen, worauf wir noch besonders aufmerksam machen wollen.
        
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