Path:
Volume 27. November 1880, Nr. 9

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue7.1881 (Public Domain)

110 
derweilen wilde Söldnerschaaren das Mark des Landes ausgesaugt, 
das Edict erging: „Wer einen Hirsch scheust, zahlt 500 Thaler 
Strasc; für jedes andere Wildprctt 400, für einen Wolf oder 
Marder 50, für eine Ente 10, für eine wilde Taube 5 Thaler!" 
Der große Friedrich Wilhelm, der Wiedererrichter des 
preußischen Staats, belebte auch von neuem die verödeten Hallen 
des Schlosses Grunewald. Nach einer hier abgehaltenen Jagd, 
welcher der Stadtrichter, Rathskämmercr zu Cöln und Kammer- 
gerichts-Advokat Nicolaus Peuckcr, der begeisterte Poet des Fürsten, 
beigewohnt, bat er diesen in folgenden Versen um ein wildes 
Schwein: 
„Wär' ich einer von den Reichen, 
Sofern vermocht' ich auch so viel, daß ich mir ein hauend Schwein 
Eine Sau, und sollt' es auch endlich nur ein Frischlein sein, 
Schasst in meine Küch' und Haus! Aber was ist da zu sagen? 
Giebt nicht Friedrich Wilhelm mir auch einmal von seinem Jagen 
Etwas ab, so krieg' ich nichts von Wildbrate in den Mund/' 
Friedrich Wilhelm erwiderte ihm freundlich, er möge nur die 
Gewährung seiner Bitte, in Reime gebracht, ihm zur Unterzeichnung 
vorlegen. 
Von den Jagd-Edicten dieses Fürsten ordnete das unterm 
4. Dezember 1666 erlassene an: die Geweihe und Stangen, so die 
Hirsche in dcit landesherrlichen Wäldern dann und wann abwür 
fen, sollen fleißig gesammelt und den Haidereutern, gegen 2 Pfen 
nig für jedes Stück, abgeliefert werden. 
Mannigfach sind hier die Gegenstände, welche davon Zeugniß 
geben, daß König Friedrich l. oem edlen Waidwerke nachging, 
während seine Gemahlin Sophie Charlotte, umgeben von anmu- 
tIngen Damen und geistreichen Cavalieren, in der von ihr ge 
schaffenen „Litzenburg" (Charlottcnburg) ihren denkwürdigen Hof 
hielt. Im ersten Stockwerk des Jagdschlosses erblicken tvir den 
König auf der Jagd, während ein anderes Oelgemälde den ruhen 
den, von Rüdinger im Kupferstich vervielfältigten 66-Ender zeigt, 
welchen der damalige Kurfürst 1696 bei Fürstenwalde erlegte. 
Ferner bekundet die Windfahne auf der Kuppel des Thurmes, 
durch die angebrachte Jahreszahl 1706, daß der Monarch zu jener 
Zeit bauliche Veränderungen an dem Schlosse vornehmen ließ. 
König Friedrich Wilhelm I. war ein leidenschaftlicher und 
geübter Jäger; besonders liebte er die Parforcejagd und verfolgte 
aus derselben den Hirsch oft 6 bis 8 Stunden. Nach Faßmann's 
Angaben schoß er einst an einem Tage 160 Rebhühner, 9 Hasen, 
4 Fasanen und eine Eule. — Bei seiner großen Jagdliebe hielt 
der sonst so sparsame König 12 Jägerburschen am Hofe, die er 
mit besonderem Wohlwollen behandelte. Zu seinem eigenen Ge 
brauch hielt er stets 40 Pferde, von denen seine beiden Lieblings 
rosse mecklenburgischer Racc, in Oel gemalt, ein Zimmer des zwei 
ten Stockwerks schmücken. Ebendaselbst befinden sich die prächtig 
sten Exemplare des vom König erlegten Wildes, darunter ein 
„Eber im Gewichte von 6 Ccntncrn" abgebildet. 
Friedrich Wilhelm's I. Sohn, der Philosoph von Sanssouci, 
war ein Feind jeglichen Waidwerks; er ließ selbst die Umzäunung 
des Thiergartens beseitigen. Zu seiner Zeit wurde Schloß Grunc- 
wald von dem Jagdzeugmeister Schenck verwaltet, demselben, welcher 
die Nachricht von der verlorenen Schlacht bei Kunersdorf nach 
Berlin überbrachte. Aus seinen Auszeichnungen, in dem Dach- 
knopfe mit der Wetterfahne aus dem Lvnar'schen Gebäude wurde 
in demselben 1770 ein Theil des ansehnlichen Jagdzeuges unterge 
bracht, das bis zur Errichtung der königl. Bank auf dem „Jäger 
bose" in Berlin sich befand. Dieser Jägerbof (dessen Bild wir 
schon in einer der nächsten Nummern bringen werden) erstreckte sich, 
als früheres kurfürstliches Vorwerk, längs der Obertvallstraße, von 
der Jäger- bis zur NiedcrwaUstraße resp. dem früheren „Krähen 
markt" (Hausvogteiplatz), bis wohin ehedem der Thiergarten reichte. 
