Path:
Volume 25. December 1880, Nr. 13

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

160 
stehet in Gottes Handt, das Büchlein ist Mir lieb, wer mir cs 
stilt der Ist ein Dieb." Wir sind daher anch jetzt nicht mchp 
der Ansicht, daß die Inschrift mehr für weltliche als für geistliche 
Bücher benutzt sei. Vielleicht stammt sie noch aus der Zeit, da 
man die Bibeln an Ketten legte, weil ihr Werth ein kleines Ka 
pital repräsentirte. — 
Ursprung der Z-i»gcrriiigc. Ich land neulich in „Karl 
Wilhelm Ramlcr's kurzgefaßte Mythologie" in der Prometheussage: 
„Als Jupiter sah, daß er den Pr. nicht überlisten konnte, brauchte 
er offenbare Gewalt und ließ ihn durch Merkurius an den Berg 
Kaukasus führen, wo ihn Vulcanus an den Felsen schmieden mußte. 
Hier fraß ihm ein Adler täglich die Leber weg, die täglich wieder- 
.wuchs. Nach 30 Jahren hörte Pr., als er nicht schlafen konnte, 
eine Unterredung der Parzen von dem Schicksale der jungen Thetis, 
die einen Sohn gebären sollte, der mächtiger werden würde, als 
.sein Vater. Prometheus, welcher wußte, daß Jupiter die Thetis 
liebte, that ihm dies Geheimniß zu wissen, worauf Jupiter die 
Thetis mit einem sterblichen Manne, dem Könige Pelcus ver 
mählte, und den Pr. wieder frei ließ. Doch mußte er am Finger 
einen eisernen Ring tragen, in welchen ein kleines Stück von dem 
Felsen des Kaukasus gefaßt war; auf welche Weise er noch immer 
an den Kaukasus geschmiedet blieb, und Jupiter folglich seinen 
Schwur hielt, ihn dreißigtausend Jahre angefcsselt zu lassen. Von 
diesem Umstande sollen die Fingerringe ihren Ursprung erhalten 
haben." Hat nicht Herr Prof. Paulus Cassel einmal über den 
Ring einen Vortrag gehalten? Ist derselbe irgendwo gedruckt er 
schienen? Was sagt er über den Ursprung der Fingerringe? 
Ph. L. 
Literatur. 
Liedcr-Albnm der Gvldcncii Hmidertzchn. Sammlung von 
ca. 200 Parodien beliebtester Volkslieder ec. Als Vorwort: Faust 
und Gretchcn. Eine tragische Komödie in Reimen. Nach einem 
weltbekannten Stoffe, aber bedeutend verbessert und verkürzt von 
I. D. A. Im Selbstverläge herausgegeben von der „Goldenen 
Hundertzehn" Leipzigerstraße 110. I. Cohn. Preis: 50 Pfennige- 
Berlin 1880. 12. 127 S. — Zusammenstellung der bekannten ge 
reimten und ungereimten Reklamen, die nicht selten wirklichen Witz 
und einen gesunden Volkshumor verrathen. Fast möchte man 
sagen: Schade um den Zivcck! und hoffen, dem Reimschmied auch 
'mal auf eigener Fährte zu begegnen. E. 
Mittheilungen aus der historischen Literatur, herausgegeben 
von der historischen Gesellschaft in Berlin und in deren Auftrage 
redigirt von Dr. Ferdinand Hirsch. VIII. Berlin 1880. 8°. — 
Heft 4 enthält eine anziehende Besprechung Jsaacsohn's: über die 
Memoiren der Kurfürstin Sophie von Hannover und über Fre 
deric li., Histoire de mon temps, aus Bd. IV. der „Publikationen 
aus den K. Preußischen Staatsarchiven". F. 
Drcitzcl: Der Kartoffcllian durch Arme Berlins, seine Ent 
stehung und sein Zweck. Berlin. Verlag von Wiegandt, Hcmpel 
und Pareh. 1880. gr. 8. 23 S. Herr Stadtverordneter A. Drcitzcl 
Stadtrath Gilow gewidmeten Schriftchen die Versuche der städ 
tischen Behörden, um wenigstens einen Theil der ärmeren Berliner, 
soweit derselbe der öffentlichen Armenpflege noch nicht anheimge 
fallen, in den Stand zu setzen, sich unter Aufwendung geringer 
Mittel die Erdfrucht zu verschaffen, welche im Verein mit dem 
Hering oder der „Speckstippe" auch in den bessern Kreisen ein be 
liebtes Essen, eine Art berliner Nationalgericht ist. Wir wünschen 
dem bezüglichen Unternehmungen der Armenverwaltung besten Fort 
gang. F. 
