Path:
Periodical volume 15. März 1878, Nr. 6

Full text: Der Bär Issue 4.1878

60 
Kriegsoberst war. Cr starb 1627. Bei diesem fehlen jede wei 
teren Angaben im Buche. Hat sein Sarg leine Inschriften oder 
verlohnte es dem Verfaffer nicht der Mühe des Schreibens, eine 
Mühe, deren er sich bei jenen 4 kleinen Kindern gern unterzog? 
Zweitens ruht hier die Ururenkelin jenes Christian, eine unglück 
liche Prinzessin, mit der 1749 die Kulmbach-Bayrenthische Linie 
ausstarb. 
Dies ist das Ganze des Buches, was über Fürstengrüfte 
„regierender Glieder der Kulmbach - Bayreuther Linie" handelt. 
Der übrige Theil desselben giebt Seite 1—4 einen kurzen Lebens 
abriß des schon öfters erwähnten Markgraf Christian. Er steht 
zwar nur äußerlich mit dem Zweck des Buches „Fürstengrüfte 
zu behandeln" in Beziehung, er ist nämlich Erbauer jener Gruft, 
in der seine 4 ganz jung verstorbenen Kinder liegen, aber diese 
Lebensskizze liest sich gut und regt gewissermaßen den Leser an, 
seine Kenntniste der Geschichte zu recapituliren und sich klar zu 
werden über die Beziehungen dieser Linie zu den regierenden 
Kurfürsten. Freilich muß der Leser, wenn er etwas gründlich 
sein will, Stammtafeln des Hauses Hohenzollern zur Hand neh 
men. Aber solche Anregung zu geben, ist immer dankbar anzu 
nehmen. Leider erführt man nicht, wo dieser Fürst begraben 
liegt. Der letzte Theil, Seite 9 —15, also fast die Hälfte des 
Buches, behandelt das Leben jener oben genannten unglücklichen 
Prinzessin, den Memoiren der Markgräsin Fr. Soph. Wilhelmine 
Markgräfin von Bayreuth (Schwester Friedrichs des Großen) nach 
erzählt. Dies ist interestant zu lesen, und dürfte manchem Roman 
schriftsteller Stoff zu einer Novelle liefern. Aber dies in einer 
Beschreibung von Fürstengrüften! 
Hoffentlich findet der Verfasser, wenn er eine Beschreibung 
der Grüfte zu Bayreuth und Himmelkron unternimmt, in denen 
ja nach Abzug der hier ruhenden sechs noch 33 „einst regierende 
Glieder dieser Familie" ruhen müssen, mehr positiven Stoff und 
ist nicht genöthigt durch Herbeiziehen anderen Stoffes, der nur 
sehr wenig mit dem Hauptthema in Verbindung steht, die Blätter 
seiner Schrift zu füllen. 
Jedenfalls aber ist die Idee, diese Grüfte zu beschreiben, 
ein anerkennenswerther Gedanke, nur schade, daß grade die erste 
Probe etwas dürftig ausgefallen ist. R. B. 
Mittheilungen aus dem Verein für die Geschichte 
Berlins. 
Am Sonnabend den 2. März stellte Herr Kanzleirath Dr. pliil. 
Brecht zwei Fragen, die ihrer Beantwortung noch warten: 1) Welche 
Bedeutung oder welchen Ursprung hat der an einem Baum in dem 
Parke beim Frankfurter Thore befestigte Schlüffe!; und 2) Welches 
Ende hat die eiserne Gedenktafel des am Königs-Thore 1813 er 
schossenen Freiherrn von Blomberg genommen, die sich früher auf deut 
Georgcn-Kirchhofc an einer Pappel befand? Ferner theilte Herr Fischer 
mit, daß die letzte Scheiterhaufenhinrichtung in Berlin Statt gefunden 
habe am 27. Mai 1813. Die Details, die er verlas, finden sich in: 
H. B. Hermann, Kurze Geschichte des Criminalprozeffes wider den 
Brandstifter Cristoph Peter Horst und dessen Geliebte, die unver 
ehelichte Friederike Luise Christiane Delitz, Berlin, 1818. Zum 
Schluß legte Herr Kaufmann Alfieri einige Gegenstände aus dem 
Thurmknopf der Nikolaikirche vor, unter denen vor Allem ein Kalen 
der aus dem Jahre 1585, gedruckt in Leipzig, die Aufmerksamkeit 
auf sich zog, der fiir Analphabeten gefertigt ist und deshalb nicht 
die Namen der Heiligen, sondern ihre Portraits vorführt. 
In der 236. Versammlung 5. (2. öffentlichen) Sitzung ,des 
XIV. Vereinsjahres, Sonnabend, den 9. März, fetzte Herr Kaufmann 
Alfieri seine Mittheilungen aus dem Thurmknopf der Nikolaikirche 
weiter fort. 
Für die nächste (Arbeits-) Sitzung, Sonnabend den 23. März, 
steht auf der Tagesordnung: a) Herr cand. jur. 23 er ingut er: Der 
Pritzstabel für Berlin und b) Herr Geh. Hofrath L. Schneider: Das 
Derfflinger'sche Haus. 
