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Periodical volume 1. Dezember 1878, Nr. 23

Full text: Der Bär Issue 4.1878

drängt, nach Westen weiter. Vor ihnen kennt Tacitus in 
der Gegend der Uckermark die Semnonen und zum Nerthus- 
Kultus gehörige Stämme, also im Ende des 1. und zu 
Anfang des 2. Jahrh. n. Chr.*); sie sind noch in der eigent 
lichen Bronzezeit, wenn auch schon Eisen hie und da vor 
kommt. Die Burii, wenn sie mit den Burgundern eins sind, 
setzt die Germania (Cap. XLIII.) neben die Marsigner, 
Gothinen, Ösen, Logier u. s. f. Nach Ptolemaeus (um 150 
n. Chr.) wohnten die Burier damals voin Berge Asciburgius 
(den heutigen Sudeten), bis zur Weichsel hin, im österreichischen 
Schlesien um Troppau und Teschen u. s. f.**) Ob die Völker 
der reinen Steinzeit in unseren Landen aber überhaupt 
durchweg schon germanisch waren, bleibt zur Zeit (siehe 
Friedet: a. a. O. S. 19) und bis die Schädelkuude weiter 
vorgeschritten, noch eine offene Frage. 
III. Die Muchholzer Kappet. 
Zwischen Hindenburg und Buchholz dehnt sich die 
6000 Morgen große Prenzlauer Kämmereiforst, zum Theil mit 
prächtigem altem Buchenbestand,***) aus lind enthält südlich der 
von Hasleben ilach Gerswalde führenden Chaussee beiderseits der 
von Buchholz und Hindenburg nach dem Vorwerk Blankensee 
führenden Wege viele Hünengräber, Grabhügel die mit 
schweren Steinen oft so besetzt sind uild dergleichen im Innern 
so viele erhalten, daß 
man unwillkürlich an 
die keltischen Stein 
gräber , die irdischen 
Cairns, erinnert wird. 
In einer ganzen An 
zahl der untersuchten 
Hügel, die mit alten 
Buchen bestanden sind, 
deren knorrige und 
zähe Wurzeln das Eiu- 
dringen von Werk 
zeugen iil die Hügel sehr erschweren, finden sich förmliche 
Steinkisten aus rohen Platten gebildet, die unter dem Erd 
boden angelegt und dann überschüttet worden sind. Raum 
für ausgestreckte unverbrannte Leichname enthalten sie nicht, ! 
wohl aber für in hockender Stellung beigesetzte Todte, zumal ! 
wenn solche von Fleischtheilen vorgängig befreit worden sind. ff) j 
Sie gehören der Bronzezeit an, Eisen scheint noch nicht be 
*) Vgl. E. Friede». Die Stein-, Bronze- und Eisen-Zeit in der Mark 
Brandenburg. Berlin, 1878. S. 25. 
**) Friedet a. a. O. S. 31. Vielleicht sind die Gcsichtsurnen, die 
Mützenurnen, die Mäanderurnen mit den burgundischen Stämmen in Be 
ziehung zu bringen. 
***) Kiefern, Fichten, Lärchen, Weiß- und Nothbuchen wechseln. Süd 
westlich von der Unterförsterci Hindenburg an der Nordseite des Weges 
steht eine uralte mächtige Eiche von sieben Meter Umfang, die Groß 
mutter genannt. Auf den Schwarz- und Spitzpappcln an der Chaussee 
in der Kleinen Haide fand sich die heilige Mistel in großen Klumpen und 
außergewöhnlich breiten Blättern. Sonderbar ist es, daß die Mistel, 
welche fchon Cäsar mir der Eiche bei den gallischen Druiden in Ver- > 
bindung bringt, bei uns noch niemals auf der Eiche gefunden worden ist. 
ff) Bei der Oberförsterei Werder auf Rügen finden sich viele mit 
Buchen bestandenen Grabhügel, welche den Buchholzern ähneln. In 
einem unter meiner Beihülfe im Sommer 1876 geöffneten fanden wir in 
einer kleinen Steinkiste, welche unmöglich einen vollständigen Leichnam 
aufnehmen konnte, gleichwohl die vollständigen Knochenreste eines vielleicht - 
merkt und ist wohl nur in zu unbedeutenden Resten zugeivärtigen, 
uni die Einreihung der Hügel in die Bronzezeit ernstlich in 
Frage zu stellen. 
Herr E. Krause bemerkt, es seien viele der hier befind 
lichen Hügel i. I. 1857, als die Chaussee »ach Gerswalde 
gebaut wurde, ausgebeutet worden; bei dieser Gelegenheit 
habe man in denselben Urnen und Bronzen, sowie Flach 
gräber (einen sogenannten Wcndenfriedhof) aufgefunden. 
Rach Anleitung des sachkundigen Stadthauptförster 
Heutschel, welcher hier wie im Melzower Walde, östlich 
des südlichen Zipfels vom Ober-Uckersee viele Hünengräber 
geöffnet, waren unter Assistenz des Försters Frohnhöfer 
schon zuvor mehrere Hügel angegraben und bis auf die Stein- 
setzungen blosgelegt worden. Ein Hügel, der eine flache 
Steinplatte barg, bestand unter dieser aus festem Lehm, der 
zwar einige Kuochenreste barg, aber wegen seiner Festigkeit 
von weiteren Arbeiten Abstand nehmen ließ. Ein anderer 
Hügel enthielt im Innern Steinsetzungen in Kreuzform, 
worin drei Urnenscherben, darunter eine schön geglättete und 
geschwärzte lag. Beiden Hügeln schien man schon zuvor Be 
suche abgestattet zu haben. 
Ausgiebiger war der dritte Hügel, dessen Verhältnisse aus 
den Zeichnungen Fig. a—c zu ersehen. Derselbe hatte am Grunde 
etwa 10 m Umfang bei einerHöhe von 3,5 in und enthielt sehr viele 
unregelmäßige Feld 
steine s. g. Kollern (von 
Vivo bis y 20 cbm In 
halt, dazwischen leh 
mige Erde. Aus dem 
Hügel standen Weiß- 
und Nothbuchen zum 
Theil Stockausschlag, 
Geschlecht aus Ge 
schlecht immer wieder 
neu hervorgesproßt. 
Wunderbare Wurzel- 
gebilde umschließen wie riesige Hände oder Krallen die Koller 
steine. Aus den gewaltig in die Breite ausgedehnten Wurzeln von 
Figur d. 
zwanzigjährigen mit einem Bronzediadem geschmückten weiblichen Körpers. 
Die Knochen zeigten keine Spur von Brand und mußten in dem engen 
Behältniß nach vorgängiger Ablösung der Fleischtheile beigesetzt 
worden sein. 
Figur a.
        
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