Die Uotiz im Uriefkasten über „Reutlingen" erinnert uns 
daran, daß es für die Leser des „Bär" unzweifelhaft interessant 
wäre, die sämmtlichen Städte und Dörfer Deutschlands, 
denen der Volkswitz „eins anhängt" einmal mit den Anek 
doten und Legenden zusammenzustellen, die sich an ihre Verlästerung 
knüpfen. Es wird sich herausstellen, daß die Zahl dieser Ortschaften 
überraschend groß ist und daß sich unter ihnen auch viele Dörfer 
befinden. Wir bitten also um Beiträge, die wir nach gehöriger 
Ansammlung mittheilen werden. 
Briefkasten. 
A. L. Ich werde verbessert. Zu den beiden gleichgültigen Ecken 
kommt noch die dritte von Landsberger, dem alles „Jacke wie 
Hose" ist. 
C. K. Berlin C. Der „älteste jüdische Kirchhof in Berlin" 
lag meines Wissens auf den Grundstücken Oranienburgerstraße 6—9. 
Sekundant. In der Professor Bergau-Angelegenheit wird 
unsere Nr. 14 eine wunderbare Leistung dieses Herrn besprechen, welche zu 
den größten Hoffnungen berechtigt und welche den untenstehenden Herrn 
als Lektüre bestens empfohlen werden soll. Es handelt sich um ein 
„sogenanntes" Grabdenkmal in dem „sogenannten" Fürstcnberg a/O. 
Sie fragen, wie man auf den Nürnberger Herrn kam. 
Soviel mir bekannt, hat eine, von dem Berliner Architekten 
verein gebildete Kommission (Frage: Wie hießen die Herren?) auf 
Ersuchen des Oberpräsidenten Achenbach den Professor Bcrgau vor 
geschlagen. In Folge dessen trat der Landesdirektor vonLevetzow- 
Gossow, unter Assistenz des Landesbauraths Bluth, mit Professor 
B. in Unterhandlungen, und Professor B. wurde von dem Provinzial- 
Landtage (Vorsitzender: Staatsminister a. D. Freiherr von Manteuffel 
auf Crossen, Stellvertreter, Bürgermeister Hammer in Brandenburg a/H.) 
mit der Herstellung eines vollständigen Inventars beauftragt. 
Bin ich recht berichtet, so ist bei dieser für die Provinz Brandenburg 
hochwichtigen Angelegenheit leider nur der Berliner Architcktenverein befragt 
worden. Nicht befragt sind die sämmtlichen Geschichtsvereine der 
Provinz und diejenigen Männer, von welchen — ich stehe auf Wunsch 
mit Namen zur Verfügung — ein Jeder in seinem kleinen Finger mehr 
Wissenschaft von der Provinz Brandenburg und deren Alterthümern hat, 
als wer? 
Inhalt. 
Lvttchen Lindholz, eine Berlinische Geschichte aus dem 17. Jahr 
hundert von Ludovica H esc kiel (Fortsetzung). Sagen und Gebräuche 
aus.der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr von Prof. Paulus 
Cassel. Die Schützengild« von Berlin. Hermann Duncker, Bürger 
meister von Berlin (mit Portrait). MiSccllen: Berliner Weihnachts 
markt (mit Illustration); Bau des ethnographischen Museums; Noch 
einmal ragolen; noch ein paar Varianten; Ursprung der Fingerringe. 
Literatur. Briefkasten. An unsere Leser. — 
schildert IN dem dein verdienten Vorsitzenden der Armendirektion 
An unsere Leser! 
Mit der nächsten -Nummer 14 beginnt das zweite Quartal des laufenden Jahrganges. Wir ersuchen daher diejenigen unserer Leser, 
welche ihr Abonnement noch nicht erneuert haben, dies daldmöglichst bewerkstelligen zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung entstehe. 
Das neue Quartal wird unter Ander»! außer der Fortsetzung des Hesckiel'schcn Romans „Lvttchen Lindholz", höchst interessante 
Memoiren, „Acht Jahre am Hose des Prinzen Heinrich 1770—1778, aus den Memoiren eines alten Franzosen, deutsch bearbeitet 
von Ernst Breest" enthalten. Theodor Fontane, der das Manuscript gelesen, schrieb dem Redacteur dieses Blattes darüber, daß „cs innerhalb 
der Fridricianijchcn Literatur und für die Hofgefchichte jener Zeit ein epochemachendes Buch" sei. Die nächsten Nummern werden 
ferner die Fortsetzung der „Wrangcl-Anekdoten", sowie weitere interessante Beiträge unserer Herrn Mitarbeiter bringen. 
Die Expedition des „Dar", Berlin W., Lützowstraße 7. 
Für die Redaction verantwortlich: Emil Dominik in Berlin W. — Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin W. 
Druck: W. Mörser Hosbuchdruckcrei i» Breitn.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.