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Periodical volume 15. Februar 1878, Nr. 4

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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Dieses eben gedachte Etabliffement erhielt vom Könige 
Friedrich Wilhelm I. durch Allerhöchste Verschreibung vom 
20. October 1713 der General der Infanterie und Chef des 
Feld-Artillerie-Regiments Christian von Linger gegen Zahlung 
einer Summe von 2500 Thlrn. überwiesen. 
Was den General von Linger betrifft, so war derselbe 
>669 geboren und stammte aus einer alten Soldatenfamilie. 
Sein Urgroßvater Wilhelm Heinrich Linger, war Obrist-Lieiite- 
nant unter Kaiser Ferdinand III. und sein Großvater Martin 
Ferdinand unter dem großen Kurfürsten Kapitain und Zeug- 
meister der Artillerie. Sein Vater Salomon Linger hatte eben 
falls unter Friedrich Wilhelm als Zeugmeister gedient und 
21 Kampagnen und sämmtlichen Belagerungen damaliger Zeit 
beigewohnt. Christian Linger trat 1688 bei der Artillerie ein, 
wurde 1696 Seconde- und noch in demselben Jahre Premier- 
Lieutenant, am 19. October 1701 zum Stabs- und bald darauf 
zum wirklichen Hauptmann ernannt; er avancirtc 1705 zum 
Major und machte als solcher den spanischen Erbfolgekrieg mit. 
Am 12. März 1705 wurde er vom König Friedrich I. nebst 
seiner Gattin Catharina Elisabeth Grafen in den Adelstand 
erhoben.' Nachdem er 1709 zum Obrist-Lieutenant ernannt 
war, wurde er unterm 13. Mai demitirt. Im Jahre 1714 
trat er wieder in den Dienst und erhielt eine Kompagnie. Bei 
der Belagerung von Stralsund 1715 zeichnete er sich derart 
aus, daß er am 19. Februar 1716 als Obrist-Lieutcnant und 
Chef das aus 1 Compagnie Bombardiere und 9 Compagnien 
Kanoniere bestehende Artillerie-Corps erhielt. Am 10. Ja 
nuar 1724 wurde ihm die Amtshauptmannschaft Rosenburg 
verliehen, 1728 wurde er General-Major und 1741 General- 
Lieutenant, als er eben damit beschäftigt war, das 2. Bataillon 
des Artillerie-Regiments zu errichten. Im Mai desselben Jahres 
kommandirte er die Artillerie bei der Belagerung von Brieg. 
Am 25. Mai 1743 wurde er zum General der Infanterie 
ernannt und erhielt 1744 im Februar den schwarzen Adlerorden. 
Im August desselben Jahres zog er mit dem Könige nach 
Böhmen, wo er das Geschütz bei der Belagerung von Prag di- 
rigirte und, nachdem am 19. Septeniber die Laufgräben eröffnet 
worden, den 13. die Stadt dermaßen beschoß, daß sie an ver 
schiedenen Orten in Brand gcrieth, auch in die Wälle verschiedene 
Breschen gelegt wurden, so daß der Kommandeur, Graf von 
Karsch, sich den 16. mit der Besatzung zu Kriegsgefangenen 
ergeben mußte. Der König bewies dem General von. Linger 
für diese wohl ausgeführte Unternehmung seine Erkenntlichkeit 
durch mancherlei Gnadenbezeigungen, die er bis an sein Lebens 
ende fortwährend genoß. Hohes Alter nöthigte ihn, sich dem 
Dienste zu entziehen, trotzdem blieb er Chef der sämmtlichen 
Artillerie. Wenige Jahre vor seinem in Berlin am 17. April 1755 
erfolgten Tode, veräußerte er sein hiesiges Grundstück im Jahre 
1752 (der Kaufbrief datirt vom 25. Februar 1752) für 6100 
Thaler an den Gastwirth Friedrich Wilhelm Peters. Der neue 
Käufer scheint entweder seine Verpflichtungen dem Verkäufer 
gegenüber nicht inne gehalten zu haben, oder in Vermögens- 
Verfall gerathen zu sein, denn von Linger war gezwungen, schon 
im folgenden Jähre in der Subhastation am 7. Februar 1753 
das Grundstück und zwar für 5300 Thaler zurückzukaufen. 
Wenige Monate später veräußerte er es indeß schon wieder und 
zwar für 5600 Thlr. am 2. April 1753 an den Kriegs-Rath 
Burchhard Ludwig Schmidt. 