Aus jenem Jahre stammen auch die drei mächtigen Kastanien 
bäume, welche das Schloß überragen. Als eine (Kuriosität ist der 
schwarze Hase zu betrachten, dessen Abbildung in der Vorhalle 
des Schlosses zugleich die Notiz enthält: „Diesen schwarzen und 
raren Hasen haben Ihre Durchlaucht der Fürst Friedrich Heinrich 
Eugenius zu Anhalt, Königl. Polnischer und Kurfürstlich Sächsischer 
Generallieutenant von der Kavallerie, Gouverneur zu Wittenberg, 
Ritter des Weißen Adlerordens und Oberster über ein Regiment 
zu Pferde, den 15. November 1753 in dem von Sr. Königl. 
Majestät dcnenselben Allergnädigst concedirtcn Jagdrevier an der 
Elbe, gerade gegen der Wittenberger Ziegelscheune über, mit 17 
Stecknetzen und 31 Bund Federlappen selber gefangen. Se. 
Königl. Hoheit haben diesen Hasen sogleich durch den zweiten 
Piqueur in einem Kasten an Se. königl. Majestät in Polen nach 
Hubertusburg lebendig geschickt." Neben der Bestätigung früherer 
Jagd-Edicte gebot Friedrich Wilhelm I., unterm 17. März 1725, 
den Herren Offizieren bei schwerer Ungnade, daß sie sich nicht 
unterfangen sollten, mit Jagd- und Windhunden auszugehen, oder 
zu diesem Zweck sich gar eigene Jäger zu halten, den Forstbedienten 
nicht unanständig zu begegnen oder sie zu bedrohen. Dieser Be 
fehl wurde ihnen bei öffentlicher Parade publizirt. 
König Friedrich Wiihelm 11. verweilte zeitweise im Schloß 
Grunewald; ebenso Friedrich Wilhelm 111., ohne indessen an 
den Porsorce-Jagden Theil zu nehmen, die nach Friedrich Wilhelm I. 
Tode erst am 8. Februar 1828 hier wieder eingeführt wurden. 
Dagegen ließ der Monarch am Uferrande des Grunewaldsees unter 
dem Laubgrlln der hohen Buchen ein Angelhaus errichten und 
verweilte hier, wenn er beim Beginn des Sommers nach Char 
lottenburg übergesiedelt war, mit seiner zweiten Gemahlin, der 
Fürstin von Liegnitz, in idyllischer Abgeschiedenheit. Noch haben 
wir an eine historische Episode aus dem Jahre 1814 zu erinnern. 
Nachdem die Alliirten am 31. März jenes Jahres ihren Einzug 
in Paris gehalten und auf Blücher's Veranlaffung die von Napo 
leon entführte Victoria unseres Brandenburger Thores auf dem 
Hofe eines Staatsgebäudes im Faubourg Poissonnisre unter einem 
Bretterschuppen vorgefunden worden war, hielten die auseinander 
genommenen Theile der Gruppe in fünfzehn Kisten, unter Glocken 
geläute und Kanonendonner, ihren festlichen Einzug in Düsseldorf. 
Die weitere Fahrt glich von dort ab einem ununterbrochenen 
Triumphzuge: patriotische Männer und Frauen, weißgekleidete 
Jungffauen und Kinder brachten Blumenspenden, Gedichte und 
Anschriften dar. Wandelnden Blumenhügeln gleich gelangten die 
Wagen über Hannover und Braunschweig nach dem Werder bei 
Potsdam, wo der Kupferschmied Jury mit Freudenthränen sein 
Werk zurückkehren sah. Von hier tvurde die Quadriga auf einige 
Zeit nach Schloß Grunewald gebracht, um dann, nachdem sie am 
15. Juni ihren feierlichen Einzug in Berlin gehalten, während der 
Nacht zum 7. August uuter einer zcltartigen Verhüllung wieder 
aufgestellt zu werden. Als dann Friedrich Wilhelm III., von 
Charlottenburg kommend, an der Spitze der zurückkehrenden Trup 
pen seinen Einzug hielt, enthüllte die Siegesgöttin sich in dem 
neu errungenen Glanze: dem Eisernen Kreuze mit dem Eichenkranz, 
über welchem der gekrönte Adler sich emporschwingt. Jene patrio 
tischen Spenden aber bildeten noch lange einen Schmuck der 
Jagdschloßgemächer im Grunewald. 
Nachdem die Parforce-Jagden auf Rothwild mit dem Tode 
Friedrich Wilhelm's 1. eingegaugcn waren, wurden dieselben, wie 
schon erwähnt, im Jahre 1828 „auf Wildschwein" wieder eingeführt. 
An dieser ersten Jagd nahmen Theil der Kronprinz (nachmalige 
König Friedrich Wilhelm IV.), die Prinzen Carl und August von 
Preußen, ivelch' Ersterer als der Stifter zu betrachten ist, — und 
der Oberstkämmerer Graf v. Redern. Bei der am 17. November 
1863 abgehaltenen eintausendsten Parforce-Jagd, von denen im 
Grunewald 273 stattfanden, ergab eine Zusammenstellung, daß 
König Friedrich Wilhelm IV. „abgefangen" 19 Stück, König
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.