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Volume 15. Juli 1878, Nr. 14

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

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sowie zahlreiche Privatpersonen mit Hingabe von Oelgemälden, 
Aquarells, Kupferstichen, Radirungen, Lithographien, Photographien, 
Holzschnitzereien, Goldschmiedearbeiten u. s. w. (Vgl. Dr. Cajetan 
Felder: Die Gemeinde-Verwaltung der Reichshaupt- und Residenz 
stadt Wien in den Jahren 1871 bis 1873, Wien 1874, S.290flg.) 
Der Eintheilungsplan dieser Ausstellung, welche vomll.Juni 
bis 5. October 1873 währte und ihre Kosten von nahezu 
12000 Gulden fast ganz wieder durch Eintrittsgelder rc. ein 
brachte, war folgender: 
A. Pläne und Gesammtansichten der Stadt und Vorstädte. 
B. Basteien und Vorwerke. 
0. Die kaiserliche Hofburg. 
v. Straßen und Plätze. 
E. Neubauten. 
F. Plastisches Modell der inneren Stadt und der Glacis vor 
dem Beginne der Stadterweiterung. 
6. Feste und Ereignisse. 
14. Zeitbilder. 
I. Trachten und Moden. 
X. Bürgerwehr, Freiwilligenkorps und Nationalgarde. 
L. Porträte. 
M. Münzen, Medaillen und Siegel der Bürgermeister, Stadt 
richter und anderer Rathspersoncn. 
14. Handschriften, Urkunden und Gedenkbücher. 
0. Verschiedene geschichtliche Denkmale. 
Daß Wien, eine der ältesten Städte Deutschlands, das ur 
alte Vindobona, ein römisches Standquartier zur Deckung der 
Nordgrenze des römischen Weltreichs gegen barbarische Einfälle 
und zur Beherrschung des Donauüberganges bis in's 5. Jahr 
hundert, seit 1160, wo Heinrich II. Jasomirgott seine Residenz 
hier ausschlug, als Hauptstadt fort und fort an Macht und An 
sehen aufblühend, eine überreiche Geschichte hat, davon legte diese 
Ausstellung, so sehr unvollständig sie immerhin war und bei der 
Kürze der Vorbereitungszeit sein mußte, doch ein reichhaltiges 
Zeugniß ab. 
Ein großer Theil der ausgestellten Gegenstände ist nachher 
wieder von den Ausstellern zurückgenommen worden. 
Nach dem Fclderschcn Bericht über die Gemeindeverwaltung 
in den Jahren 1874 bis 1876 war der Zuwachs der städtischen 
Sammlungen in dieser Frist folgender. Um von der bedeutendsten 
Schöpfung der Gemeindeverwaltung, der Kaiser Franz Josefs- 
Hochqucllenleitung, Abbildungen zu besitzen, kaufte der Gemeinde 
rath 1875 von dem Ingenieur Buchwald den Situationsplan 
der Trace des Wasserleitungs-Kanales mit den Längenprofilen der 
Trace und des Kanallaufs, sowie den Ansichten der Leitungen 
von Baden, Liesing, Speising, Mödling und Mauer, sämmtlich 
von ihm angefertigt, und 9 Aquarelle des Künstlers Rudolf Alt 
mit Darstellungen der Wasierschlöffer am Kaiserbrunnen und in 
Nixenstein, der Leobersdorfer Thalübersetzung u. s. w. für 
2500 Gulden an. Die Münz- und Madaillen-Sammlung erhielt 
in den Jahren 1874, 1875, 1876 beziehentlich 61 Stück, 30Stück, 
und 356 Stück an Zuwachs, darunter 303 Stück von der 
verw. Consul von Schwarz auf einmal als Geschenk. Für die 
große silberne Gußmedaille, welche Kaiser Leopold I. zum Ge 
dächtniß der Belagerung Wiens durch die Türken anfertigen ließ, 
wurden 500 Gulden gezahlt. Die Gesammtziffer der Medaillen 
und Münzen betrug Ende 1876 im Ganzen 1398. 
Die Leitung des städtischen Waffenmuseums wurde dem 
städtischen Archivs- und Bibliotheks-Director sowohl in allen rein 
