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Periodical volume 15. Oktober 1878, Nr. 20

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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häufig erscheinen. Auch der Bieber hat nicht gefehlt, die 
auf dein rechten Spreeufer bei dem der Stadt Berlin gehö 
rigen Gasthalls in Treptow belegene starke Einblichtung heißt 
noch jetzt das Bicberloch. Von den Hütten, welche auf 
jenen spätwendischen Pfahlbauten, die durch Brand, Wind 
und Wetter zu Grunde gegangen sind, gestanden haben, findet 
man beim Graben, Tauchen und Fischen im Schlamm und 
im klaren Wasser nicht selten große platte'Thonmassen mit 
eingeknetetem Schilf und Stroh; mit diesen Thonpatzeil sind 
die Estriche und Tennen ausgeschlagen, allch die aus Weiden 
geflecht und Staaken gebildeten Wände bekleidet gewesen, 
wie dies die auf der Außcilkruste des beim Abbrennen der 
Hütten verhärteten Lehmes abgedrückten Formen jener Flecht- 
und Staakerarbeiten unzweideutig; bekunden. Aus dem Kreuz- 
baum selbst, der eine höhere sandige Insel gebildet hat, jetzt 
aber durch Wiesenland mit dein linken Spreeufer fest ver 
bunden, nur noch bei Hochwasser ein Eiland bildet, sind die 
Reste eines kleinen Burgwalls, noch in schwachen Spuren 
durch Erdreich uild Vegetation markirt, vorhanden. Neben 
frühmittelalterlichen Scherben von der Beschaffenheit der uiltcr 
Nr. IX. geschilderten Art und neben wendischen Scherben 
fand der Städtische Oberlehrer Herr Dr. Theodor Liebe bei 
unserer zweiten Exkursion auch unzweifelhaft vortveildische, 
nach germailischer Art verzierte Reste von Gefäßeil. Auch an 
Steingeräth ist die Gegend reich; inehrere Meißel und Beile, 
schoil geschliffen, anscheinend dunkler Serpentiil, verdankt das 
Märkische Museum deni Herrn Direktor Wilski von dem 
Terraiil der ihin unterstellteil Städtischeil Waisenanstalt anl 
Rummelsburger See. Erst kürzlich hat zlvei ähilliche Steinkeile 
und zlvei schöne Behausteine uild Glättsteiile, ebenso nlehrere 
Feuersteinmesser und typische Feuersteinabsplisse Herr Tübbicke 
zwischen deni andern Ufer desselbeil Sees und Stralow ge 
funden uild dem genannten Institut verehrt. Wendische uild 
vorwendische Urnenreste sind nicht selten östlich der Stra- 
lower Kirche aus höheren Theilen der weiten Fläche, welche 
bis zum Jahre 1875 den Haupttummelplatz für das Volksfest 
des Stralower Fischzuges abgab. 
An dem nicht fern hiervon zwischen der Rummelsburg- 
Cöpenicker Chaussee lind der Niederschlesisch-Märkischeil Eisen 
bahn belegenen Dannewend-See und zwar auf den der 
Geincinde Berliri gehörigeil Ackerstückeil siild iin Laufe dieses 
Jahrhunderts zuin Oeftern, namentlich durch den 1877 ver 
storbenen, iil Lichtenberg wohnhaft geweseneil Pastor Borilitz 
Todtenurnen gefllnden worden, welche gebranilte Kilochenreste 
enthielteil. Ob hier ein förmlicher Urileilsriedhof vorhanden, 
und wie er etwa zu klassifiziren, muß vorbehalteil bleiben. 
Dem Seewall schenkten wir nähere Beachtung. Sein 
Raine schwailkt sehr. Auf der „Topographischen Karte der 
Umgegend von Berlin", Verlag der Simon Schropp'schen Hof- 
Landkartenhandlung, revidirt etwa im Jahre 1870 von 
I. Schulz heißt das kleine aus ilatürlichem, gewachsenem 
Bodeil bestehende, mit Strauchwerk uild einigen Bäumeil be 
standene Eiland En ten wer der. Der Volksmund nennt es 
Diebesinsel, weil dort Diebe eine Niederlage gestohlenen 
Guts gehabt haben sollen, noch häufiger Liebesinsel, weil ! 
