Path:
Periodical volume 1. Mai 1878, Nr. 9

Full text: Der Bär Issue 4.1878

82 
rechnet, wahrscheinlich bis an den südlichen Spreearm erstreckte 
nnd somit einen der wenigen großen Worthe bildete, von denen 
der Worthzins in Cöln erhoben wurde, wird 1567 der Bürger 
meister von Cöln, Andreas Grieben, genannt, welcher 1573 
starb. Ob er ein Nachkomme des, in der Urkunde der Mark- 
gräsin Agnes, 1320 „in Circumcissionis Domini," über die 
Jurisdiktion und das Schutzgcld der Juden in den Städten 
Berlin und Cöln erwähnten Dapifer (Truchseß) Henricus 
Gribe gewesen, läßt sich nicht nachweisen. Jedenfalls gehört 
Andreas Grieben zu den Patriziern der Stadt Cöln, und 
auch die Lage seines Grundstückes und Hauses, dicht gegenüber 
dem Cölnischen Rathhause, entspricht dem von ihm bekleideten 
Bürgermeister-Posten, den er von 1546 bis 1549 verwaltete. 
Sein Wappen war, guergctheilt, oben Gold, unten schwarz; im 
oberen goldenen Felde ein schwarzer, schreitender Greif, im unteren 
12 goldene Rauten zu 7 und 5 in zwei Reihen übereinander. 
Als Hclmzier ein wachsender schwarzer Greif. Ein Enkel des 
Andreas war Johann Gribenius, Advocatus Curiae in 
Cöln, welcher am 29. August 1691, nach dem Eidbuche des 
Rathhauses, seinen Eid als solcher leistete. 
Wer das Grieben'schc Haus und Grundstück zunächst nach 
dem Bürgermeister Andreas besessen, ist aus den Grundbüchern 
nicht zu ersehen. Aus den Prozeßverhandlungcn gegen den 
Kurfürstlichen Münzlieferanten und Arrendator zu Minden und 
Krossen, Werner Ebcrhart, geht indesien hervor, daß es in 
den fünfziger Jahren des XVII. Jahrhunderts einem Bürger 
Thomas Menden oder M eh den gehörte, dessen Wittwe, 
Marie geborene Berger, es an Frau Maria Eisen- 
brücherin, Wittwe Daniel Salomons, vererbte, deren 
Schwiegersohn jener Werner Eber hart war. Mehrfach wird 
es auch das „Tillmann'sche Haus" genannt. 
Die Wittwe Salomon, geborene Eisenbrücherin, sagt zwar 
in einem Gerichtsprotokoll vom 28. September 1681 (Rep. 21 
Nr. 26 des Geheimen Staatsarchiv), daß sie ihrem Eidam das 
Haus nie übergeben habe, sondern zur Zeit noch im alleinigen 
Besitz desselben sei, und wurde diese Aussage auch von der 
Wittwe des Werner Ebcrhart, ihrer Tochter, bestätigt. Es 
wurde aber ein Kaufbrief vom 27. Oktober 1671 vorgebracht, 
nach dessen Inhalt die Wittwe Salomon, mit Vorbewußt ihres 
verstorbenen Gatten, das Hans an ihren Eidam verkauft. Dies 
ging auch aus den Hypothekenbüchern hervor; denn 1670 
hatte der Münzlieferant und Arrendator Werner Eberhardt 
1000 Thaler von dem Kurfürstlichen Amtsrath Fehr, und 1674 
von demselben noch 500 Thaler, sowie in demselben Jahre vom 
Kammer-Präsidenten Roban abermals 3000 Thaler auf das 
Haus geliehen erhalten. Die Schwiegermutter behauptete zwar, 
das vorgezeigte Dokument sei nicht der Originalkaufbrief, son 
dern nur eine Copie desielben, aus welcher ihre Unterschrift 
nicht zu finden sei, aber der ebenfalls zu Protokoll vernommene 
Bruder des Werner Eberhardt, Johann, erklärte, es habe mit 
dem Verkauf des Hauses desienungeachtet seine vollkommene Richtig 
keit und sei dasielbe Eigenthum seines Bruders gewesen. 
