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Periodical volume 1. Juli 1878, Nr. 13

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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dieses Bild ganz fest unserem Gedächtniß einprägt. — Was 
Marschall Vorwärts den Befreiungskriegen, , was Vater Wrangel 
unsrer bewegten Zeit war, — der populärste General, das War der 
alte, tapfere, fromme Zielen, dessen Kriegsruhm auf den Siptitzer 
Höhen in der Schlacht bei Torgau am 3. November 1760 seinen 
glänzenden Abschluß erreichte, seiner großen, kriegerischen und an 
Ehren für das damals kleine, von so übermächtigen Feinden um 
drängte Preußen so reichen Zeit: der volksthümlichste, von seinem 
König geehrte, von seinen Soldaten vergötterte und von dem 
ganzen Volke geliebte, tapferste und gottesfürchtigste Reiterfeld 
herr. Das Buch, mit fünf Illustrationen aus der künstlerischen 
Hand Burgers ausgestattet, ist durchaus empfehlenswerth. 
Berichtigung: Der Titel des aus S. 119 in voriger Nummer be 
sprochenen Buches von Handtmann lautet richtig: Der SlavismuS im 
Licht« der Ethik. 
Mittheilungen aus dem Verein für die Geschichte Berlins. 
In der 241. Versammlung, 10. (3. außerordentliche) Sitzung des 
XIV. Vereinsjahres, Sonnabend den 15. Juni, fand Nachmittags 
5 Uhr ein Spaziergang durch den Friedrichshain statt. Die Mitglieder des 
Vereins, die sich um 5 Uhr in der Lips'schcn Brauerei eingefunden hatten, 
konnten erst um 6 Uhr wegen des anhaltenden Gewitterregens ihren Gang 
antreten. HerrObcrgärtner, jetztGarten-Jnspector Röunekamp hatte 
die Leitung übernommen und machte auf viele schöne Punkte aufmerksam. 
Am längsten verweilten die Anwesenden bei der vom Schneidermeister 
Freitag gestifteten Säule Friedrich des Großen. Darauf wurde das 
im Hain gelegene städtische Krankenhaus besichtigt. Der Director 
desselben, Herr Herfordt, ließ beim Eintritt einen Grundriß der 
Gebäude vertheilen, der das Zurechtfinden sehr erleichterte. Er selbst 
übernahm die Führung durch die wichtigsten Anlagen. Besonders 
große Aufmerksamkeit wurde dem Waschhaus und der Küche gewidmet; 
in letzterer sogar eifrig die Speisen der Kranken gekostet. Sodann 
ging es zur Besichtigung des Kriegerdenkmals des V. Distrikts und 
von da in die böhmische Brauerei. Hier erquickte man sich leiblich und 
darauf hielt Herr Prediger Dr. Hentschel einen eingehenden Vortrag 
über den Friedrichshain und seine Umgebung. Das Wichtigste aus 
dein Vortrag, was wir hier nicht übergehen dürfen, ist die Mitthei- 
lung, daß die Thüren der Schloßkirche zu Wittenberg, an die Luther 
seine weltberühmten 95 Thesen schlug, jetzt die Kirchthüren der Bartho 
lomäuskirche bilden. Nach dem Vortrag blieben die Mitglieder noch 
lange iur schönen Garten der Brauerei vereint. Nach 11 Uhr ver 
ließen die Letzten erst das Local. 
Die 242. Versammlung, 11. (4. außerordentliche) Sitzung des 
XIV. Vereinsjahres, Sonnabend den 32. Juni, Nachmittags 6 Uhr, 
war der Besichtigung des neuen Postgebäudes in der Artilleriestraße 4 
gewidmet. Die Mtglieder. versammelten sich in dem großen Hörsaal 
resp. in den daneben zur Restauration eingerichteten Gemächern. 
Im Saal waren die wichtigsten Gegenstände des Postmuseums auf 
gestellt, die auch fleißig besichtigt wurden. Dann hielt Herr Postrath 
Tybusch einen Vortrag, der betitelt war: über das Museum der 
Post- und Telegraphen-Verwaltung. Er gab aber eine eingehende 
geschichtliche Entwickelung des Postwesens, von den ältesten Zeiten bis 
auf unsere Tage, und machte nur bisweilen Bemerkungen über Gegen 
stände die das Museum bewahrt. Zum Schluß dieser Arbeit gab 
er eine kurze Skizze der Entwickelung der Stadtpost in Berlin. Sie 
trat ins Leben den 1. Dezember 1827 mit 36 Briefträgern. 1851 
hatte Berlin außer den 5 Bahnhofsexpeditionen nur noch 8 andere 
und 127 Briefkasten. Herr Geh. Pvstrath Sachsse dankte nach dem 
Vortrag zunächst dem General-Postmeister Herrn Stephan Excellenz 
für die Erlaubniß zur Besichtigung dieser neuen schönen Räumlichkeiten 
und sodann dem Vortragenden für seine Mühe und fügte hinzu, daß 
das Postmuseum täglich von 11—1 Uhr in der Lcipzigerstr. 15 zu 
besichtigen sei. 