Mittheilungen aus dem Verein für Heimathskunde 
in Müncheberg. 
Am 2. Februar hielt der Verein feine 13. Jahressitzung, in 
welcher, nach einem kurzen Jahresbericht und Erledigung des geschäftlichen 
Theiles, die anwesenden Mitglieder zu einem durch launige Vorträge, 
namentlich eines auf den Auszug der Müncheberger nach Steinhöfel 
1516 von Herrn Ahrendts gedichtetes komisches Lied mit Illustrationen, 
gewürztes Abendessen sich vereinigten. Aus dem Bericht ist nur zu 
erwähnen, daß der Verein jetzt 71 Mitglieder zählt. 
In der Sitzung vom 5. März wurde, nach Vorlegung der ein 
gegangenen Geschenke, ein Rückblick auf die nun 13 jährige Thätigkeit 
des Vereins und ihm vorausgegangenen, gleich alten einzelner Mitglieder, 
in Bezug auf die Ermittelung der vorgeschichtlichen Alterthümer unserer 
Gegend und der aus derselben gewonnenen Resultate gegeben. Der 
Vortragende ging von dem bei Tempelberg gefundenen Kistengrabe, dem 
einzigen der Mittelmark, aus. Die Ausbeute, insofern gering, als sie 
nur menschliche Scelette, ein kleines Stückchen Scherben und einen 
Schleifstein ergeben hat, ist wichtig, da gerade der zur Herstellung 
von Steinwerkzeugen benutzte Schleifstein das Grab nothwendig in 
das Steinalter verweist. Andere in unserer Gegend gefundene Stein- 
geräthe sind nur zerstreut auf den Feldern gefunden, wie die meisten 
Bronzefunde. Die in den Kiesgruben von Wulkow und Eichendorfer 
mühle gefundenen polirten Feuersteinkeile lassen ebenfalls in Berück 
sichtigung des Fundortes auf ein sehr hohes Alter schließen. Der Zeit 
nach stehen, freilich wohl nach einem großen Zwischenraum, am nächsten 
die Grabfunde, welche ebenfalls Skelette mit oder ohne Beigaben von 
Bronze enthalten, wie die Funde bei Platkow und beim Eisenbahnbau bei 
Seelow, in der Hermersdorfer Heide, letztere zweifelhaft, da auch Eisen 
sich fand. Zur Vergleichung dienen vorzüglich die Thongefäße und 
Scherben. Nach ihnen zu urtheilen, würden hierher auch die Kegel 
gräber am Rande des rothen Luchs, die Urnenfunde bei Arnsdorf und 
vielleicht die bei Gorgast gehören. Da aber diese Urnen oft sich in 
der Nähe der anderen, jedenfalls jüngeren Flachgräbern gefunden werden, 
so ist Vorsicht nöthig, zumal auch die Germanen Leichenbrand kannten, 
wie dies aus dem Fund beim Müncheberger Bahnhof mit dem bekannten 
Runcnspeer sich ergibt. Am häufigsten kommen die Flachgräber vor, 
welche äußerlich durch nichts sich verrathen, den Slaven, namentlich Wenden, 
zugeschrieben werden, gebrannte Gebeine enthalten und an den ver 
schiedensten Stellen vorkommen. Ihnen werden auch die Burgwälle 
unserer Gegend zugeschrieben, daher der Burgwalltypus der Scherben. 
Es bleibt hier zweifelhaft, ob das Gräberfeld seitlich von Müncheberg 
hierher oder einer früheren Zeit angehört. Als jüngste, schon in den 
Beginn der historischen Zeit unserer Gegend hineinragende Funde 
wurden die Pfahlbauten Münchebergs und die bei der Lielenberger 
Mühle bezeichnet. 
Das binnen Kurzenr erscheinende Micher-Merzeichnist von 
I. Stargardt enthält auch einige interessante Lsrolinensia und 
Lraucköndur^iea, wie den Berliner Adreß-Calender von 1783 — 
die Prachtausgabe des Florus, auf Veranlassung des ersten 
Preußischen Königs von Berner herausgegeben und von Liebpert 
gedruckt. — Des Hostus List, rei nummar. — in Frankfurt 
a. d. Oder von Eichhorn 1580 gedruckt. — Hostus, berühmter 
Professor in Frankfurt a. d. Oder, war in dem Dorfe Wilmers 
dorf bei Berlin geboren, Freund Thurneissers und Gatte der 
Frau Clara Harkstroh, der Tochter des BerlinerBürgermeisters. — 
Interessant ist auch ein Manuscript a. d. Mitte des XV. Jahr 
hunderts, worin aufgezeichnet sind: Lliraenla 1417 in Friedeberg 
i. d. Neumark und Miracula in Soldin 1466. — 
Verlag von Alfred Weile in Berlin. — Verantwortlich für Redaction: Ferd. Meyer in Berlin. — Druck von W. Pormetter in Berlin.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.