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Periodical volume 1. Juli 1878, Nr. 13

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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Der in b. Raumer, Beschreibung des Thiergartens, ent 
haltene erste Plan vom Jahre 1685 zeigt schon den in Rede stehen 
den Weg, er verbindet daselbst das Stakensetzer Grundstück ohnweit 
der Cöllnischen Landwehr mit der Meierei an der Spree, über 
dieie hinaus also den Thiergarten mit dem sogenannten Hinteren 
Thiergarten am rechten Spreeufer (Moabit) und stellte somit die 
Verbindung mit der angrenzenden Jungfernheide her, worauf 
denn auch wol der Name zurückzuführen ist. 
Bei den Anpflanzungen nach den Edikten wurden die eigenen 
Grundstücke oder die geeignetsten Stellen im Orte dazu auser- 
sehcn; — warum sollten gerade die Berliner Brautpaare (an 
genommen, sie hätten Bäume pflanzen müssen) dazu bestimmt ge 
wesen sein, weit ab von ihrer Stadt, (der Thiergarten begann 
an der Hunde-, jetzigen Schloßbrücke, der Jägerhof, jetzige Reichs 
bank, lag im Thiergarten) in einem eingehegten, dem Landes 
herren gehörigen Walde, diese Pflanzungen vornehmen sollen. 
Die Akten über die Bepflanzung des Thiergartens beginnen 
mit dem Jahre 1732, also 11 Jahre später, als der König 
Friedrich Wilhelm I. 1721 die Heranziehung der jungen 
Ehepaare für die Pflanzung von Bäumen resp. Entrichtung des 
Pflanzgeldes aufhob, indem er auf eine specielle Anfrage der 
Kurmärkischen Kriegs- und Domainenkammer, ob die Pflanzgelder 
nach dem neuen Edikt nur in der Kurmark nicht mehr erhoben 
werden, oder in allen Provinzen abgeschafft seien, durch eigen 
händige Randverfügung bestimmte: 
„ja, in allen Provinzen, ich will lieber ein Privilegium setzen, 
das sic heiraten, als sie, weil sie heiraten Geld zahlen 
lassen". 
Da die Sache aber im hohen Grade interessant ist und 
lebhaftes Interesse für Berlins Geschichte dazu Veranlassung gab, 
der Sache auf den Grund zu kommen, so folgen hier die akten 
mäßigen Auszüge vom ersten Pflanzedikt des Jahres 1686 bis 
zum Jahre 1721, wo dasselbe in genannter Weise deklarirt 
worden ist. 
„Wir Friedrich Wilhelm von Gottes gnaden Marggraff zu 
Brandenburg des heiligen Römischen Reichs Ertz Cammcrer 
und Churfürst, in Preußen, zu Magdeburg, Jülich, Cleve, 
Berge, Stettin, Pommern, der Caßuben und Wenden, auch 
in Schlesien zu Crossen und Jägerndorf Hertzog, Burg-Graff 
zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden und Camin, Graff 
zu hohen Zollern der Mark und Ravenßberg, Herr zu Raven 
stein und der Lande Lauenburg und Bütow pp. Entbieten 
allen Unsern Praelaten, ©raffen, Herren, denen von der 
Ritterschaft, Landvoigten, Verwesern, Haubt- und Amtleuten, 
Bürgermeistern und Räthen in den Städten und Flecken, wie 
auch allen Unsern Unterthanen Unserer Chur- und Mark- 
Brandenburg diß- und jenseits der Oder und Elbe Unsere 
Gnade und Grus, Und geben ihnen samt und sonders Ver 
mittels dieses offenen Patent« in Gnaden zu vernehmen, was 
gestalt Wir eine Zeithero mit nicht geringem Mißfallen ver 
nommen, daß Unsere Unterthanen und einsaßen in Unsern 
Landen, sonderlich aber die ienige, so auf dem Lande wie 
auch in denen kleinen Städten und Flecken wohnen, fast die 
geringste Sorgfalt nicht angewendet. Wie sie in der Zeit, da 
der höchste Gott ihnen den lieben Frieden genießen laßen, ihre 
Güter auff eine und andere Weise zu ihren eigenen Nutzen 
vcrbeßern, und solche denen Nach Kommenden ihrigen in gutem 
stände überlaßen möchten. So gar, daß Sie auch dieselbe gute 
Gelegenheiten, welche bey denen gütcrn selbst zur Augenschein 