Hiernach begaben sich die Anwesenden in die Pfcrdeställc der Post, 
und besichtigten sodann die Rohrpost mit allen dazu erforderlichen 
Maschinen und Apparaten. 
Die 243. Versammlung, 12. (5. außerordentliche) Sitzung des 
XIV. Vercinsjahres, Mittwoch den 26. Juni, begann mit einer Fahrt 
auf dem alte» Festungsgraben. Die Mitglieder versammelten sich um 
5 Uhr bei der Singakademie und bestiegen immer 4 Personen einen 
Kahn. Damen, obgleich mit eingeladen, hatten sich nicht eingcfunde». 
Voran fuhr, und unter seinem Kommando standen sämmtliche Fähr 
männer, der fiskalische Baggermeister Herr Haering. Ihm allein 
war es auch zu danken, daß die Fahrt sich zu einer sehr angenehmen 
gestaltete, denn erstens hatte er den Grabe» an allen untiefen Stellen 
reinigen lassen und ferner durch Oeffne» aller der Wehre, welche den 
Eintritt des Wassers der Spree sonst verhindern, den sonst etwas 
stagnirendcn Graben in ein stark fließendes Gewässer verwandelt. Die 
dunkeln Stellen des Grabens, besonders der Theil von der Sing 
akademie bis zur Taubcnstraße, war vollständig mit Lampen erleuchtet. 
Gleich beim Eintritt in den sonst ganz dunkeln Theil des Grabens 
führte ein großes Transparent dem Bcfahrer dieses Gewässers die 
Worte Dante's vor die Seele: 
Lasciate ogni speranza, voi clie ’iitrate. 
Aber die Hoffnung sank den Thcilnchmern doch nicht, denn bald er 
blickten sie ein zweites Transparent mit nicht so „höllisch" klin 
genden Worten, sondern mit dem Wahlspruch des Vereins 
„Was du erforschet, hast du mit erlebt." 
Dann war das Dunkel überstanden und es ging zwischen den Gärten 
an den Häusern mit eigenthümlich in das Wasser ragenden Treppen, 
unter den Brücken weiter dem Ende der Fahrt zu. Viele Anwohner 
hatten Flaggen aufgesteckt, oft in den eigenthümlichsten Formen und 
mit den eigenthümlichsten Bildern. Besonders hübsch dckorirt war 
die Einfahrt unter die Spittelkolonnaden. Das Einzige, was die aus 
den Fenstern Schauenden den unten Fahrenden hinunterwarfen, — waren 
Blumen und Blätter. Regenmäntel und Regenschirme, um übelriechende 
Flüssigkeiten vom Körper abzuhalten, wurden in keiner Weise zur 
Anwendung gebracht. Auch schlechte Gerüche waren so gut wie be 
seitigt. Und als die Theilnehmer bei der Walkmühle anlangten 
sagten sie sich fast sämmtlich, den Graben haben wir uns ganz anders 
gedacht. Keinem that cs leid, diese Fahrt mitgemacht zu haben. Beim 
Aussteigen erhielten die Theilnehmer ein Erinnerungsblatt an die 
überstandenen Gefahren, von dem Mitgliedc Herrn Bildhauer Oskar 
Hülcker in talentvoller Weise entworfen. Die Erklärung dazu von 
dem Zeichner in humoristischer Weise gegeben, kam in der Schult 
heißischen Brauerei, wo sich die Mitglieder alsdann einsandcn, $ur, 
Verlesung. 
Herr Dr. Brecht regte zum Schluß 'eine Sitzung im Juli 
auf den Müggelsbergen an, zu der sich auch sofort eine Anzahl Theil 
nehmer meldeten. Wer an dieser Partie theilnehmen will — sie ist 
keine offizielle des Vereins — muß sich bei Herrn Dr. C. Brecht 
(Priuzenstr. 56) melden, um dann seiner Zeit das Nähere zu erfahren. 
Die Feier auf den Müggelsbergen soll übrigens in altwendischer Form 
vor sich gehen. 
Mittheilungen aus dem Historisch-Statistischen Verein 
;u ^ankfnrt a. Oder. 
Sitzung den 21. Mai. Herr Maler Mühle legte eine Copie in 
Aquarell des von ihm restaurirten Oelbildes auf dem Marthrchor der 
Marienkirche vor. — Sodann wurde referirt über die Schrift des Herrn 
Stadtrath Friede! in Berlin „Ueber die Stein-, Bronce- und Eisenzeit 
in der Mark Brandenburg", sowie über die von dem Divisionspsarrer 
Herrn Thiel verfaßte aktenmäßige Geschichte der Garnisonschule,
        
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