Path:
Volume 15. Januar 1878, Nr. 2

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

17 
und haben einen guten Geschmack. Im Jahre 1737 singen die 
dortigen Fischer in einem Zuge viele hundert Stück Bleie, von 
denen die meisten 15 bis 20 Pfund wogen; nachher sind sie 
dort ziemlich selten geworden. Im Plaue'schen See in Mecklen 
burg hat man im Jahre 1600 auf einen Zug 160 Fuder sehr 
großer Bleie gefangen. Ueberhaupt ist der Blei recht häufig in 
der Spree, Oder und anderen Flüsten. Auch im Müggelsee, im 
Plöwe'schen See, im Styrum und anderen Seen ist er nicht 
selten, wie auch im Kladow'schen und Kliep-See. 
Karpfen finden sich nur in Seen und Teichen und sind 
in der Mark sehr häufig und sehr groß vorgekommen. Besonders 
beliebt wegen ihres guten Geschmacks waren die Karpfen aus 
dem Uckersee, sodann die aus dem Golitzersee bei Lehnin, welche 
in der Stege! 30 Pfund und mehr wogen. Dieses Gewicht 
hatten ehedem auch öfter die Karpfen aus dem Sandsee bei 
Reppen; doch nahmen diese anfangs des 18. Jahrhunderts schon 
sehr ab. Der Kölpin'sche See, zwischen Lchnin und Redel, ent 
hielt Karpfen von fast Manneslänge. Ter Werbelitzsec, bei dem 
gleichnamigen Dorfe, enthielt sehr viele Karpfen. Im 17. Jahr 
hundert kostete in der Mark das Schock gemeiner Karpfen im 
Durchschnitt 5 bis 6 Thaler. In einem großen See bei Alt- 
Lobitz nahe Kaließ in der Neumark waren sehr große Karpfen 
enthalten und fast gar keine anderen Fische. Bei dem berühmten 
Fischzuge 1595 zu Quilitz sah Colerus einen so mächtigen Karpfen, 
daß er seine Größe gar nicht anzugeben wagte, weil sie doch un 
glaublich klingen würde. Im Jahre 1711 wurde zu Bischofs- 
See bei Frankfurt a. O. ein Karpfen gefangen, der 2^ Ellen 
lang, 1 Elle breit und 70 Pfund schwer war. Die Schuppen 
hatten die Größe eines Achtgroschenstücks. Im Trebuser See 
bei Fürstenwalde waren die Karpfen so groß, daß sie nach Lo 
tichs Zeugniß viele Pfunde wogen, und ein halber Kopf die 
ganze Schüssel füllte. Zu Dertz in der Neumark an der pom- 
merschen Grenze wurde ein Karpfen von 38 Pfund gefangen 
und dem Könige, der sich damals zu Stettin befand, als eine 
Seltenheit lebendig gebracht. Aus dem Lagow'schen See im 
Sternbergschen wurde 1752 ein Karpfen gefischt, der die Dicke 
eines Knaben hatte. Ledel versichert, daß es in der Lausitz 
Teiche gäbe, deren Karpfen man bereits vor 200 Jahren ein 
gesetzt. Diese Beispiele beweisen genugsam die Menge und Größe 
dieser Fische in den märkischen Gegenden. 
Als nahe mit dem Fischwesen zusammenhangend wollen wir 
auch noch der Flußschildkröten gedenken. Sie finden sich in 
Flüssen seltener, dagegen fanden sie sich in der Mark in Sümpfen, 
Pfühlen, Teichen und Seen früher in großer Menge, namentlich 
in der Wubelitz bei Fahrland, in der Gegend von Liezen, Treb 
nitz, Heimersdorf, im Ländchen Rhinow und Friesack, besonders 
auch bei Wrietzen, von wo sie fuhrenweise mit den Aalen nach 
Böhmen, Schlesien re. verführt oder auch abgeholt wurden. 
Sie fanden sich in der Uckermark bei Boitzenburg, Herzfelde, 
Templin in den Brüchen, in der Neumark besonders in den 
Hinterkreisen, auch bei Rampitz und zwar von ziemlicher Größe 
und grünlicher Farbe. 
Ganz besonders reich, und zwar in einem kaum mehr vor 
stellbarem Grade war die Mark jedoch an Krebsen, was schon 
der alte van Helmont rühmt. Das Bruch bei Neustadt an der 
Doste lieferte sie in großer Menge; die Saare bei Saarmund 
war reich daran; die Buckau enthielt neben den Lachsforellen 
treffliche Krebse in großer Anzahl; der Drömling in der Alt 
mark, der See bei Fahrland und eine Unzahl anderer Seen und 
Bäche nebst den Flüsten führten einen wahren Ueberfluß derselben. 
