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Volume 4. December 1880, Nr. 10

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

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zunächst eine Vermehrung derselben durch weise National-Oekonomie 
des Herrschers von Scharfenberg um etwa 1000 7», d. h. eine Ver- 
zehnsachung seit seiner Besitznahme zu notiren. Zwei Familien, 
die Häupter derselben Brüder, sind die steten Bewohner und Hüter 
des Eilands und auch in diesem 
Geschlecht spiegelt sich die Rück 
kehr zu einer wohlthuenden 
Urwüchsigkeit wieder. Wie bei 
unsern Urahnen sind es nur 
Rufnamen, welche diese Schar- 
senberger tragen, und unter 
Fritz und Carl lernen wir 
zwei prächtige deutsche Ge 
stalten, mit treuen Augen, 
Bart und Haar wie der Him 
mel es ihnen wachsen lies;, 
dabei zur guten Jahreszeit, so 
viel und so oft es ihnen be 
liebt, barhäuptig und bar 
füßig kennen, die, wie es sich 
für gute Insulaner ziemt. 
Alles: Ackerbauer, Gärtner, 
Jäger, Fischer, Bauhandwerker, 
vor Allein aber die besten an 
hänglichsten Leute, ebenso sehr 
Freunde als Diener ihres Herrn 
sind. Für das geistige Wohl 
des zahlreichen "Nachwuchses 
dessen jüngstes Glied den "Na 
men Thuiseo führt, sorgt die 
Scharfenberger Gemeindeschule 
„Bolleanum“ genannt, an 
der die Mütter der Kinder 
die einzigen und besten Lehre 
rinnen sind. 
Und nun zum Schöpfer 
dieses Paradieses! Er führt 
hier ausruhend von städtischen 
Drangsalen, periodisch ein 
wirkliches Robinson-Leben, nur 
daß der geistige Eonner mit 
der Außenwelt ein andrer wie 
bei jenem Crusoe ist. Alles 
was zur Nahrung erforderlich, 
bringt die Insel und das 
Wasser: das Brod ist aus 
Scharfenberger Korn, das 
Huhn dort geboren, die Kir 
schen und Erdbeeren, die Ma 
ronen und Feigen dort ge 
wachsen, die Citronen werden 
am Hause gepflückt, und die 
Lorbeerblätter wie der Dill 
des prächtig zubereiteten See 
schlei sind aus dem Garren; 
ja sollten, — was ich kaum 
glaube, — die Insel, außer 
einer großen Anzahl schöner 
Falter einmal ausnahmweise 
auch böse Insekten bewohnen 
wollen, so blüht dort im Garten, solchen Feinden zur War 
nung , „echt persisches Insektenpulver". — Aber einsam in 
dieser Idylle steht der Besitzer! "Nur ein Strauch, der zum hohen 
Baume heranzuwachsen verspricht, jene Türkestaner Silberpappel, 
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ihm zu Ehren Popalus Bolleana genannt, trägt auf ihm eigener 
Erde noch seinen Namen. Fast einsamer tvie ein katholischer Pfarrer, 
der doch wenigstens eine Köchin haben kann, die hieher, wenigstens 
wenn sie perfekt ist, ungern herauszieht, schasst und lebt er auf 
Scharfenberg. Die Insel ist 
seine Geliebte, die Bäume 
und Blumen sind seine Kin 
der; aber dennoch glaube 
ich nicht, daß er sich ein 
sam fühlt, denn wer aus 
einer wüsten Scholle eine grüne 
Idylle schafft, dem giebt die 
Natur hundertfach durch Freude 
Leben die Blühen und Kosten 
zurück. 
In vielen unserer Leser 
wird der Wunsch lvach wetbilli, 
Scharfenberg kennen zu lernen; 
mancher wird nun sehnsüchtig 
von den Ufern des Sees nach 
der grünen dichtumbuschten 
Insel hinüber schauen, und 
fragen: wie kommt man dort 
hin? wer erlaubt die Landung, 
und wer führt durch den Schilf- 
wall sicher den Kahn an das 
Land? — Ich glaube den Weg 
dorthin darf ich, was für 
Freunde des Hauses nicht noth 
wendig, verrathen. Am leich 
testen gelangt man von Saat 
winkel, wo der Fährmann die 
Landungsstellen kennt, zu jenen 
Gestaden; ungleich schwieriger, 
den Tegeler See umwandelnd, 
oder die Havel oberhalb Span- 
dau's übersetzend, gelaugt man 
an das der Insel benachbarte 
Heiligenseeer-Ufer, wo die 
Fähre steht, und der Scharsen- 
berger Hos zu errufen ist. 
Einzelnen Personen, wenn 
sie sich vorher anmelden, wozu 
per Post via Tegel gewöhnlich 
zwei Tage erforderlich sind, 
gestattet Herr Dr. Bolle, wohl 
auch gern den Besuch der Insel, 
und giebt dann den liebens 
würdigen instruetivsten Führer 
ab, den im Fall der Abwesen 
heit sein Gärtner Earl Berge- 
mann, gern vertritt. — Jeder 
scheidet von Scharfenberg dann 
mit dem Gefühl, daß unsre 
Mark, selbst dicht bei Berlin, 
— mit fesselnden Reizen aus 
gestattet ist und das sie Söhne 
erzeugt, die liebend an ihr 
hangen und durch tausend un 
zerreißbare Fäden mir dem 
selbst gewählten Heim verknüpft, auf ihrem Boden „ubi Ions, ubi 
nemus placuit,“ als freie Männer leben und sterben wollen. 
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