„Pärchen" gern diesen verschwiegeneil Punkt aufzusuchen 
pflegen. Die Insel ist mit uralten Bollwerkeil uild Pfählen 
umsäumt und birgt in ihreiil sandigen Ufersamil mancherlei ; 
von den geschilderten frühmittelalterlichen und iveildischen 
Resten. Nachgrabllilgen in der Mitte förderten ein Viertel eines 
kleinen scharf gebrarichten, in Folge dessen auf der einen Seite 
spicgelglatteil Mahlstciils aus Granit, soivie vielerlei Thier- 
knochen, (die Markkilvchen von Wild darunter aufgespalteil), 
und daileben eiserne Gerüthschaften, z. B. eine gedengelte und 
gezähnte lange flachbogige Sichel, zu Tage, alles dies wieder 
von jener inehrgeschildertcn frühchristlichen Töpferivaare be 
gleitet. — Die Ausgrabungen werden hier bei gelegeiler Zeit 
auf dein der Gemeinde gehörigen Jnselchen fortgesetzt werden. 
Der Ruminelsburger See selbst ist von ivechselilder, 
stelleniveis sehr bedeutender Tiefe, hier, wie die Leute gern 
sageil, unergrüildlich, weil weite Moorstreckcn mit Stangen 
uild Senkern, wegcil der iveichen Beschaffenheit schwer abzu- 
lothen sind. Noch jetzt ist der See fischreich und der Brassen- 
zug mitunter überraschend ausgiebig. An wilden Enten, 
Ließen und anderm Wassergeflügel ivird es in alter Zeit in 
der Gegeild auch nicht gemangelt haben. Kein Wilnder, daß 
die Gegeild von hier bis zum Müggelsee stroiilallfivärts mit 
Paläontologischen Resten, unter benen wohl gearbeitete und 
schön polirte Steinwerkzeugc eine hervorragende Rolle spielen, 
während auch treffliche Bronceil nicht fehlen, so reichlich aus- 
gestattet ist, wie solches die «Suiten im Königlichen sowie im 
Märkischen Provinzial-Museuin sattsam beweisen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Sagen, Meinungen und Gebräuche aus Stadt 
Joachimsthat und Umgegend. 
Von !. ßrunoM. 
II. 
Links ab vom Wege, der von Joachimsthal nach Dorf 
Friedrichswalde führt, liegt in der Heide das sogenannte 
„Witte Hüsekeil" (weiße Häuschen). Drei ziemlich starke und 
mäßig hohe gemauerte Pfeiler stehcil wenige Schritte, einen 
rechten Winkel bildend, von eiliander entserilt. Der vierte 
Pfeiler, lvodurch das Gailze einen quadratartigeil Raum um 
schloß, ist nicht mehr vorhanden. Die Pfeiler siild durch 
hölzerne Querbalken verbuilden geweseil. Ob das Gailze 
überdacht und mit Seitenwänden versehen gewesen ist, weiß 
Niemand mehr zu sagen; lvic denn auch Niemand anzugeben 
vermag, wozu das Gemäuer gedient habe und zu welchem 
Zivecke es erbaut wrirde. Der innere Raum zwischen den 
Pfeilern, das Erdreich, ist in Etwas eingeslinken — und die 
Sage, die Meinung ist: es habe von Schloß Grimnitz am 
Griinnitzsee, welches bekamltlich von Markgraf Johailil 1247 
als Grenzfestung gegen die Uckermark erbaut wurde — ein 
unterirdischer Gang bis zu diesem „Witten Hüseken" geführt. 
Der Ausgailg des Ganges wurde zum Theil verschüttet, zuin 
Theil ist er eingesunken. Daher die Vertiefung zwischen dcir 
Pfeilern. 
Aus der versunkenen Stadt in Werbellin steigt von Zeit 
zu Zeit noch eine Jungfrau auf — um ihre Erlösung, aus 
der, wegen ihrer Ueppigkeit lind Sündhaftigkeit der Eiillvohner, 
versunkeneil Stadt zu erwerben. War da ein Fischer mit 
Namen M., der faild die Juilgfrali auf einem Stein am Ufer 
sitzen. Sie rief und klagte, als sie ihn kommen sah: Bist 
eiil Soilntagskind, bist zur rechteil Stllilde im Mondwechsel
        
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