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Periodical volume 1. Mai 1878, Nr. 9

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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theilung der einzelnen Häuser an Zählungs-Revisoren u. s. w. 
Hinsichtlich der Formulare traten auch wichtige Aenderungen ein, 
z. B. die Einführung der Grundstückskontrolliste, mit der auch 
der erste Grund zur Berliner Kommunalstatistik gelegt wurde. 
Bei der Zählung von 1864 wurde im allgemeinen das Verfahren 
der vorigen beibehalten, die einzige Aenderung bestand darin, 
daß statt des Altersjahrs das Geburtsjahr erhoben wurde, 
woran später Rcg.-Rath Böckh, sowohl für den Staat wie für 
die Stadt, seine mustergültige Berechnung der Sterblichkeitstafeln 
knüpfte. Die nächste Zählung am 3. Dec. 1867 ist besonders 
um deswillen von Bedeutung, weil sie die erste im preußischen 
Staat war, die nach den Grundsätzen wiffenschaftlicher Statistik 
ausgeführt wurde; das Princip der Zählung der faktischen 
Bevölkerung wurde diesmal strikte durchgeführt, auch bei der 
Zählung von Civil und Militair fand kein Unterschied statt; die alte 
Urliste war ebenfalls gefallen und an deren Stelle eine Zählungs 
liste für jeden Haushalt getreten, die von jedem Haushaltungs 
vorstand direkt auszufüllen war. Der Erfolg auch dieser Zählung 
war ein glänzender zu nennen; die Volkszahl Berlins, mit Ein 
schluß des Militairs, ergab 702,437, d. h. sie hatte um 60,158 
Köpfe gegen die letzte Zählung zugenommen. 
Die Ansprüche des Staats bei dieser Zählung waren übrigens 
erheblich gestiegen, indem die statistische Tabelle, statt 290, 1008 
Spalten umfaßte; andererseits fehlten wieder einige Kolonnen, 
deren Ernüttclung für die Stadt bei jeder folgenden Aufnahme 
nicht mehr fehlen durften, so die Altersklassifikationen; mit Recht 
wurden daher die Altersklassen wieder ausgezählt; auch bezüglich 
der Religionsuntcrschciduugcn traten Erweiterungen gegenüber der 
Landesstatistik ein. — 
Die nächste Zählung von 1871 so wie die folgende fanden 
bereits am 1. Dec. nach den, für das ganze Reich erlassenen 
Bestimmungen statt; den einzelnen Staaten wurde es jedoch frei 
gestellt, ob sie die Eintragungen in Haushaltungslisten oder auf 
Zählkarten stattfinden lasten wollten; in Berlin wurde das 
letztere Verfahren angewendet. 
Die Zähl - Formulare wichen übrigens auch in einigen 
Punkten von denen des Reichs ab, z. B. enthielten die Berliner 
unter der Rubrik „Geburtsort" zugleich die Frage: seit wann in 
Berlin wohnhaft. Auf der Grundstücksliste traten zu den 9 bis 
herigen Fragen noch 3 hinzu, so z. B. die nach den nicht heiz 
baren Wohnräumen und nach den besondern Gewerbelokalen; 
ferner erstreckten sich die Ermittlungen auch auf die Vorder- und 
Hintergärten und Gaseinrichtungen. Die Zählung selbst fand 
nach 46 Stadtrevieren statt, in denen 1981 Distriktscommissare 
und 7119 Zählungsrevisorcn fungirten. Die Verarbeitung des 
Materials im städtischen statistischen Büreau fand nach den 210 
Stadtbezirken statt; zu erwähnen ist besonders bei den Alters 
klassen für die Verheiratheten die Combination des beiderseitigen 
Alters in den Ehen; bei der Berufsklassifikation ferner die Unter 
scheidung des Direktions- und Aufsichtspcrsonals. Die Gesammt- 
kosten der Stadt beliefen sich auf 21,484 Thlr.; das Ergebniß 
der Zählung hinsichtlich der Kopfzahl war 822,487 Einwohner. 
Wir schließen hiermit unsere Betrachtung des Volkszählungs- 
Berichts, und müssen uns vorbehalten, an anderer Stelle die 
Zählung von 1875 und die sich aus derselben, im Vergleich mit 
den früheren, ergebenden Resultate zu beleuchten. 
