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Periodical volume 1. Juli 1878, Nr. 13

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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das noch jetzt stehende aufführen. Nicolai giebt an, daß es 
gleichzeitig mit dem Bau des Fürstenhauses geschehen sei; 
das wäre also 16-86. Küster sagt davon III. S. 108; „Es 
ist groß, schön, von 3 Etagen an der Ecke der Roßstraße und 
pranget auf der Balustrad mit 6 Figuren" (gegenwärtig nur 4). 
Der Bau war vorzüglich ausgeführt, so z. B. sämmtliche 
Dachrinnen und Regenwasier-Röhren von Kupfer, wie aus Ver 
handlungen des Kammergerichts hervorgeht, welche 1694 in Sachen 
einer Beschwerde des Feldmarschalls stattgefunden, in welcher über 
den Kupferschmiedt Jury, Klage beim Kurfürsten geführt wurde, 
daß die Rinnen und Röhren des Jury, bereits schadhaft geworden. 
Der Kurfürst wies diese Beschwerde an den Land-Baumeister 
Grüneberg, weil der Baudirektor N eh ring anderweitig zu sehr 
beschäftigt sei. Es ist in dieser Verfügung Kurfürst Friedrich 
III. auch von einer „zum Bauwesen verordneten Commission" 
die Rede, welche die Sache eigentlich zu erledigen habe. 1699 
wohnte in dem sogenannten „Tautischen Hause" neben dem von 
Derfflingerscheu, auch als „schwarzer Adler" bekannt, in dem sich 
die erste Feuerkasse befand und bisher auch der Fcldmarschall 
Gneomar von Natzmer gewohnt, der Czar Peter I. von Ruß 
land mit seiner ganzen Gesandtschaft. 
Bis zum Jahre 1702 blieb das gesammte, sehr umfäng 
liche Grundstück im Besitz der Derfflingerscheu Erben. Ein Theil 
desielben, und zwar derjenige von der Mauer des Derfflingerscheu 
Hauses in der Roßstraße entlang bis zum „Stalle an der Gasse," 
mit allen dort befindlichen Buden und Baulichkeiten, — ini Gan 
zen 105 Fuß Länge und 26 Fuß Tiefe verkauften die Erben 
1702 an den Bürger und Schneider Christian Litzkendors 
für 2610 Thaler. Zur Theilung zwischen beiden Grundstücken 
sollte ein Thorweg und Einfahrt von 12 Fuß Breite gelassen 
werden. Der Käufer verpflichtete sich in diesem Kaufkontrakt, 
die alten dort stehenden Baulichkeiten abzureißen und ein an 
sehnliches Gebäude von drei Etagen aufzuführen, welches, um alle 
D e f o r m i t ä t zu vermeiden, erst dem Baudirektor Herrn von G r ü n c- 
berg, gezeigt werden müsse. Vor allen Dingen sollte es aber 
nicht höher als das von Derfflingersche Haus aufgeführt werden. 
Wegen des Traufrechts, des Abflusses aus dem erwähnten Stalle, 
und Ausbrechung von Fenstern. nach dem von Derfflingerschen 
Hofe enthalten die Contrakte weitläuftige Bestimniungen, welche für 
die Grundeigenthums-Verhültnisse jener Zeit von Wichtigkeit sind. 
Die wiederholte Erwähnung eines „Stalles" in diesen 
Dokumenten giebt Gelegenheit, eine zwischen Küster und Nico 
lai streitige Meinung zu vermitteln. 
Küster sagt nämlich in seinem „Alten und Neuen Berlin" 
III. S. 633: „Die Roßstraße in Cöln soll den Namen daher 
haben,, weil, für des Kurfürsten Johann George's Pferde, in 
derselben Gegend wo itzo der .Salzhof ist, der Stall gewesen." 
Nicolai aber nennt diese Angabe. I. S. 126 „eine 
derjenigen Nachrichten und Meinungen, welche Küster mit un 
begreiflicher Sorglosigkeit und Unrichtigkeit compiliret, denn der 
Salzhof befände sich jenseits des Grabens, und weder in ge 
drillten noch in handschriftlichen Nachrichten über diese Gegend, 
ist die geringste Spur von einem Kurfürstlichen Stalle zu finden." 
