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Periodical volume 1. März 1878, Nr. 5

Full text: Der Bär Issue 4.1878

Unter Mitwirkung von 
Dl. Arecht, Prof. Dr. Mautus ßassek, Stadt-Archivar I-iüicin, Fljeod. Aontane, Stadtrath G. Ariedel, 
Geh. Hofrath L. Schneider, Archidiaconus Schwebet in Cüstrin :c. rc. 
herausgegeben von 
George Hiltl und Ferdinand Meyer. 
Das Blatt ist durch alle Buchhandlungen und Postämter, sowie durch die Expedition (Bahnhofstr. 1) zu beziehen. — Literarische Beiträge sind an die Verlagehandlung von Alfred Weile 
in Berlin zu senden, welche sie der Redaction übermitteln wird. — Inserate, pro 3 gesp. Petitzeilc 25 Pfg., werden von den Herren Haas enstein u. Vogler, Rud. Messe, 
Beruh. Arndt, sowie von der Verlagshandlung entgegengenommen. 
Inhalt. Wie ist der Brand des alten <Lchauspielhauses in Berlin entstanden? Von K. Riebe. Mit 2 Abbildungen. — Das Niederländische Palais. 
Unter den Linden 9h:. 36. Von B. Saul. (Schluß.) — Ueberlieferungen aus dem Heidenthum. III. Von Arnulf Lieber. — Zur Geschichte 
des Einlagers. Bon Richard Bbringuier. (Schluß.) — Edict Friedrich Wilhelm I. vom 6. November 1731. — Zwei Inschriften aus 
Prenzlau. Von Eduard Krause. — Bitte um Belehrung. Von der Direction des Märkischen Museums. — Mittheilungen aus den Vereinen 
für die Geschichte Berlins und der Mark Brandenburg. — Anzeigen. 
Wie ist der Grand des alten Schauspielhauses entstanden? 
(Mit 2 Abbildungen.) 
Von K 
^^ehr als sechszig Jahre sind seit dem verhangnißvollen 
29. Juli 1817 verflossen, wo das alte Schauspielhaus in einem 
Meere von Rauch und Flammen zu Grunde ging. 
Nur wenige von den vielen Tausenden sind heute noch am 
Leben, die an jenem Tage den Gensdarmenmarlt und die an 
grenzenden Straßen bedeckten und klopfenden Herzens zusahen, 
wie der Dachstuhl einstürzte und die ungeheure Feuersäule zum 
Himmel emporstieg. 
Die Zuschauer, welche dereinst in diesem Hanse einen 
Jffland, Ludwig Devrient, Stich, Mattausch. Reben 
stein, eine Bethmann, Schröck, Schick u. s. w. an ihren 
Glanzrollen gesehen haben, müssen sehr alte Herren und 
Damen sein, und wo sind erst gar Diejenigen, die damals dort 
angestellt waren! 
Vor zwei Jahrzehnten lebten ihrer nur noch drei: der 
Königliche Erleuchtungsdirektor Johann Gottlieb Heintzel sein 
Onkel des Schreibers dieser Mittheilung); ferner der Theater- 
Friseur Warn ick und der Theaterdiener Zäger*). 
Auch sie ruhen nunmehr unter der Erde. 
Es sind jedoch noch einige Personen vorhanden, die als 
*) Von den Künstlern lebten vor zwanzig Jahren noch: Albert Gern, 
geb. in Mannheim 1789, gest. 1869; Johann Friedrich Ferdinand Rüth- 
ling, geb. in Berlin 1793, gest. 1859; Auguste Crelinger (Düring-Stich), 
geb. in Berlin 1795, gest. 1864. 
. Riebt. (Nachdruck verboten.) 
Kinder in dem alten Schauspielhause waren und alle Räum 
lichkeiten darin kannten. 
Mancher Leser des „Bär" wird sich erinnern, daß unmittel 
bar nach dem Brande sehr genaue Recherchen über die Entstehung 
desselben angestellt wurden und — daß sie fruchtlos geblieben 
sind. Man hatte allerdings Vermuthungen, und sie fielen auch, 
theilweise wenigstens, auf Denjenigen, dessen Nachlässigkeit und 
Unentschlossenheit die Veranlasiung zu dem Unglück gewesen 
sind; jedoch über Vermuthungen kam es nicht hinaus. Dieje 
nigen aber, die mit den näheren Umständen bekannt, wohl kaum 
im Zweifel sein konnten, wem die Schuld eigentlich zur Last 
siel, schiviegen aus Mitleid. Tenn welche harte Strafe mußte 
die Entdeckung für ihn zur Folge haben, da ja nicht blos das 
Theater, sondern leider auch ein Menschenleben — das des 
jungen, talentvollen Schauspielers von Carlsberg — seiner 
Unvorsichtigkeit zum Opfer gefallen war. 
Der Aermste hat erst nach Jahren, altersschwach und von 
Kummer gedrückt, sein Herz erleichtert und den wahren Hergang 
der Sache, mit allen Nebenumständen, einem oder einigen Ver 
trauten erzählt. 
Alle die Alten, die mit ihm zugleich im Königlichen 
Schauspielhause angestellt waren, haben treulich sein Geheimniß 
mit in's Grab genommen. 
Heute, wo für Niemand mehr irgend ein Nachtheil aus der 
Veröffentlichung entstehen kann, ist es keine Jndiscretion die
        
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