Das Aquamanile des Märkischen Provinzial-Museums. 
Von Architekt (Miums firausc. 
(9)1it Abbildungen.) 
Für den Altardienst war in der christlichen Kirche des 
Mittelalters eine ganze Reihe von jetzt zum Theil außer Thätig 
keit gesetzten Altargefäßen (vasa sacra) im Gebrauch, die zu 
den mannichfachsten Verrichtungen dienten. 
Es fanden sich da Kelche und Patenen, d. h. offene Teller 
für den Gebrauch der Priester bei der Spende des heiligen 
Abendmahles, Ciborien*) zur Aufnahme der Hostien, Monstran 
zen für Hostien oder für Reliquien, Weihrauchgefäße, Hostien 
büchsen. Ferner sind die Oelgefäße zu erwähnen, welche zur 
Aufnahme und Aufbewahrung der für Täuflinge, Firmlinge, 
Kranke und Sterbende bestimmten Oele dienten; dann Weih- 
wasserkessel und Weihwedel; ferner die Meßkännchen für Wasser 
und Wein, welche paarweise auf einem Präsentirteller auf der 
Epistelseite des Altars standen. — Alle diese Geräthe, an ihren 
hergebrachten Plätzen auf dem Altar aufgestellt, trugen durch 
ihren Schmuck dazu bei, ihm ein feierliches, erhabenes Aussehen 
zu geben und ihn als den eigentlichen Mittel- und Hauptpunkt 
der Kirche zu bezeichnen. Hierzu gesellen sich nun noch, als nur 
zeitweise auf dem Altar befindlich, die Meßglöckchen und die 
Gießgefäße (aquamanilia). Letztere dienten, nebst einer Schüssel, 
dem Priester zum Händewaschen vor und nach den heiligen Hand 
lungen und werden gewöhnlich Manilia, Aquamanilia oder 
Lavatorien genannt. Von diesen drei Namen ist „Aquama 
nile" der passendste und entsprechendste; denn die Benennung 
Manile kann leicht zu Verwechselungen mit ähnlich genannten 
Geräthen, z. B. Manipel; Veranlassung geben, während unter 
der Bezeichnung Lavatorium wohl die ganze Waschvorrichtung, 
also Aquamanile und Schüssel, zu verstehen ist. Aus diesen 
Gründen möge der Name Aquamanile den Vorzug haben. 
Unsere Abbildung, die Verfasser nach dem Original in \ 
der natürlichen Größe gezeichnet hat, zeigt uns das durch 
einen glücklichen Zufall in das Märkische Provinzial-Museum ge 
kommene Aquamanile. Der sehr verdienstvolle Begründer und 
Director des Museums fand es nämlich, gelegentlich seiner vor 
jährigen Ferienreise, die er gewöhnlich zu Gunsten des Museums 
benutzt, bei einem Trödler in Christiania. Dieser hatte es von 
einem Bauer gekauft, dessen Vorfahren seit Menschengedenken 
mit den deutschen Seestädten in Geschäftsverbindung standen. 
Auf diesem Wege soll nun auch unser Aquamanile in schwedische 
Hände gelangt sein, was sehr wahrscheinlich ist, ebenso, daß dieses 
Aquamanile niedersächsische Arbeit sein kann, da in Schweden 
selbst schwerlich derartige Geräthe angefertigt sein dürften. 
Waarsoe, Director des Kgl. Museums in Kopenhagen, sagt 
dies ausdrücklich in seinem Werke „Nordiske Aldsager i det 
kongelige Museum i Kjöbenhavn“ und meint, daß mit der 
Einführung des Christenthums von den schon früher christiani- 
sirten Ländern Deutschland (Westdeutschland), Frankreich und 
England aus, zugleich mit dem Christenthum auch die für den 
christlichen Cultus erforderlichen Geräthe in Schweden ein 
geführt seien. 
Man kann dieser Angabe ohne Skrupel folgen, und wir 
dürfen daher annehmen, daß uns, der Wahrscheinlichkeit nach, in 
*) Siehe .der Bär' 1876 Nr. 17.
        
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