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Periodical volume 1. Dezember 1878, Nr. 23

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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ioachimvs Melchior 1642 
unb fanden folgende Hausmarke: 
V 
Es wäre zu wünschen, daß Jemand die für die Ortsge- 
fchichte beachtenswerthen Inschriften re. sämmtlich kopirte. 
Höchst imposant der Mittelthorthurm, welcher dem Hühner- 
dorfschen Thorthurm in Tangermünde gleicht, mit einem vor 
springendem Umgang über dem ersten Stockwerk, der auf 
mächtigen granitenen Werkstücken ruht. — Am Stettiner Thor 
ist der backsteinerne Thurm an der Innen- und Außenseite 
mit seltsamen, unregelmäßigen, leistenartigen Ausmauerungen 
in den Fcnsterblenden versehen. 
II. Lindenburg-Slcriihagcn. 
Durch die Neustädter Vorstadt über die von Kanzow 
a. a. O. S- 4 beschriebenen Pfahlbauten und Packwerke in 
südwestlicher Richtung führt die Straße, 8 Kilom. Entfernung, 
nach Hindenburg, einem Prenzlauer Kämmereigut. Daselbst 
befindet sich ein mit einem tiefen Wassergraben umgebener 
Wall, dessen Inneres noch nicht verläßlich untersucht ist. 
Mauerwerks-Reste darin aus dem Mittelalter werden auf ein 
dort befindlich gewesenes Jagdschloß bezogen. Nach einer 
Sage soll eine weiße Hindin zur Erbauung Anlaß gegeben 
haben, nach einer anderen wortspielerischen Deutung soll das 
Dorf hinter der Burg gelegen und davon seinen Namen 
empfangen haben. Die Herren von Hindenburg, ein aus 
gestorbenes Geschlecht, waren in der Altmark zu Hause, wo 
ihr Stammgut Hindenburg liegt, dessen Namen sic sehr wahr 
scheinlich auf ihre uckermärkische Besitzung übertrugen, als sie 
sich dem sächsischen Wanderzug in die Slavenländer nach der 
Uckermark und nach Pommern anschlossen. (Berghaus a. a. 
O. II. S. 256.) 
Ocstlich von Hindenburg liegt der Große See; der Hinden 
burg gegenüber auf dem jenseitigen Ufer bemerkten wir in 
dominirender Lage einen in den See vorspringenden, nord 
westlich beim Dorf Sternhagen liegenden Burg 
wall. Nunmehr theilweise landfest, ist er noch jetzt östlich 
von dem Kleinen Sec, im Uebrigen von nassen Wiesen be 
grenzt. Die ganze Oertlichkeit läßt darauf schließen, daß der 
Burgwall auf Pfahlrosten liegt und spätwendisch 
ist. Untersucht haben wir ihn noch nicht. 
Fidicin (Territorien, IV. 1864) bemerkt: „Mit einiger 
Sicherheit läßt sich annehmen, daß die Burgunder, ein Haupt 
stamm der Vandalen in den ersten Jahrhunderten der christ 
lichen Zeitrechnung die Gegend mit bewohnten, welche der 
heutigen Uckermark am meisten entspricht. Sic wanderten im 
5. Jahrhundert aus, nahmen festen Wohnsitz im südlichen 
Gallien, der noch jetzt ihren Namen (Bourgogne und 
Hochburgund) trägt. Sollten die in der Uckermark, wie über 
haupt im nördlichen Deutschland, zwischen Elbe und Oder 
und noch darüber hinaus, unter dem Namen „Burgwälle" 
vielfach erhaltenen alten Ringwälle nicht etwa Wohnstätten 
der Burgunder gewesen sein?" 