Natürlich war das Oderbruch auch dafür die reichste Gegend. 
Im 17. Jahrhundert wurden zu Küstrin so viele Krebse 
gefangen, daß man im Durchschnitt 100 Schock für 2j/ Silber 
groschen, und 7 Schock um 2 Meißnische Pfennige kaufte. 
Im Oderbruche hat man oft ein Schock großer Krebse um 
2 Pfennige gekauft, und 6 Schock schöne große Krebse um 
2 Dreier oder 6 meißnische Pfennige. Selbst im Jahre 1701 
erhielt man noch 2 bis 3 Schock Krebse für 6 Pfennige. Co 
lerus und Beckmann stimmen in diesen Angaben überein und 
ergänzen einander. 
Wie ungeheuer viele Krebse mußte es geben, um solche 
Preise herbeizuführen, die immer sehr gering sind, auch wenn 
man auf den damaligen Geldwerth Rücksicht nimmt. 
Im Jahre 1719 war die Oder bei der großen Dürre 
des Sommers so klein geworden, daß in deren Grund an 
manchen Orten nur ein schmaler Strom, außerdem aber nur 
Tümpel und kleine Bäche stehen blieben. Fische und Krebse 
suchten die Tiefe, und deswegen fand man in allen Löchern 
eine erstaunliche Menge derselben. Die Krebse wurden von der 
großen Hitze aus dem matten Wasser sogar aufs Land getrieben, 
wo sie unter Gras und an kühlen schattigen Orten Schutz 
suchten, ja selbst die Bäume hinankrochen, um sich unter dem 
Laube zu bcrgeu, sodaß man sie wie Obst herabschüttelte. Gewiß 
war dies eine der wunderbarsten Erscheinungen. 
Nach der großen Ueberschwemmung von 1736, welche die 
Fische in alle Pfuhle abgesetzt hatte, war auch eine unglaubliche 
Menge von Krebsen aus ihren Schlupfwinkeln hcrausgespült worden. 
Die Fische bemühcten sich, das Sumpfwaster zu verlassen und das 
reinere in den Flüssen zu gewinnen. Glücklicher in diesen Be 
mühungen waren die Krebse, die durch ihr Kriechen über die 
aus dem Wasser ragenden Bäume und Gesträuche leichter ein 
besseres Quartier fanden und in großen Schaarcn Zuflucht 
suchten. 
Sehr reich an Krebsen war auch das Warthebruch, und 
die Sonnenburger Krebse standen noch in neuerer Zeit in Ruf 
und wurden viel nach Hamburg versandt. Fast alle Warthe- 
krcbse gingen über Küstrin nach dem übrigen Deutschland, 
und auch sehr viele Oderkrebse wurden über Küstrin geführt. 
Eben darum war der Krebszoll in Küstrin höchst ansehnlich und 
bedeutender als sonst irgendwo. Der Zoll betrug ein Prozent 
der Menge. Es wurde daher von 100 Schock Krebsen 1 
Schock in Küstrin als Zoll abgegeben. Nach Colerus sind in 
einem Jahr 325,000 Schock Krebse daselbst als Zoll gegeben 
worden. Die Zahl der auf diese Weise versteuerten Schock 
Krebse ist 100 Mal so groß gewesen. Dies giebt 32 Millionen 
500,000 Krebse, und doch wurde in jener Zeit übermäßig dc- 
fraudirt. Daß übrigens auch bei diesem Artikel die Jahre 
nicht gleich waren, versteht sich von selbst. 
Wenn viele Personen solche Angaben unglaublich finden, 
so liegt dies nieist daran, daß sie von der gewaltigen Schöpfungs 
kraft der Natur in Hervorbringung der gesellschaftlich lebenden 
Wesen unter begünstigenden Umständen nicht die richtigen Vor 
stellungen haben. Die Heringszüge waren in alten Zeiten nicht 
minder erstauncnswürdig und sind es zum Theil noch; die 
Zahl der Uekleie, Steckerlinge und Tausendfische, selbst der 
Frösche, der Wanderheuschrecken, der Fliegen und Mücken ist 
es nicht minder. Es giebt dafür keine Grenze, und es kommt 
Alles auf die begünstigenden Umstände an.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.