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Periodical volume 15. Januar 1878, Nr. 2

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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Zander. Ein von je an besonders geschätzter Fisch, der 
früher oft auf fürstlichen Tafeln erschien. Er findet sich in der 
Oder. Havel und Spree. Besonders häufig und schön lieferte 
ihn sonst der Fahrland'sche See; für die schmackhaftesten aber 
wurden die Zander aus dem Selchow'schen See bei Storkow 
gehalten, wo sie bis gegen anderthalb Ellen lang gefangen 
wurden. In den neuesten Zeiten ist die Aufmerksamkeit wieder 
auf diesen Fisch gelenkt worden, nachdem man Rogen aus der 
Mark nach Frankreich hat kommen lassen, um den Fisch, den 
die Franzosen als einen der trefflichsten kennen gelernt hatten, 
.dort, wo er unbekannt war, einheimisch zu machen. Auch der 
See bei Tegel führte schöne Zander. 
Baarsche oder Stockbaarsche. Sie gehörten zu den 
häufigsten Fischen der Mark und fanden sich in unermeßlicher 
Menge. Oft wurden auf einen Zug mehr als 100 Fuder ge 
fangen. Obgleich fast in allen Flüssen und Seen vertreten, 
galt doch der Stienitzsee bei Teßdorf als ausnahmsweise reich 
daran, ebenso der Tegel'sche See. 
Kaulbaarsche kamen gleichfalls häufig vor. Wegen ihrer 
Größe und ihres Geschmacks waren besonders die im Griebnitz- 
see bei Potsdam berühmt. Vorzüglich schön, groß und von 
lachsähnlichem Geschmack waren sie im See von Trebus bei 
Fürstenwalde; doch klagt der Bürgermeister Lotich schon, daß 
der ehemals reiche Fang jetzt arm würde. Außerordentlich groß 
wurden diese Fische auch im Plöwensee bei Löcknitz, wie im 
Kladow'schen See, und viele gab es im Stienitzsee, im Golitzer 
und Mandelitzsee, auch in der Griedenitz. 
Stichlinge, Stckcrlinge. Kleine, nicht nutzbare Fische, 
waren und sind noch jetzt in der Spree sehr häufig. 
Wels. Einer unserer größten und gefräßigsten Fische, wird 
7 bis 8 Fuß lang und kommt nicht häufig vor. namentlich in 
der Oder, wo er nicht leicht südlicher als bis Krossen geht. Er findet 
sich zuweilen in Havel und Spree und ist auch im See von 
Trebus bei Fürstenwalde gefangen, mehrfach von Mannesgröße 
im Plöwensee und im Kladow'schen See. 
Kleine Moränen. Nicht mit der großen oder Madün- 
Maränc zu verwechseln, kommen sie in der Mark häufig vor, 
besonders wo der Boden mergelig oder sandig ist. Sie leben an 
den tiefsten Stellen der Seen. Besonders groß und in Menge 
sing man sie ehemals im Scharmützelsee bei Storkow, von wo 
die Bauern sic tonnenweise nach Berlin zu Markte brachten. 
Zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurden sie dort schon seltener. 
Sehr schön fanden sich diese Fische im See bei Morin, von welchem 
sie auch den Namen führen sollen, der anfangs Marinen lautete. 
Der Pulssee bei Bernstein soll ebenfalls sehr schöne Maränen 
geführt haben, nicht minder ausgezeichnet der Soldin'sche See. 
Stinte. Kleine Fische, welche nicht in der Oder, wohl 
aber in der Spree, Havel und Elbe und den damit zusammen 
hangenden Seen in großer Menge gefangen werden. Am größesten 
wurden sic im Tegcl'schen See. Sie liegen fast das ganze Jahr 
auf dem Grunde der Gewäffer; aber zu Ende des Februar erheben 
sie sich meist und ziehen in großen Haufen dahin. In manchen 
Jahren erheben sic sich gar nicht, und bleiben scheinbar aus, ja 
selbst sieben aufeinander folgende Jahre sind in dieser Weise 
schon vorbeigegangen. Dann stellen sie sich aber gewöhnlich in 
großer Menge wieder ein. Der Straussee, der Pleffowersee und 
viele andere sind reich daran. 