lichen Verbeßerung offtermals gefunden werden, nicht allein 
nicht beobachtet, sondern auch woll die gute Anleitung, so 
ihnen von den Vorfahren hiezu gegeben worden, vorsetzlicher 
Weise verachtet, und die zu ein und anderer Einrichtung ihnen 
gezeigete Wege nicht gefolget, gestalt denn Unserer itzigen 
Unterthanen Nachläßigkcit insonderheit daraus zu spüren ist, 
daß da die Vorfahren in pflantzung fruchtbarer Obstbäume 
und Eichen ihre rühmliche Sorgfalt fast aller Orten erwiesen, 
die itzige Landes Einwohner ihnen darunter so gar nicht nach 
folgen, daß Sie auch woll die ienige Bäume, so die alten ge- 
pflantzet außrotten, und zu ihren selbst eigenen Schaden und 
Verschmählerung der Güter verwüesten, Weil Wir dann so- 
thanen ruchlosen Leuten in ihrer unverantwortlichen fahrläßig- 
keit keines weges länger nachsehen. Sondern wie in andern, 
also auch in diesem Stück Unsere Landes Väterliche Sorgfalt 
zum Auffnehmen Unserer Lande und der Unterthanen Wolfahrt 
anwenden, und mit was großer Begierde Wir ihre Verbeßerung 
auff allerley Weise suchen, iedermänniglich zu erkennen geben 
wollen. Als befehlen, setzen und ordnen Wir hiemit, und 
Krafft dieses, daß hinfort ein jeder Untherthan und Einwohner 
in den kleinen Städten und Flecken, sonderlich aber auf den 
Dörffern und sonsten auffm Lande hinter seinem Wohnhause, 
wenn er die Gelegenheit darzu findet, ihm einen gewißen 
Platz abhcgen, solchen in zwey theile theilen, und den einen 
Theil zu pflantzung allerhand Fruchttragender Obst Bäume, 
den anderen aber zu einem Eichel Kamp und Zeugung Mast 
tragender Eichen Bäume gebrauchen sollen. Worüber denn, und 
daß solches also zu Werke gerichtet, die Plätze auch behöriger 
maßen bepflantzet werden mögen, die Gerichts Obrigkeit indes 
Orts gebürend zu halten, und die ungehorsamen durch behörige 
Zwangs Mittel dahin zu veranlaßen hat, damit aber diese 
Unsere gnädigste und zum allgemeinen Nutzen Zielende Inten 
tion umb so viel mehr erreichet, das ienige auch, was Wir 
hierdurch angeordnet, erfüllet, und Unsern Mittelbahren Unter 
thanen ein gutes Exempel der Nachfolge gegeben werde. So 
befehlen Wir zuforderst allen Unsern Haubtleuten und Beamten 
samt und sonders hiemit gnädigst und ernstlich, sofort nach 
der Publication dieses Unsers Patents dahin zu sehen, daß 
bei einem iedweden Gute auf Unsern Amts-Dörfferrt der An 
fang gemachet, und dergleichen Plätze abgefegetdie Unter 
thanen auch ernstlich und unter der Verwarnung einer gewißen 
Straffe dazu angehalten werden, damit Sie dieselbe eines 
Theils mit guten fruchtbahrcn Obst-Bäumen, dann auch mit 
jungen Eichen besetzen und bepflantzen mögen. Es soll auch 
allen Pfarrern in allen Unsern Ämtern und andern Domainen 
hiemit ernstlich und bey Vermeidung schwerer Verantwortung 
anbefohlen seyn, daß Sie hinfort, von dato an Kein paar 
Ehe Leute vertrauen sollen es habe denn der Bräutigam, er 
sey vorhin ein iunger Gesell oder Wittwer gewesen, von seiner 
Amts Obrigkeit einen beglaubten Schein und schriftliches Ge- 
zeugnus proäuclret, daß er zum wenigsten Sechs Obst-Bäume 
gepfropffet, und Sechs iunge Eichen an einem bequemen Orte 
gepflanzet habe, Solte es aber geschehen, daß die Vertranung 
zur Winters- oder Sommers-Zeit, da man nicht pflantzen 
fönte geschehen mäste, und der Bräutigam aus erheblichen Ur 
sachen die Pflantzung vorhero nicht verrichten können. So soll 
er dennoch dieselbe nach vollentzogener Heyrath in den negst 
folgenden Frühling oder Herbste verrichten, und in deßen ein 
gewißes Pfand ins Amt niederlegen, welches ihm nicht eher
        
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