dienstlichen als wissenschaftlichen Angelegenheiten übertragen, da 
neben ein Zeugwart mit 600 Gulden Gehalt und dem system 
mäßigen Quartiergelde, auch dem Rechte des städtischen Livree 
bezuges angestellt. Während der Zeit, wo das Museum geöffnet 
ist, sind noch zwei Aufseher gegen Diäten daselbst beschäftigt. 
Die Einlaßtage sind in den Sommermonaten: Sonntag und 
Donnerstag von 9 bis 3, in den Wintermonaten (November bis 
incl. April) Sonntag von 9 bis 1 Uhr. Ueber sämmtliche 
Museumsgegenstände fertigte der Vorstand im October 1874 ein 
neues Inventar an. Für den neu ernannten Zeugwart wurde 
eine besondere Instruktion ausgearbeitet und diese vom Gemeinde 
rathe genehmigt. 
Im Allgemeinen geht die Entwickelung des städtischen 
Museums in Wien bis jetzt ungemein langsam vor sich, nament 
lich haben sich die großen Erwartungen des Herrn L. Clericus 
(vgl.: Die historische Ausstellung der Stadt Wien, Berliner 
Sonntagsblatt 1874, S. 146 flg.), welche der Genannte an das 
Wiener Institut knüpfte, in keiner Weise bestätigt, dagegen hat 
das Berliner städtische Institut (Märkische Provinzial-Museum), 
dem Herr Clericus das übelste Prognostikon damals ■ gleichzeitig 
stellte, das Schwesterinstitut an der Donau im größten Maßstabe 
nach fast allen Richtungen hin überholt. 
Möge das Wiener Stadtmuscum unter dem Nachfolger des 
eben ausgeschiedenen Chefs der Wiener Gemeindeverwaltung 
endlich den der Größe und Bedeutung der Stadt entsprechenden" 
Aufschwung nehmen. Unsere besten Wünsche begleiten daffelbe. — 
Die Äungfern-Mee im hiesigen Thiergarten. 
Von S. firost. 
(Fortsetzung.) 
3) Es soll auch allen Pfarrern in allen Unsern Aemtern 
und andern Domainen hiemit ernstlich und bey Vermeidung 
schwerer Verantwortung anbefohlen seyn, daß sie hinfort und 
von dato an kein paar Ehe-Leute vertrauen sollen, es habe 
denn der Bräutigam, er sey ein junger Geselle oder Wittwer, 
von seiner Amts - Obrigkeit einen beglaubten Schein und 
schriftliches gezeugnus producriret, daß er zum wenigsten Sechs 
Obst - Bäume und Sechs iunge Eichen an einem bequemen 
Orte gepflantzet habe. 
Solte es aber geschehen, daß die Vertrauung zur Winters 
oder Sommerszeit, da man nicht pflantzen tönte, geschehen 
müßte, und der Bräutigam aus erheblichen Ursachen die 
Pflantzung vorhero nicht verrichten können, so soll er dennoch 
dieselbe nach vollentzogener Heyrath in dem negst folgenden 
Frühling oder Herbst werkstellig machen, und indeffen ein ge- 
wißes Pfand ins Amt niederlegen, welches ihm nicht eher bis 
er erweißlich gemacht, daß die pflantzung geschehen, wieder ge 
geben werden soll. So viel aber immer möglich soll die 
pflantzung vor der Vertrauung verrichtet und hiervon nur bie' 
special casus, da cs sich unmöglich anders thun laßen wil, 
außgenommen seyn, oder es soll auch ein solcher Bräutigam, 
der zu der Zeit Hochzeit machet, da das pflantzen nicht ge 
schehen kan, angehalten werden, inmittels die Plätze, darauf 
die pflantzung geschehen soll, nach und nach zu aptiren, zuumb- 
graben oder zu behegen, oder an denen Orten, da auf den 
Churfürstlichen-Heiden iunge Eichen vorhanden, dieselbe zu be- 
forderung des Wachsthums von den überflüßigen Zweigen, und
	        
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