Dieses ganze Verhältniß kam zur Sprache und ward fest 
gestellt, als der Kurfürst 1681 das Haus seines Münzlieferanten 
als Schadenersatz für eine von diesem bei der Münzverwaltung 
veruntreuete Summe von 8816 Thalern 3 Groschen und 7 Pfen 
nige in Anspruch nahm und seinem Geheimen Fiskal Franz 
Heinrich Stoschius beauftragte, das Haus dafür in Beschlag 
zu nehmen. 
Der Vorgang läßt sich aus den folgenden Aktenstücken 
übersehen, welche theils dem Königlichen Staats-Archiv, theils 
den Hans-Akten in Abschrift entnommen sind: 
„An den Raht zu Hamburg." 
„Friedrich Wilhelm Churfürst re. 
Unsern rc. Wir geben euch hiermit in gnaden zu vernehmen, 
wie daß unser Müntz Meister, Werner Eberhard, wegen seiner 
geführten Müntz-Rechnungen, unß an Schlageschatz und sonsten 
noch ein ansehnliches zubezahlen schuldig ist; Und wie selbiger 
ohne unsere permission und erlassung seiner Pflichte und 
Dienste sich in des Herrn Hertzogen zn Mecklenburg Schwerin 
Lbd. Diensten begeben; Ob wir nun wol denselben öfters 
seine Rechnung zu Justificiren, und was; nach inhalt der 
selben, er abzutragen schuldig, zubezahlen, citiren und an 
befehlen, auch daß er hin: und wieder sicher reisen und seine 
fache zum Stande bringen möchte, einen salvurn Conductum 
ertheilen lasten. So ist doch derselbe bishero ungehorsamlich 
außgeblieben, Dicweilen wir aber solchen untreuen und unge 
horsamen Diener und Unterthanen länger dergestallt nachzusehen 
gantz nicht gemeint seindt, 
Alß haben Wir gdst. resolviret, Desselben Person und 
güter außer unsern Landen den Rechten gemäß mit arrest 
belegen zulassen, und zu dem ende unsern p. Christian 
Friedrich Bartholdi gnädigst befohlen, sich nach Hamburg zu 
verfügen, denselben, weil wir vernehmen daß er sich offen in 
euer Stadt und zwar wöchentlich einmal einfinden und auf 
halten soll, wann er ihn dort antreffen wirdt, also fort fest 
nehmen zu lassen, Gesinnen demnach an euch hiermit gnädigst, 
Ihr wollet gedachten Werner Eberhard auf gebührendes an 
suchen unsers p. Bartholdi, nicht nur sofort in Arrest nehmen, 
sondern ihn auch legen außstellung eines Reverses unß wol- 
verwahrct abfolgen laßen, Im fall er auch bey einigen euern 
Bürgern und kaufleuten, wie wir glaubwürdig berichtet werden, 
etwas verwahrlich deponiret, oder sonst in Banco stehen, 
und auch ihr davon Wissenschaft hettet, So gesinnen wir 
ferner an euch, ihr wollet auch solches ebenfalß mit arrest 
belegen, und selbiges eher nicht relaxiren, biß Unß er alß 
unser verpflichteter Diener was er schuldig gehorsambst abge 
führet, und unterthänigst befriediget haben wirdt, Wir seindt 
in solchen und dergleichen fällen es also hinwieder zu halten 
erbötig, vnd verbleiben p. 
Cölln, den 20. Juny 1677" 
(gegez:) „Otto Freih. v. Schwerin." 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Serliner Volkszählungen 1709—1871. 
Von Dr. DttfsioM. 
Das geflügelte Wort „Zahlen beweisen" hat, wenn über 
haupt, so besonders in derjenigen Wistenschaft seine vollste Be 
deutung, die von Tag zu Tag mehr die ihr mit Fug und Recht 
gebührende Anerkennung sich erringt, nämlich in der Statistik. 
Eine Folge dieser immer allgemeineren Erkenntniß von dem 
Werthe derselben sind die Büreaux, die nicht nur jedes Land, 
sondern bereits jede größere Stadt, wie z. B. Wien, Prag, Buda- 
pesth, Dresden, Hamburg, Leipzig errichtet haben. 
Daß Berlin, der Centralpunkt des deutschen Reichs, auch in 
dieser Hinsicht eine der ersten und hervorragendsten Stellen ein-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.