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Periodical volume 18. December 1880, Nr. 12

Full text: Der Bär Issue 7.1881

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Nie verwechselt mit dem Jäger, 
Der sich No(my Jagar nennt — 
Dieser Frau war Geistersehen 
Ihr recht eignes Element. 
Durch den Sprcewald nicht ausschließlich 
Hört man den Nachtsuhrmann ziehn. 
Auch den Grunewald durchspukt er. 
Streift bis dicht hin vor Berlin; 
Wagt sich in das Nebelflimmern, 
In des Gaslichts Spiegelbild, 
Schein von hunderttausend Flammen, 
Der dein Häusermeer entquillt. 
Lautlos mit zwei schwarzen Pferden. — 
Schwarze Männer, gleichfalls zwei, 
Sitzen aus verhülltem Wagen, 
Langsam rollet der vorbei. 
Manche sahen, mehr noch horten. 
Wie gespenstisch er kam nah. 
Welch' ein Abstand! — Feine Damen 
Hier; — dort Kito Panks Mama. 
M i s c e t l e n. 
Die Kcikigelrreuzkirche am Ioljannestisch. Das Projekt 
dieser neuen Berliner Kirche lvar bekanntlich auf der diesjährigen 
Kunstausstellung ausgestellt. Das „Wochenblatt für Arch. und 
Ingen." kritisirt diesen Entwurf wie folgt: 
Zunächst an einem sehr bevorzugten Platze und weithin in 
die Augen springend ist das Modell der Heiligenkrcuzkirche 
aufgestellt. Professor Otzcn hat es bei diesem für den Johannestisch 
bestimmten Entwürfe in moderner Gothik vortrefflich verstanden, 
an einer nicht allzugroßen Kirche eine Fülle großartiger Motive 
zu vertuenden und durch die Ausbildung geringwerthiger Bautheile 
als Thürme, welche theils die Hauptfaqade, theils die Kuppel 
flankiren, eine für Berlin jedenfalls höchst eigenartige Baugruppe 
herzustellen. Die Frage der Zweckmäßigkeit hinsichtlich der Be- 
lcuchtuug, namentlich aber hinsichtlich der Akustik, über welche bei 
Kuppeln von solcher Höhe bedenkliche Erfahrungen vorliegen, mag 
hier eine offene bleiben; ebenso ist es anzunehmen, daß die unbe- 
quemen Haupteingänge bei der Ausführung zu Gunsten des Ver 
kehrs eine anderweite Anordnung erhalten werden; das aber- ist 
ein schwerer nicht zu beseitigender Fehler in diesem an und fiir 
sich schönen Eickwurfe, daß der Verfasser der nächsten Umgebung 
des Bauwerkes keine Rcchnuitg getragen hat. 
Zur Kanalisation von Werlin. Wir entnehmen der „Deut 
schen Bauzeitung": Die bisher in der Ausführung begriffenm 
und dem größeren Theile nach auch bereits vollendeten Kanali 
sations-Arbeiten der Stadt beziehen sich wie bekannt beschlußmäßig 
nur auf das in 5 sogen. Radial-Systeme getheilte engere Stadt 
gebiet und haben die äußern zwischen der Umfangslinie der engeren 
Stadt und der Weichbildgrenze belegenen Gebictstheile unberück 
sichtigt gelassen. Doch ist aus die spätere Kanalisation dieser 
äußeren Gebietstheile, bei dem Projekte der Kanalisation der 
inneren Stadt in so weit Rilcksicht genommen worden, als man 
von vorn herein eine Zerlegung jener Außcntheile in paffend 
arrondirte Systeme vorgenommen hat, die — der Zahl nach 7 be 
tragend — sich zwangslos den 5 Systemen der inneren Stadt 
anfügen. 
Die meisten der 7 äußeren Systeme sind nun so schwach be 
baut, daß zur Durchführung der Kanalisation noch kein dringendes 
Bedürfniß sich zeigt; nur zwei derselben — IIA und IIIB — 
machen hiervon eine Ausnahme: IIIB die sogen, äußere Friedrich - 
stadt umfassend, hat etwa 330 ha Größe und zur Zeit 30,000 — 
40,000 Einwohner; IIA die sogen, äußere Louisenstadt ist etwa 
250 ha groß und etwas weniger stark bevölkert, als der andere 
genannte Stadttheil. Beide Systeme, welche den Landwehrkanal 
