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Volume 1. Januar 1878, Nr. 1

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

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in der Ambraser Sammlung aufbewahrt werden, konnten ihrer 
Schwere wegen nicht in das im ersten Stocke befindliche Museum 
transportirt werden und wurden deshalb in einem Bretterschuppen 
auf dem Hofe des Museums untergebracht. 
Seine Königliche Hoheit der Prinz Carl von Preußen, 
welcher Höchstselbst einer der kunstverständigsten Sammler ist und 
für die Vermehrung der Waffen-Sammlung des Zeughauses be 
sonderes Interesse bethätigt, erhielt Kenntniß von dem Vor 
handensein jener Geschütze und ließ deshalb bei dem Magistrat 
in Wels anfragen, ob die Stadt ein Exemplar derselben dem 
Artillerie-Museum, zu überweisen geneigt sei. Der Magistrat er 
klärte sich umgehend zur Erfüllung des Wunsches Sr. König 
lichen Hoheit bereit, bat jedoch, als Aequivalent, um Ueberwei- 
suug eines historischen Andenkens aus dem Kriege 1870/71, 
welches, wie die Behörde versicherte, von der Bevölkung der 
Stadt und des Landes stets in höchsten Ehren und dankbarster 
Erinnerung gehalten werden würde. Se. Königliche Hoheit 
brachten den Wunsch der Stadt Wels zur Kenntniß Sr. Majestät 
des Kaisers und Königs. Die anfängliche Absicht, ein erbeutetes 
französisches 8 Ctm. Geschütz mit Lastete zn wählen, kam nicht 
zur Ausführung, Se. Majestät geruhte vielmehr einen bronzenen 
französischen Achtzehnpfünder aus der Zeit Ludwig XV. mit 
Lastete, welcher im Feldzuge 1870/71 erbeutet ward, für den 
vorliegenden Zweck zu bestimmen und Sc. Königliche Hoheit 
der Prinz Carl veranlaßte sodann die Ueberführung dieses Ge 
schützes von Spandau nach Wels, worauf ungesäumt die Stein- 
bombarde aus Linz hier eintraf. 
Dr. C. Brecht, 
M r - FDH. 
Juiei Grabstein-Inschriften aus der Mark. 
i. 
Auf dem Kirchhofe zu Wattersdorf im Teltow liegt 
unter der alten Linde ein Grabstein mit der Inschrift: 
Kommt her, ihr Sterblichen 
Hier ruhen ermüdete Priester-Gebeine 
Des weiland ehrwürdigen — und wohlge 
lahrten Herrn 
Friderici Alberti Gerkenii, 
Sie erinnern Euch Euer cap 
de könne esperance sei 
das Grab. 
Als er 1663 den 6. Januar zu Schlalach geboren war 
Mühte er sich zwar in das himmlische Gold-Indien 
mit vollen Segeln einzuschiffen. 
Aber die grausamen Sünden- 
Winde waren ihm 
beständig 
contrair. 
Anno 1714 den 20. August war er endlich 
Glücklich und sein Leib war 
in den sichern Hafen 
des Grabes verschlossen. 
Darum 
gehet hin ihr Sterblichen 
und 
vernehmet es 
Euer cap de könne esperance ist das Grab. 
2. 
Zu Brunne im Osthavelländischen Kreise findet sich an 
der auswendigen Seite der Kirchenmauer ein Leichenstein mit 
folgender, dem Prediger Brand, langjährigem Seelsorger der 
Brunner Gemeinde, gewidmeten Inschrift: 
„Allhicr ruhet in Gott der weiland Hoch-Wohlehrwürdige 
Hochwohlgelahrt Herr Christoph Brand, 
52jähriger Prediger Hierselbst, der in seinem 
Amte und Wandel ein brennend und scheinend Licht war. 
Als ein frommer und getreuer Knecht Gottes 
brannte er innerlich und äußerlich — 
Innerlich entzündet durch die göttliche Kraft des heiligen Geistes, 
ei füllet mit himmlischer Weisheit und Erkenntniß, 
Brennend in der Liebe zn Gott und dem Nächsten 
und begierig 
Gottes Ehre und der Menschen Seligkeit zu befördern. — 
Aeußerlich schien und leuchtete er 
denen Verdüsterten zur Erleuchtung, 
denen in Liebe erkalteten zur Erwärmung 
bis er endlich selbst als ein Brand aus dem Feuer 
der Trübsal geristen, 
ins Helle Licht des ewigen Lebens versetzet 
den 9. Mai MDCCXLVI. 
Nachdem ihm das Licht dieses Lebens geleuchtet 81 Jahre, 
Worin er durch den keuschen Liebesbrand 
9 Kindern Vater und 36 Kindern Großvater geworden. 
Berlin. Bdz. 
Literatur. 
Berlin imter'in alten I-ritz anno 1784. Von K. Riebe. 
Berlin 1878. Verlag von Alfred Weile. 8". 112 S. 
In Nr. 19 dieses Blattes bei der Besprechung des Langen- 
schcidt'schen Buches: „Naturgeschichte des Berliners", das ich leider 
aus sachlichen Gründen tadeln mußte, nahm ich am Schluffe Ge 
legenheit, auf das im Berliner Fremdenblatt 1875 erschienene 
Feuilleton von K. Riebe hinzuweisen und zugleich die Hoffnung 
auszusprcchen, daß dasselbe in Buchform einem größeren Publikum 
zugänglich werden dürfte. Dies ist nun geschehen. Das Buch 
liegt in sauberer Ausstattung vor. Alle die Fehler, die wir 
dem Langenscheidt'schen Buche vorwarfen, sind hier vermieden. 
Der Verfaffer besitzt die sehr schätzenswerthe Gabe, viel historische 
Notizen, verbunden mit sachlicher Genauigkeit, in leichter, an 
sprechender Form, zu geben. Auch habe ich beim Durchlesen 
des Buches keine historischen Irrthümer entdeckt, wie sie in jenem 
Buche klar auf der Hand lagen und ich damals auch anführte. 
Das Buch ist aus einem Guß etwas vollständig Zusammenhängendes. 
Herr Riebe fordert den Leser auf, sich in das Jahr 1784 
zurück zu denken und mit ihm eine Reise durch das damalige 
Berlin zu machen. Und beide durchwandern nun Berlin nach 
allen Richtungen hin, überall erzählt der Verfaffer das Wissens 
werthe eingehend und erschöpfend und braucht nicht, um seine 
Unkenntniß resp. Bequemlichkeit im Suchen zu verstecken, Wen 
dungen wie: „wir müffen weiter" oder „unsere Zeit erlaubt es 
uns nicht, hier länger zu verweilen". Nein, er erzählt alles klar 
und verständlich. Wirklich bewundernswert ist es, zu sehen, wie 
in jeder Straße — doch so, daß es nicht ennüdet — aller be-
	        
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