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Volume 15. Juli 1878, Nr. 14

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

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andern dabey aufschlagenden untüchtigen tungen Holtze, welches 
die Eichen ins gemein zuersticken pfleget, zu säubern und auß- 
zuputzcn. 
4) Sölten auch dergleichen Bauern- und Coßäten-Höffe 
auf denen Dörffern sich flnden, bey denen dergleichen raum 
zum pflantzen nicht vorhanden, oder der Grund darnach nicht 
beschaffen were, so sollen die Beamte denenselben, die solche 
Güter bewohnen, an einem andern bequemen Ort, außerhalb 
dem Dorffe auf der gemeinen Weide, nicht aber auf den Huef- 
schlägen einen Platz zum Obst-Garten anweisen, die Eichen 
aber solchen fals in unsere Heiden und Wälder, weil bey 
unsern meisten Ämbtern dergleichen vorhanden, pflanzen laßen, 
und bey ihren Amts-Rechnungen, wenn sie dieselbe ablegen, 
allemahl eine specification beyhefften, wie viel Eheleute in denen 
Jahre in dem Dorffe vertrauet worden, so die pflantzung 
verrichtet haben. 
5) Wann auch die Beamte und Prediger in beforderung 
dieser nützlichen Sache sich säumig befinden laßen sollen; so 
wollen Wir sie dafür anzusehen und mit ernster Straffe wieder 
dieselbe zuverfahren wißen. 
6) Die iungen Eichenstämme und pflantzen sollen einem 
reden der die pflantzen mus, von Unsern Holtz-Bedienten aus 
Unsern Heiden wofern deren darin in gnugsamer Quantität 
vorhanden sein, und sie sonst nicht zubekommen seyn möchten, 
gereichet, ihnen auch, wohin, und wie sie gepflantzet und unter 
halten werden müßen von den Forstbedienten und Beamten 
gezeiget werden, Gestalt es nicht genug ist, daß die Pflantze 
gesetzet und in die Erde gestecket werde, wann nicht behöriger 
Fleiß dazu angewendet, und die pflantze bis sie zu gnugsamer 
stärke gedien, und vor das Wildbret und Vieh sicher stehen 
kan, bezäunet, oder niit pfählen verwahret, auch zuweilen mit 
Wasser angefrischet und begoßen wird, Wornach derienige so 
da pflantzet mit Fleiß zu sehen verbunden, und dazu mit 
gnugsamen ernst sowol von denen Beamte und Gerichts-Obrig 
keiten, als auch von denen Forstbedienten anzuweisen ist. Wo 
fern aber in Unsern Heiden keine iunge Eichen zum versetzen 
übrig vorhanden, noch in der Nähe zu bekommen wären. So 
sollen gcwiße Eichel-Kämpe angeleget, darzu bequeme Plätze bey 
den Dörffern und Pauer-Gütern durch Unsere Beamte abge 
sondert, und die Unterthanen, solche mit guten Eicheln zu 
besäen, angehalten werden, gestalt dadurch die pflantzen in der 
Menge aufschlagen, welche sodann wann sie zum Versetzen dien 
lich, vertheilet, und andere Örter damit versehen werden können, 
Wie denn nicht weniger auch Rüstern, Linden, Weiden, Espen 
und dergleichen, wo sichs nur immer schickt, gesetzet, und die 
ienige Plätze, so bishero müßig und ledig gestanden, dadurch 
zum Haußwirthlichen Nutzen gebracht, die Häuser in den 
Dörffern auch durch pflantzuug dergleichen Bäume vor Feuer- 
und Windschaden verwahret werden sollen. 
7) Die ienige so keine fruchtbahre iunge Obstbäume oder 
wilde stämme so bald erlangen können, sollen Äpffel- und 
Birnen-Körner von allerhand guter Art zu säen und außzu- 
streuen schuldig sein, damit junge Stämme aufschlagen mögen, 
und hiernegst darauff gepfropffet werden könne. Und haben die 
Beamte dahin zu sehen, damit allerhand gutes, sonderlich aber 
Winterobst in den Amtsgärten und sonst gezeuget, Äpffel- und 
Birnen-Körner die Menge gesäet, denen Unterthanen die stämme 