Mit diesem Kaufkontrakt des von Derfflingerschen Hauses, 
wäre allerdings eine handschriftliche Nachricht beigebracht, daß 
dort in der That ein Stall gestanden, der in einen tiefen 
Kanal seinen Abfluß nach der Roßstraße gehabt. Ob es ein 
kurfürstlicher Stall gewesen, wird freilich auch dadurch noch 
nicht entschieden. 
Das eigentliche von Derfflingersche Haus blieb nun bis 
zum Jahre 1748 im Besitz der Erben, die es aber in diesem 
Jahre süb hasta und statt 'des Taxpreises von 14,209 Thaler 
21 Groschen, für 12,660 Thaler dem Meistbietenden Kaufherren 
und Weiuhändler Witte, abtraten, der beim Abschluß noch 
10 Thaler „ad pios usus“ gab. Fünfzehn Erben, hatten 
ihre Zustimmung zu dieser Abtretung des Familienbesitzes geben 
müssen, deren Unterschriften und Siegel sich auf dem Aktenstücke 
befinden. 
Der Kaufmann Witte kam während des 7jährigen Krieges 
in seinen Vermögensvcrhältnisscn so zurück, daß er sein Haus 
subhastiren lassen mußte und der Advokat Johann Heinrich 
Hetzer dasselbe bei einem Feuerkassenwerth von 18,000 Thalern, 
für 20,600 Thaler, aber nicht für sich, sondern für den, un 
mittelbar nachher als eigentlicher Käufer auftretenden Kauf 
und Handelsmann Carl Philipp Westphal kaufte; 10,000 
Thaler standen in drei Hypotheken auf dem Hause. Die völlige 
Abzahlung des Kaufpreises gelang dem Kaufmann Westphal 
erst 1767. Er starb 1791 und vermachte das Grundstück 
seinem Sohne dem Tuchhändler Philipp Ferdinand Wcst- 
phal unter Angabe des Werthes von 16.300 Thalern, hatte 
aber während seines Besitzes, namentlich 1786, viele Prozesse 
mit seinen Nachbarn wegen des Traufrechts, Herausbruch von 
Fenstern, Neubauten u. s. w. gehabt. 
(Schluß folgt.) 
Alphabetische Zusammenstellung in Gerlin geborener, so 
wie in Gcrlin gestorbener berühmter Personen. 
Von Glto filmt, Post-Secretair. 
(Fortsetzung.) 
Friederike v. Ca m as, Vertrante Friedrich des Großen („Mama"), 
f 2. Juli 1766. 
Fr. Rud. Lud. Freiherr von Canitz, preußischer Diplomat u. 
deutscher Dichter, * 27. Nov. 1654, ch 16. Aug. 1699. 
Gottlieb Christian Cantian, Königl. Baurath, Stadtältester, 
ch 10. April 1866. 
Johann Ludwig Casper, medizinischer Schriftsteller, Professor, 
* 11. März 1796, ch 23. Februar 1864. 
P. C. Chambeau, Professor am College, * 2. März 1809. 
Cocceji, Großkanzler, 's 22. October 1755. 
Daniel Nikolaus Chodowiccki, Maler u. Kupferstecher. Direktor 
der Akademie der bildenden Künste in B., ch 7. Febr. 1801. 
Peter Ritter von Cornelius, berühmter Historienmaler und 
Gründer einer eigenen Malerschule, ch 6. März 1867. 
Christ. Andreas Cothenius, berühmter Leibarzt Fr. d. Gr., 
f 5. Januar 1789. 
Christian Ludwig Couard, erster Geistlicher an St. Georg, 
‘ * 11. April 1793, f 23. December 1865. 
Auguste Crclinger, Schauspielerin, verw. Stich, geb. Düring, 
* 7. October 1795, f 10. April 1865. 
Wilhelmine Czezy, Dichterin, * 1783. 
Freiherr von Dunkelmann, prcuß. Minister, ch 31. März 1722. 
Karl von Decker, preuß. General, militärischer und belletristischer 
Schriftsteller. * 21. April 1784. 
Georg Jakob Decker, Geh. Oberhofbuchdrucker, f 17. Nov. 1799. 
Georg Jakob Decker der Jüngere (hat die Stereotypie und die 
Stanhopepresse eingeführt), f 26. August 1819.
        
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