als nördliche und die Belle-Alliancestraße als gemeinsame — 
westliche, bezw. östliche — Grenze haben, stimmen auch darin 
überein,, daß ihre Bebauung im raschen Fortschreiten begriffen 
ist, so wie daß vermöge ihrer relativ niedrigen Lage die Entwässe 
rungs-Verhältnisse in denselben einigermaßen schwierige sind. 
Es hat unter diesen Verhältnissen nur relativ geringer An 
strengungen seitens der Bewohner der betr. Stadttheile bedurft, 
um die städtische Verwaltung dazu zu vermögen, der Frage wegen 
alsbaldiger Ausdehnung der Berliner Kanalisation auf die beiden 
in Rede befindlichen Theile des äußern Stadtgebiets näher zu 
treten. Der am 14. Oktober abgehaltenen Versammlung der 
Stadtverordneten lagen bereits von Ausschüssen vorberathene Pro 
jekte und Kostenanschläge vor, welch letztere mit den Summen 
von 4,650,000 M. (System IIA) und 4,200,000 M. (System IIIB) 
abschließen. Beide Projekte haben nach nur kurzer Verhandlung 
die Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlung gefunden, 
womit der Weg für eine baldige Ausführung derselben geebnet 
ist. In ihren Grundzügen sind die Projekte übereinstimmend 
mit demjenigen, was bereits in den übrigen Systemen ausgeführt 
ist: Schwemm-Kanalisation mit Hebung der Abwasser durch 
Pumpwerke und Leitung derselben nach — noch zu erwerbenden 
— Rieselfeldern. Für die Anlage der Pumpwerke sind Grund 
stücke bezw. an der Urbanstraße und an der Genthiner- 
straße in Aussicht genommen. 
Nicht ohne Jntereffe ist es angesichts der heftigen prinzipiellen 
Widersprüche, die dem System der Schwemm-Kanalisation in der 
Presse und in Vereinen noch, immer bereitet werden und in Hin 
blick auf die besonderen Schwierigkeiten, mit denen der Beginn 
der Durchführung dieses Systems (vor etwa 7 Jahren) sich in 
Berlin hat durchkämpfen müssen, die „glatte" Art und Weise 
kurz zu berühren, mit der die Ausdehnung dieses Systems auf 
die Außengebiete der Stadt von den städtischen Behörden zum 
Beschluß erhoben worden ist. 
Prinzipielle Opposition wurde dem Werke nur von einer 
einzigen Stimme bereitet, welche mit sattsam bekannten Gründen 
für das „System Liernur" plädirte, indem das betr. Mitglied den 
Gegenantrag stellte: „Daß ein Projekt zur Kanalisirung der bezüg 
lichen Stadttheile ausgestellt werden möge, welches den Ansprüchen 
der Bewohner jener Bezirke auf die von den Schwemm-Kanälen 
gewährten Annehnckichkeiten, Bequemlichkeiten und sanitären Vor 
theile entspricht, aber nicht wie diese, Rieselfelder erfordert, 
sondern dieselben vielmehr ausschließt." Erläutert wurde 
dieser Antrag vom Urheber dahin, daß er die Erbauung von 
Bassins wolle, in denen die Stoffe sich sammeln und aus denen 
die wässerigen Stoffe in die Flußläufe, die festen durch Abfuhr 
entfernt werden sollen. Mehreren anderen Rednern erschien zwar 
der in den bereits kanalisirten Stadttheilen geschaffene Zustand 
noch nicht das Ideal, aber doch in so hohem Grade beftiedigend, 
daß sie der Vorlage in mehr oder weniger unbedingter Weise 
das Wort reden zu müffen glaubten. Die Einhelligkeit der Ver 
sammlung bei der Stimmabgabe war wie nach solchen Präludien 
nicht anders erwartet werden konnte, eine sehr große. — 
Das System der Schwemm-Kanalisation hat, wie man nach 
deni Verlaufe der besprochenen Verhandlungen nicht anders ur 
theilen kann, in Berlin seine bisherige praktische Probe mit Glanz 
bestanden. Hoffen wir, daß die Ueberzeugung von seinen Vorzügen
        
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