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Periodical volume 15. Januar 1878, Nr. 2

Full text: Der Bär Issue 4.1878

Unter Mitwirkung von 
Dr. Brecht, Prof. Dr. Baulus Kassel, Stadt-Archivar Aidicin, Cheod. Aontane, Stadtrath K. Ariedel, 
Geh. Hofrath L. Schneider, Archidiaconus Schwebe! in Cüstrin rc. rc. 
herausgegeben von 
George Wtl und Ferdinand Meyer. 
Das Blatt ist. durck alle Buckhandlungen und Postämter, sowie durch die Expedition (Bahnbofstr. 1) zu beziehen. — Literarische Beiträge sind an die Verlagshandlung von Alfred Weile 
in Berlin zu senden, welche sie der Redaction übermitteln wird. — Inserate, pro 3 gesp. Petitzeile 25 Pfg., werden von den Herren Haas enstein u. Vogler, Nud. Mosse, 
Bernh. Arndt, sowie von der Aerlagsbandlung entgegengenommen. 
Inhalt. Die Gebräuche des Maurergcwerks. Von Fr. Schäfer. —Aus dem handschristlicken Nachlasse Karl Friedrichs von Klöden. (Schluß.) 
— Ausgrabungen bei Selchow, Kreis Teltow. Von Richard Neuhauh. — Königlich Preußisches Werbcschild. Von vr. Brecht. — 
Mittheilungen aus dem Verein für die Geschichte Berlins. 
15. Januar 1878. 
Die Gebräuche des 
Von Lr. 
<^ls sich im Mittelalter unter den Gewerken das Zunft 
wesen ausbildete, hatte solches wohl bei keinem derselben einen 
so energischen Eingang gefunden, als beim Maurergewerk, und 
erhielten sich daselbst bis noch vor wenigen Jahren Gebräuche, 
die aus alten, längst verschwundenen Zeiten herstammten, und 
in jeder Beziehung einer Erwähnung schon deshalb verdienen, 
da noch eine bedeutende Anzahl hochachtbarer Mitbürger resp. 
Maurermeister. Rathsmaurermeister. Privat- und Königliche Bau 
meister in unserer Mitte leben, welche diese alten, ehrwürdigen 
Gebräuche in ihren jungen Jahren mitgemacht haben, um der 
damaligen Sitte und Zeit Rechnung zu tragen. — 
Zunächst mag hier nur bemerkt werden, daß in früheren 
Zeiten mehr auf das praktische, als aus das theoretische Wissen 
eines Maurers gesehen wurde, und es als Seltenheit galt, wenn 
nial ein Gymnasiast, oder überhaupt ein Sohn aus höheren 
Ständen das Maurcrhandwerk ergriff. — Gewöhnlich waren 
es Meistersöhne, die das Geschäft des Vaters fortzuführen beab 
sichtigten, oder solche, die mit denen von der Schule aus in 
freundschaftlicher Beziehung standen. Daher kam es denn, daß 
auch der Sohn eines Geheimen Rathes oder sonstigen Beamten 
einmal Lust daran fand, Maurer zu werden, und hat ja die 
Bauwelt heut noch ganz bevorzugte Größen aus dieser Zeit so 
gar in der höheren Baucarriere aufzuweisen, deren Namen ich 
der Kürze wegen hier nicht anführen will, zumal ja der Zweck 
dieses lediglich der sein soll, nur die alten Gebräuche, welche 
beim Gewerk der Maurer üblich waren, hier vorzuführen. 
Maurergewerks. 
Sismfct. 
Ohne alle und jede Ausnahme mußte jeder junge Mann, 
der sich bei einem Maurermeister in die Lehre begeben wollte, 
eingesegnet und mithin christlicher Konfession sein. Juden 
wurden erst nach 1848 der Ehre theilhaftig, sich dem Maurer 
gewerbe widmen zu dürfen, andernfalls sie sich vorher taufen 
laffen mußten. Wenigstens eine Elementarschule mußte der auf 
zunehmende Lehrling besucht haben, und wurde demselben außer 
dem Gelegenheit geboten, sich während seiner Lehrzeit weiter 
fortzubilden, was in der Winterszeit entweder beim Lehrmeister 
selbst, oder in den damaligen Baugewerksschulcn, auch auf 
der Königlichen Bau-Akademie, und zwar immer unentgeltlich 
geschah. — 
Die gewöhnliche Lehrzeit war bei einem Bemittelten, der 
dreißig Thaler Lehrgeld zahlen konnte, drei Jahre, wogegen der 
Unbemittelte vier Jahre lernen mußte, sich dadurch frei lernte, 
und sogar noch allwöchentlich einen kleinen Lohn zu seinem Unter 
halt bekam. — Die Freisprechung, resp. Beförderung vom Lehr 
ling zum Gesellen erfolgte nach überstandener Lehrzeit in feier 
licher Weise — mit dem Schurzfell angethan, vor der gesammten 
Meisterschaft und dem Stadtrath, als Gewerksaffessor, und 
zwar nach Ablegung eines kleinen Examens in der Baupraxis, 
sowie im Lesen, Schreiben und Rechnen. — Der Vorsitzende 
Altmeister hielt eine Anrede in der ernstesten Weise an sämmt 
liche Junggesellen, ermahnte sie zur Ehrbarkeit und Pflicht in 
dem Berufe, sowie zum steten Gehorsam gegen die Obrigkeit 
und den Meister, worauf er ihnen fernerhin anheim stellte, sich
        
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