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Volume 15. Dezember 1878, Nr. 24

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

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lings gewesen sein. Daß hier eine starke Besatzung lange 
Zeit gehaust hat, beweisen die ungeheuren Abfall-Massen, 
welche das Innere bedeckeil und es.namentlich bei feuchtem 
Wetter fast kohlschwarz erscheinen lassen. Charakteristisch für 
die wendischeil Burgberge, Blirgwälle und Wallburgen sind 
die Fuilde von Mühlsteinpaaren, gewöhnlich einem harten 
Stein alls rothem lind einem weichen Stein aus weißlichem 
Granit.**) Zwei dergleichen Steine, der weiche daruilter sehr 
zerstört, wurden von Herrn Buchholz innerhalb des Walles 
aufgefuildcil. (Cat. II des Märkischen Museums.) 
Unweit des Burgwalls und des Hofs sind wiederholt 
von Herrn Eger meilschliche Gerippe ausgcgrabcn worden, 
bei denen weder Reste von Särgen iroch von Beigaben ge- 
funden sind. Dieselben sollen kräftig gebildet, namentlich 
mit guten, aber glatt abgekauten Zähnen versehcil gewesen 
sein und auf große Statur gedeutet haben. Nachgrabungen, 
welche lvir vor einer Scheune nach dergleicheil Resten anstellten, 
waren erfolglos, dieselben liegen ca. 1 m tief und in sehr festem 
Lehm, der nur mit der Nadehacke betvältigt werden kann. 
Hiermit schloß am Montag, deil 9. September Mittags 
unsere Uilterstlchung für diesmal ab. 
Berlin, den 18. November 1878. 
Der Untersuchungs-Ausschuß des Märkischen 
Museums. 
E- Friede!- 
llclicr alte eiserne Oftnplatten aus fierltu. 
Vortrag gehalteil in der Novenlber-Sitzling 1878 des Vereins j 
für die Geschichte Berliils. 
Bon £ro ctsfirri. 
Seit einer Reihe von Jahren werden ab und zu in älteren ! 
Häusern Berlins, — sei es in der Waild vernraucrt, sei es 
als Deckplatte eines Heerdes, — gußeiserne Tafeln gefunden, 
die, häufig mit dem braunschweigischen oder brandenburgi- I 
scheu Wappen, zuweilen mit einem Namenszuge, in seltenen 
Fällen aber auch mit einer kunstvollen Relicfdarstcllung geziert 
sind. 
Anfangs hat mari sich diese Tafelli, zunial wenn sie 
über einer Thür oder dergl. saßen, nicht erkläreil könllen, 
bald wurde indessen ihr dereinstiger Ziveck als Ofenplatten 
erkannt. Die oft kunstvoll ausgeführten Wappen sind die 
Zeichen ihres Entstchungsortes — meist ein staatliches Hüttcn- 
lverk — also gewissermaßen die Fabrikstempel. 
Vor zwei Jahren, gerade in einer Sitzung, als Herr 
Rektor Fischer einen Vortrag über Thurneysser hielt, 
hatte ich das Vergnügen bem Verein eine Tafel vorzuführen, 
welche die Geschichte vom wiedergcflmdeneil Sohn aus der 
Bibel, sowie die Personifizirnng der Tugenden darstellte. 
Die vorzügliche Ausführluig der erstereil Sceile, sowie die 
analoge Darstellung der einzelnen Figuren auf jenen im ! 
Lagerhause befiildlichen beiden Tafeln, (die Figliren in beiden ! 
sind aus gleiche Konsole gesetzt) ließen unbedingt auf Thur- j 
nevsscr, als den Verfertiger, schließen. Jene Tafel war aus 
**) Die hufeisenförmigen Mahltröge (Hünenhacken) aus Granit nebst 
den dazu gehörigen rundliche» Quetschstcinen gehören der Bronzezeit an j 
und kommen bei uns nicht selten in Hünengräbern vor. Sie stammen 
aus der vorwendischen Zeit und sind auch bei Prenzlau nicht selten. ! 