gegeben, die unwißende im pflantzen und pfropffen unterwiesen, 
und alle dienliche Anleitung zu fortsetzung dieses nützlichen 
Werks gegeben werde, wie denn auch denen Unterthanen frey 
gelaßen wird, wilde Obststämme zu diesem Behuef in den 
Heiden und Brüchern zu suchen, und dieselbe zum pflantzen, 
nicht aber zum Verkauff anzuwenden. 
8) Denen ienigen Unterthanen, so eigene Mast-Höltzer 
haben, soll hiemit verstattet und zugelaßen seyn, die iunge 
Eichen in ihre eigene Heiden zu pflantzen, damit auch dieselbe 
zum guten aufnehmen gebracht, und im gutem Staude er 
halten werden. 
9) Und weil Wir auch offt auf unterthänigstes Ansuchen 
Unserer getreuen Vasallen und Unterthanen einem und dem 
andern aus soudcrbahren Gnaden einige Eichen zum Bau 
schenken, oder auch auf begehren dergleichen verkauffen. So ist 
Unser gnädigster Befehl und Wille, daß allemal vor jede ge 
schenkte Eiche Acht stück iunge Eichen, vor diejenige aber so umb 
halbe Bezahlung gcfolget worden, Vier stück, und vor die ver 
kaufte Zwey stück vor iede gepflantzet, und von Unsern Forst- 
bedienten, so das Holz anweisen, zugleich die Orter dahin 
die iunge Eichen zupflautzen, angezeiget werden sollen. 
10) Gleich wie nun alle Unsere Vasallen und Ein- 
geseßenc, welche mit einigen llurisckietionen beliehcn seyn, 
dasienige, was Wir in Unsern Ämtern obbcschriebcner maßen 
angeordnet, ihnen zum exempel dienen laßen werden, Also 
befehlen Wir ihnen hiemit gnädigst, daß sie bey ihren Unter 
thanen dergleichen einzuführen, und ihre, wie auch der Unterthanen 
Güter auf solche maße zuverbeßcrn, keineswegs unterlaßen sollen. 
11) Wie denn auch denen Obrigkeiten in denen Städten 
und Flecken hiemit ernstlich anbefohlen wird, dieses so viel 
müglich, bey der Bürgerschaft jedes Orts zu introctueiren, 
und ans dergleichen Verbeßerung derer Bürgerlichen Güter mit 
allen Ernst und Eyffer ihren pflichten gemcs bedacht zu seyn, 
dazu ihnen ebenfalls die iunge Eichen aus Unsern Heiden, 
wofern sie darin vorhanden, und wann sie selbst keine Cich- 
Höltzer haben, auch noch keine Eichel-Kämpe angeleget, auf ihr 
anhalten ohn entgelt gereichet werden sollen. 
12) Wir befehlen überdem gnädigst, daß die Prediger- 
aller Orten, in vorbenannten Städten, Flecken und Dörffern 
dieses, was Wir hierin angeordnet, ihren Gemeinen alle Jahr 
zweymahl und zwar allezeit im Anfang des Monats Märty 
und Octobris öffendlich erinnern und in Unserm Nahmen ihre 
Zuhörer zur fleissigen pflantzung anmahnen sollen. 
13) Im übrigen sollen alle Unsere Jagt- und Holtz- 
Bediente vom höchsten bis zum niedrigsten ein ieder in seinem 
Beritt hieraus ein wachsames Auge halten, und sich, so offt 
sie die Gelegenheit darzu haben niit Fleiß erkundigen, ob diesem 
Unsern gnädigsten Befehl überall gehorsame Folge geleistet, und 
die pflantzung mit Fleiß fortgesetzt werde. Welche Uns dann 
auch die ungehorsame und Nachläßige, damit Sie zur ge 
bührenden Straffe gezogen werden mögen, anzudeuten und hier 
unter keinen, er sey auch wer er wolle, nachzusehen, denenjenigen 
auch so iunge Eichen zur pflantzung wie auch wilde Obst Stämme 
begehren, solche unweigerlich und ohne entgelt abfolgcn zu 
laßen haben. 
Schließlich befehlen Wir auch hiemit, daß dieses Unser 
Patent in unserer Chur- und Mark-Brandenburg allenthalben 
öffendlich entweder von den Cantzeln oder nach gehaltener 
Predigt der Gemeinde vorgelesen, und nachmals, damit es zu 
iedermanns Wiffenschaft kommen möge, an die gewöhnliche 
Orter angehefftet werde.
	        
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