Hechte, große und sehr gefräßige Fische, waren in den 
märkischen Gewäffcrn überaus häufig, fanden sich aber nirgends 
häufiger als in den Gewässern des Oderbruchs. Daß hier 
der Hechthandel den Haupt-Erwerbszweig der Einwohner bildete, ist 
schon oben nachgewiesen. Ein Theil der Hechte wurde frisch 
verkauft. Das Schock großer Haupthechte kostete im 17. Jahr 
hundert im Durchschnitt 20 bis 30 Thaler. Dabei waren aber 
Fische von sehr ansehnlicher Größe. So sing man im Jahre 
1736 bei Nieder-Finow einen Hecht von 3 Fuß 2 Zoll Länge. 
Die Hauptmaste wurde von den Hechtreißern ausgeweidet, 
eingesalzen und in Tonnen geschlagen, die zu Master und zur 
Achse in langen Zügen weit verfahren wurden, wie schon ange 
geben. Die Tonne Salzhechte, zu 3 Centner, kostete vor der Re 
formation etwa 2 Thaler; im 17. Jahrhundert schwankte der 
Preis, je nachdem es mehr oder weniger Fische gab, zwischen 
4'^, 5 und 7 Thaler. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts stieg 
der Preis auf 10 bis 14 Thaler, in den sehr fischreichen Jahren 
1701, 1715 und 1735 aber fiel er wieder bis auf 2 Thaler.— 
Die Stadt Wrietzen versandte an Salzhechten 
im Jahre 1705 644 Tonnen, 
„ » 1706 911 
„ „ 1707 549 
„ „ 1735 1658'^ 
Von gemeinen Speisefischen kostete im 17. Jahrhundert der 
Zuber einen Thaler. 
Uebrigens waren die meisten Gewässer reich an Hechten. 
Besonderen Ruf hatten wegen dieser Fische auch die Doste und 
der Fennsce bei Königsberg in der Neumark. — Bei den An 
gaben über die Menge der versandten Salzsische ist auf diejenigen 
Fische keine Rücksicht genommen worden, welche die dortigen 
Fuhrleute wöchentlich ein- oder zweimal in Tonnen init Wasser 
nach Berlin führten oder welche der Landmann zu seinem Ge 
brauche abholte. Ihr Werth betrug im Jahre 1735 allein die 
Summe von 5747 Thlr. 20 Gr. 8 Pf., und ihre Anzahl ist 
daher nicht für geringfügig zu halten. 
Plötzen. Von allen Fischen in der Mark sind sie die 
häufigsten und gewöhnlichsten, weshalb man früher einen Be 
wohner der Mark wohl mit dem Spottnamen einer märkischen 
Plötze bezeichnete. Man findet sie fast in allen Gewässern, und 
sie waren früher in unglaublicher Menge vorhanden. Außer 
ordentlich groß wurden sie im Gröbensee in der Kladow'schen 
Haide. 
Rothaugen oder Rothfedern. Sind den vorigen 
sehr ähnlich und werden meist mit ihnen verwechselt. Es gilt 
von ihnen daher dasselbe wie von jenen. Daß man in günstigen 
Jahren im Oderbruche die Schweine mit Plötzen und Roth 
augen mästete, ist schon oben erwähnt. 
Zärten wurden nur in der Elbe und Oder, besonders in 
der Gegend von Küftrin und in der Drage bei Drainburg unter 
dem Namen der Gesen gefangen, mit denen sie oft verwechselt 
wurden. 
Aland oder Gcse, waren früher in der Elbe bei Arne 
burg und in der Biese bei Osterburg häufig, auch die Jeetze 
enthielt sie bis zum Jahre 1740. In der Spree gehen sie bis 
Fürstenwalde. Vorzüglich groß wurden sie in der Saare bei 
Saarmund. 
Uekelei, Gründling und Güster finden sich in allen 
märkischen Gcwästern in Menge. 
Bleie oder Brassen. Sie gehörten zu den häufigsten 
Fischen der Mark. Eine besondere Größe erreichten sie im 
Grimnitzsce; auch im Uckersee gelangen sie zu bedeutender Größe
        
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