dem von mir oft citirteu Hause Post-Str. 12, uild jetzt ist 
es dasselbe Haus wieder, wo beim Bau eine Tafel auf 
gefunden worden, welche sich den besten Stücken nicht nur 
würdig an die Seite stellt, sondern sie hillsichtlich des Ent- 
ivurfs und der Ausführuilg noch übertrifft. Beide Tafeln 
aus diesein Hause haben in Bezug auf die Darstellling einen 
höhern künstlerischen Werth als die im Lagerhause befindlichen, 
von denen übrigens auch wohlgelungene Ghpsabzügc im 
Märkischen Museum sind. Die damals hier vorgestellte Tafel trug 
die Jahreszahl 157 . . — also die Zeit von Thurneyssers 
Aufenthalt in Berlin, — diese hat keine Jahreszahl; indessen 
läßt der gleiche Fuildort und die gleiche Arbeit sie ganz un 
zweifelhaft, als von derselben Hand modellirt, erscheinen. 
Das Relief der heutigen Tafel stellt, wie Sie sehn, die 
Anbetung der heiligen drei Könige dar, oder wie die halb 
verwitterte Inschrift unter dem Bilde sagt: 
DIE WAISEN AYS MOHRENLANDE OPFEREN DEM KINDLEN. IES. 
darunter steht in alten deutschen Lettern der Text aus 
Matthäi 2, 11: 
imbt sie deden Ihre schätze auf 
und schenkeden Im golt wy- 
rauch undt inirren. mates 2. 
Die Meisterschaft des Künstlers aus damaliger Zeit ist 
in der Darstellung, in der Gewandung, wie im Charakter 
jeder Person (Neger) zu erkennen. Sein Schönheitssinn läßt 
ihn zum Hintergrund der Handlung nicht den Stall von 
Bethlehem, sondern ein schön gegliedertes Gebäude wählen, 
dessen Styl und Ornamente deutlich zu erkennen gaben, daß dem 
Auge des Künstlers sich andere entferntere Bauten, als unsre 
Hcimath sie bot, erschlossen hatten. 
Höchst anmuthig ist die Bewegung des Christkindes, das 
munter, in den durch Abnahme des Deckels kaum geöffneten 
Pokal des knienden Königs greift. 
Die Hirten, der Stern, die begleitenden Kameele nichts 
fehlt; aber, — ob es eine Freiheit des Künstlers ist, oder 
ob er nicht bibelfest war, — statt der Krippe steht eine 
Wiege da! 
Unser Märkisches Provinzialmuseum, dein auch dieses 
Exemplar durch die Besitzer des Hauses Poststr. Nr. 12, die 
Herren Hesse, freundlichst überlassen worden ist, besitzt eine 
stattliche Reihe solcher Tafeln, darunter auch eine in der 
Rosenstr. 16 im Keller gefunden, welche ein mythologisches 
Motiv: „Das Urtheil des Paris" en relief zeigt. Ist es 
schon charakteristisch, in der Rosenstraße, die angeblich ihren 
Rainen von den „leichten Schönen", (Rosenjungfern), die hier 
unter Aufsicht der Stadtbüttel wohnten, hat, den Sieg der 
Venus dargestellt zu finden, so ist es ebenso überraschend, 
den Preisrichter Paris als Merkur mit Hut und Stock dar 
gestellt zu sehen. Sollte die nahe Spandaucrstraße vielleicht 
damals auch schon so wie heut der Sitz der Jünger des 
Merkur gewesen sein, und der Künstler mit seiner Ironie 
ihnen das Preisrichter-Amt über die drei nackten Schönen 
übertragen haben? Ein Krittler will sogar in dem Gesicht 
des Merkur-Paris den semitischen Zug ausgeprägt finden; 
den möchte das Bild aber wohl durch den langen Allsenthalt 
in der Rosen-Straße angenommen haben! 
Beiin Anblick solcher Tafeln wird nun häufig die Frage 
laut: wie waren denil jene Oefen beschaffeil, in welchen diese 
Platten ihren Platz gehabt Baben sollen? Wie kam man
	        
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