Eine solche Vermuthungsweise Jdentifizirung von Burg- 
wällen mit Burgunderwällen konnte noch im Jahre 1864 
aufgeworfen werden. Jedoch zerfällt sie in sich, seitdem haupt 
sächlich auf Rudolf Birchow's Anregung eine sehr große 
Reihe von Berwallungen in Norddeutschland untersucht worden 
ist und sich gezeigt hat, daß dieselben in der überwiegendsten 
Mehrzahl slavisch sind.*) 
Südlich von Hindenberg und westlich, unlveit des Großen 
Sees, giebt die Generalstabskarte die Hüner-Berge (statt 
Hünen-Berge) an. Ortskundige, wie der Gutsbesitzer 
Collin auf Vorwerk Sternhagen stellten die Richtigkeit dieser 
Angabe in Abrede und beziehen den Namen auf den Höhenzug 
südlich des Sees und westlich des genannten Voriverks. Hier 
für spricht, daß auf der in der Karte bezeichneten Stelle 
keinerlei Alterthumsreste, desto mehr aber auf der von uns 
besuchten zweiten Stelle gefunden sind. 
Nach Mittheilung des Herrn Collin kommen hier beider 
seits des nach Vorwerk Sternhagen führenden Weges in 
Reihen und etwa 1 bis 2 m Abstand unverbrannte aus 
gestreckt liegende Gerippe vor. Die Köpfe derselben sind 
wie es scheint nach derselben Himmelsgegend gerichtet; die 
Leichname sind mit Geröllen beschüttet, dickrandige schlecht 
gebrannte Urnen mit groben linearen Verzierungen, meist 
jedoch ohne alle Verzierung, einzelne mit Henkeln versehen, 
dunkelbraun, glanzlos, werden hierbei gefunden, ebenso St ein 
gerät he, als polirte, zum Theil durchbohrte Keile und 
Hämmer aus Geschieben, ferner geschliffene und gedengelte 
Feuersteingeräthe, aber auch sehr primitiv zugeschlagene Feuer 
steinmesser und Schaber. Metallsachen sind niemals 
beobachtet worden. Bei dem Aberglauben und der Scheu 
der Arbeiter, welche die Beunruhigung der Todten und deren 
Rache fürchten, ist es noch nicht gelungen, wohlerhaltene Ge 
rippe oder auch nur Schädel zu sammeln. Die Steingeräthe, 
welche Herr Collin dem Märkischen Museum verehrte, sind 
daselbst Gat. II. Nr. 8033—8037 eingetragen. Den Acker 
selbst fanden wir stellenweis mit durch den Pflug und die 
Hacke zerstörten Urnen bedeckt. Verbrennungsplätze, aus im 
Feuer morsch gewordenen Rollsteinen hergestellt, wurden mehr 
fach bemerkt. Die Untersuchungen der merkwürdigen Stelle 
werden fortgesetzt. Gehören die Skelettgräben in der That 
der vormetallischen Zeit an, so würden sie für die Mark zu 
den besonderen Seltenheiten gehören. 
Vorslavisch sind diese Reste zweifellos, sie mit den Bur 
gundern nach Fidicin's Andeutung in Verbindung zu bringen, 
scheint unrathsam. Denn die Burgunder saßen vor Alters 
an den Ufern der Weichsel und der Oder, etwa in der heu 
tigen Neumark und dem südlichen Theile von Westpreußen, 
und wanderten erst spät, vermuthlich von den Gepiden ge- 
*) Eine Ausnahme machen z. B. der Schloßberg von Burg im 
; Spreewald und der Schloßberg bei der Oberförsterei Werder, Insel 
Rügen, welche vorslavisch sind. Auf älterer (germanischer) Grundlage 
erheben sich einige wendische Burgwälle, hierher scheint die sogenannte 
Herthaburg, der Borgwall am Herthasee auf Rügen zu gehören. Schon 
Adelung (Aeltestc Geschichte der Deutschen, Lpz. 1806, S. 230) sagt: 
' „Burgunder oder Burii. Den ersten Namen kennt Tacitus nicht, son 
dern nur den letzten. Man leitet ihn gemeiniglich von Burg ab, als 
wenn sie vorzüglich in Burgen gewohnt hätten. Das letztere ist uner 
weislich und die ganze Ableitung unrichtig. Das „g" gehört nicht zur 
ersten, sondern zur letzten Hälfte des Wortes. Gund bedeutet in meh- 
rern alten Deutschen Mundarten einen Mann; man sehe, wenn man will, 
Wachters Glosiarium. — Bur - gunder sagt also weiter nichts als 
Burii."
        
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