Path:
Volume 1. September 1878, Nr. 17

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

Das Blatt erscheint 
monatlich zweimal. 
ule tim lUMujcvjiiai xsmm 
Unter Mitwirkung von 
Dr. Brecht, Prof. Dr. Baulus Kassel, Stadt-Archivar Sidicin, Weod. Kontanc, Stadtrath K. Kriedel, 
Geh. Hvfrath L. Schneider, Archidiaconus Schwebet in Cüstrin rc. rc. 
herausgegeben von 
George Hiltl und Ferdinand Meyer. 
A. C/1BEH so. 
Das Blatt ist durck alle Buckhandlungen und Postämter, sowie durch die Expedition (Bahnhofslr. 1) zu bezieben. — Literarische Beiträge sind an die Verlagshandlung von Alfred Weile 
in Berlin zu senden, welche sie der Redaction übermitteln wird. — Inserate, pro 3gesp. Petitzeile 25 Pfg., werden von den Herren Haasenstein u. Vogler, Rud. Masse, 
Bernh. Arndt, sowie von der Verlagshandlung entgegengenommen. 
Inhalt. Aus der Zeit des ersten Hohenzollcrn. Nach Peter Bcckcr's Zerbster Chronik von F. Labarre. — Das älteste Wohnhaus Berlins. Von 
Ferdinand Meyer. (Schluß.) — Die officielle braudenburgische Geschichtsschreibung zur Zeit Friedrich Wilhelms, des großen Kurfürsten. 
(Fortsetzung.) — Alphabetische Zusammenstellung in Berlin geborener, sowie in Berlin verstorbener berühmter Personen. Von Otto Runk. 
(Fortsetzung.) — Johann Unger. Ein Lebensbild von A. Hopfner. — Noch einmal der Schclch des Nibelungenliedes. Von P. Äscherson. — 
Literatur. — Mittheilungen aus dem Verein für die Geschichte Berlins. 
Ms -er Zeit -es ersten Hoheiyolleru. 
Nach Peter Becker'S Zerbster Chronik von S. Labarre. 
hroniken oder Aufzeichnungen zur Zeitgeschichte sind dem 
Historiker von der höchsten Bedeutung, weil sie ihm wenigstens 
für die Thatsachen sichere Grundlagen zu geben pflege». Nicht 
als ob der Zeitgenosse unfehlbar wäre: was weiß der Soldat 
und selbst der Offizier vom andern Ende des Schlachtfeldes, und 
wie selten sind selbst Sachverständige gleichen Urtheils, wie leicht 
aber kann der Laie, z. B. ein Mönch in militärischen Dingen, 
irren? Aber immerhin hat der Geschichtsschreiber, der ein er 
schöpfendes, wahres Zeitbild entwerfen will, kein zuverlässigeres 
Quellenmaterial, als die. gesammte Hinterlassenschaft der zu 
schildernden Zeit vom Dom und Schloß bis zum Leichenstein 
und der Pfeilspitze, vom farbenreichen Gedicht bis herab zur noch 
so dürftigen Notiz auf einem Buchdeckel. Aber freilich, jedem 
einzelnen Zeugen der Vergangenheit haftet die volle Schwäche 
und Unzuverlässigkeit alles Menschlichen an: nicht bloß böser 
Wille und Parteilichkeit konnte täuschen wollen, auch Urtheils- 
losigkeit und Gedächtnißschwäche konnte sich irren selbst bei Autopsie, 
wie viel mehr in den Fällen, wo der Chronikaut auf fremden 
Bericht angewiesen war. Daher sind die Berichte der Zeitgenossen 
nicht bloß im Ganzen und Großen von sehr verschiedenem Gewicht, 
je nachdem der Schreiber persönlich befähigt für objective Auf 
fassung und den Thatsachen nahe stehend war, sondern sie sind 
auch in ihren Theilen verschiedenen Werthes. Daher rührt jenes 
unbehagliche Gefühl beim Studium der Chroniken, das uns fast 
an aller Möglichkeit historischer Objektivität verzagen läßt, wenn 
wir von der fertigen Darstellung des Geschichtsschreibers den 
rückläufigen Gang zu den Quellen machen: statt zu größerer 
Sicherheit, wie wir hofften, zu gelangen, sehen wir oft nun 
erst Alles in unlösbare Verwirrung gerathen, und es wird noth 
wendig, des Schreibers Person einer scharfen Kritik zu unter 
werfen und ihn an den Berichten von Parteigenossen und Gegnern 
zu messen. 
Wahrhaft erquicklich ist es aber, wenn wir in einem Chroni- 
kanten einen Mann von zuverlässiger, lauterer Gesinnung, scharfer 
und sicherer Beobachtungsgabe und seiner Aufgabe geivachscner 
Bildung finden, und, um kurz zu sein, ein solcher ist der zeit 
genössische Geschichtsschreiber, dessen handschriftliche Zerbster Chronik, 
im Archiv der anhaltischen Stadt Zerbst aufbewahrt, zuerst Stenzel 
in seiner Geschichte des preuß. Staats mehrfach, aber wie es scheint 
nach dem Gedächtniß oder vielleicht gar nach Mittheilungen Anderer 
benutzte, und endlich Professor, jetzt Herzog!. Anhalt. Archivrath 
Franz Kindscher 1858*) herausgab: der Zerbster Peter Becker. 
Diesem Manne trug im Jahre 1451 der Rath zu Zerbst 
auf, die denkwürdigen Ereignisse der ersten Hälfte des 15. Jahr 
hunderts zum Gedächtnisse der Nachkommen aufzuzeichnen, und 
er, vielfach als Bürgermeister, Jnnuugsvorsteher (der Gewand- 
schneider) und Gesandter der Stadt thätig und hochaugescheu, 
erledigte sich dieses Auftrages in der besonnensten und umsich 
tigsten Weise, ja er verstand es nicht bloß insofern die Zeitvcr- 
hältnisse von einem höheren Gesichtspunkte aus zu schildern, daß 
*) Dessau, Baumgarten u. Comp.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.