Da in der Zwischenzeit der weitere Ausbau der Dorotheen 
stadt bedeutend vorgeschritten und auch die linke (südliche) Seite 
der Linden mit schönen Gebäuden besetzt war, so ließ Schmidt, 
um sein Grundstück lukrativer zu machen, die sämmtlichen Ge 
bäude auf demselben abbrechen und, nachdem er das Terrain 
in zwei gleiche Hälften getheilt, auf jeder Hälfte Neubauten in 
großartigem Styl auf der Lindenseite aufführen, wogegen er 
den nach dem Walle zu belegenen, nunmehr frei gewordenen 
Raum mit einer Maurer begränzte und hinter den Höfen der 
neuen Gebände Gärten anlegte. So entstanden die Häuser 
Nr. 35 und 36 „Unter den Linden". 
Was das Grundstück Nr. 36 nun betrifft, so wurde das 
auf demselben errichtete Gebäude nach den Rissen des Ober- 
Baudirektors Dietrichs*) von Andreas Krüger**) in der 
Weise 3 Stock hoch erbaut, wie es sich, von Veränderungen, 
auf welche weiter unten zurückgekommen wird, abgesehen, mit 
seinen Neben- und Qucr-Gebäuden noch heute repräsentirt. 
Besonders künstlerisch sollen die Verzierungen der Thür, 
welche in Folge der 1777 eingetretenen baulichen Veränderungen 
leider beseitigt werden mußten, gewesen sein. 
D^er Kriegsrath Schmidt starb im Jahre 1753 und erbte das 
Grundstück der Königliche Amtmann zu Lehnin, Johann Wil 
helm Steinert, welcher es indeß nur drei Jahre lang besaß 
und es am 1. März 1758 für 15,000 Thaler an den Kauf 
mann und Bankier Martin Schultze verkaufte. Dieser veräußerte 
es unterm 24. Juli 1771 für 27,132 Thlr. an den Königlichen 
Hofrath Ernst Friedrich Bodenhaupt, unter dem es vier Jahre 
später zur Subhastation gelangte, in welcher es am 21. Juli 1775 
der Königliche Wirkliche Geheime Etats-, Kriegs- und dirigirende 
Minister Freiherr Friedrich Christoph von Gör ne für 
21,200 Thlr. erwarb. 
Zwei Jahre nach Erwerb des Gründstück, 1777, ließ von 
Görne die Treppe des Gebäudes beseitigen und dafür einen von 
acht gekuppelten jonischen Säulen getragenen Balkon setzen. 
Zugleich wurde die Stirnwand verändert und gleichförmig ver 
ziert, auch inwendig neue Säle und Zimmer angelegt, welche 
durch die Maler Rode***) und Frisch ff) mit schönen Malereien 
geschmückt. 
*) Friedrich Wilhelm Dietrichs war 1702 zu Uelzen im Lüneburg'schen 
geboren und kam 1717 als Schüler des Hof-Baumeisters Böhme nach 
Berlin, welcher ihm von 1721—23 die Aufsicht über den Schloßbau zu 
Schwedt übertrug. Spater führte er bei Böhms Kränklichkeit fast besten 
sämmtliche Geschäfte. Zm Jahre 1723 wurde er Bau-Jnspeetor der Kur 
märkischen Kammer. Als solcher baute er in Buch die Kirche, in Berlin 
die Böhmische Kirche, mehrere Palais Hierselbst re. 1737 wurde er Bau- 
Dircctor und 1742 Rath bei dem Baugericht zu Berlin. Er baute die 
Orangerie bei Potsdam, fing den Bau von Sanssouci an, machte die 
Zeichnungen zu dem Palais der Prinzessin Amalie sjetzt Kaiserlich Russisches 
Palais) rc. Er nahm 1752 seinen Abschied und verlebte den Rest seines 
Daseins auf seinem Gute Orpensdorf bei Stendal. 
**) Andreas Krüger, 1719 in Neuendorf bei Potsdam geboren, 
zeichnete sich durch Landschaftsmalerei und Prospekte mit Ruinen Vortheil- 
haft aus. Der Ober-Aufseher der Königlichen Gebäude, Freiherr von 
Knobelsdorf brauchte ihn zu Zeichnungen und Ausführung seiner Gebäude. 
Er erbaute die Häuser Unter den Linden 35 und 36, das spätere Audi- 
bert'sche HauS an der Schloßfteihcit, den Altar in der Marienkirche und 
starb in Berlin 1759. 
***) Christian Bernhard Rode lernte zuerst bei dem Maler Müller 
aus Siebenbürgen, dann bei Pesne, machte darauf eine Reise nach Frank 
reich und Italien, wo er sich weiter ausbildete. Nach seiner Rückkehr be- 
wies er einen unermüdlichen Fleiß seiner ausgezeicheneten Geschicklichkeit. 
Er wurde Mitglied der Königlichen Akademie der Wiffenschaften. 
-s) Johann Christoph Frisch war 1730 in Berlin geboren. Sein 
Großvater war der berühmte Rector I. L. Frisch und sein Vater der
        
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