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Volume 15. Februar 1878, Nr. 4

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

Unter Mitwirkung von 
Dr. Wrecht, Prof. Dr. Paulus Kassel, Stadt-Archivar Z-idicin, Fheod. Kontane, Stadtrath K. Kriedel, 
Geh. Hofrath L. Schneider, Archidiaconus Schwebet in Cüstrin rc. rc. 
herausgegeben von 
George MM und Ferdinand Meyer. 
Das Blatt ist durch alle Buchhandlungen und Postämter, sowie durch die Expedition (Bahnhofstr. 1) zu beziehen. — Literarische Beiträge sind an die Verlagshandlung von 'Alfred Weile 
in Berlin zu senden, welche sie der Redaction übermitteln wird. — Inserate, pro 3 gesp. Petitzeile 25 Pfg., werden von den Herren Ha äsen stein u. Vogler, Rud. Mosse, 
Beruh. Arndt, sowie von der Verlagshandlung entgegengenommen. 
Inhalt. Das Niederländische Palais, Unter de» Linden Nr. 36. Von B. Saul. Mit Abbildung. — Zur Geschichte des Eiulagers. Bon Richard 
Beringuier. (Fortsetzung.) — Drei Sagen aus der Mark. Mitgetheilt von W. Lahn. — Ein königlich preußischer Silberkaus in Augsburg. 
Von Richard Beringuier. — Mittheilungen aus dein Verein für die Geschichte Berlins, des historisch-statistischen Vereins zu Frankfurt a. O., 
des Vereins fiir die Geschichte Potsdams. 
Das Niederländische Palais Unter den Linden Nr. 36 
ß. Saat. 
Von 
uf der südlichen Seite der Straße „Unter den Linden", 
zwischen dem Palais -Sr. Majestät des Kaisers und Königs 
(Nummer 37) und dem jetzigen Hotel du Nord (Nr. 35) be 
findet sich das Haus Nr. 36, welches unter dem Namen „das 
Niederländische Palais" bei der Einwohnerschaft Berlins be 
kannt ist. 
Dies Gebäude, wie überhaupt alle diejenigen, welche die 
schönste Straße Berlins „Unter den Linden" zieren, können auf 
ein hohes Alter keinen Anspruch machen, da sie ihre Entstehung 
erst der von der Kurfürstin Dorothea, der zweiten Gemalin des 
großen Kurfürsten, im Jahre 1673 angelegten Dorotheenstadt 
ihren Ursprung verdanken. Was diesen Stadttheil betrifft, so 
war das Terrain, auf welchem derselbe entstand, bis zu dem 
gedachten Zeitpunkte, in der Nähe der jetzigen Linden, sandiger 
Acker, und weiter zur Spree hin nasser Wiesengrund. Die 
Kurfürstin, welche diese Ländereien zu ihrem Vorwerke in der 
Spandauer Vorstadt benutzte, beschloß im Jahre 1673 diese 
Grundstücke zu parcelliren und als zinsbare Baustellen auszuthun, 
zu welchem Zwecke noch in demselben Jahre Ingenieure die 
Straßen und einzelne Bauplätze abstecken mußten. Die Straßen, 
welche zuerst entstanden, waren die rechte (nördliche) Seite derLinden, 
oder „die erste Reihe", wie man sie anfänglich nannte, die Mittel 
straße und die Letzte (Dorotheen-) Straße, sämmtlich gingen sie nur 
bis zur Schadow-Straße. Bald darauf wurde die Torothecn- 
stadt in den Kranz der Befestigung Berlins gezogen. Man zog 
Wall und Graben, indem man einen vorhandenen Graben be 
nutzte und denselben mit dem Graben verband, welcher aus der 
linken Face des Bastions Nr. 2, parallel den Linden, hinunter 
bis hinter die spätere Maurerstraße gezogen wurde, der Wall 
aber die Stelle der Häuser auf der Sonnenseite der Behren 
straße einnahm; von der Mauerstraße wandte das neue Werk 
sich mit zwei Halbbastionen fast im rechten Winkel zur Spree. 
Die Anlage dieser Befestigung bedingte die Errichtung mili- 
tairischer Etablissements und entstand so an der Stelle, wo jetzt 
die Häuser „Unter den Linden 35 und 36" stehen, ein Artillerie- 
Etablissement, welches nckch dem I. B. Schultz'schcn Plane von 
.Artillerie-Zeughaus. 1683. 
Berlin vom Jahre 1688 aus einem großen, mit einer Mauer 
umgebenen Hofe bestand, auf dem nach der Linden- und nach 
der Wall-Seite je ein großes einstöckiges, auf der West- und 
Ost-Seite je ein ähnliches, doch kleineres Gebäude sich befand. 
Von dem Nachbargrundstücke — jetzt 34 — war das Etablisse 
ment durch einen Gang nach dem Walle (jetzt Lindengaffe) und 
von dem Grundstücke, jetzt 37, durch einen ähnlichen (jetzt Ein 
fahrt zu dem Hofe des königlichen Palais) getrennt.
	        
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