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Volume 1. Juli 1878, Nr. 13

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

Das Malt erscheint 
monatlich zweilnal. 
CRMlei®: 
A. G/lBERsc. 
1878 
Jahrgang 
Nr 
Juli 
\\ 
Unter Mitwirkung von 
Dr. ILrecht, Prof. Dr. Maulns Kassel, Stadt-Archivar Kidicin, Llicod. Kontane, Stadtrath K. Kricdel, 
Geh. Hofrath L. Schneider. Archidiaconus Schwebet in Cüstrin rc. :c. 
herausgegeben von 
George HUtl mw Fer-inand Meyer. 
Das Blatt ist durcb alle Buchhandlungen und Postämter, sowie durch die Expedition (Bahnhofstr. il) zu beziehen.— Literarische Beiträge sind an die Verlagshandlung von Alfred Weil e 
in Berlin zu senden, welche sie der Redaction übermitteln wird. — Inserate, pro 3gesp. Petitzeile 25 Pfg., werden von den Herren Haasenstein u. Vogler, Rud. Messe, 
Beruh. Arndt, sowie von der Verlagshandlung entgegengenommen. 
Inhalt. Die Jungfern - Allee im hiesigen Thiergarten. Von F. Brose. — Die frühere Umgebung der Nicolai-Kirche in Berlin. Von Ferd. 
Meyer. (Mit Abbildung.) — Das Derfflinger'sche Haus am Kölnischen Fischmarkt. Von L. Schneider. (Fortsetzung.) — Alphabetische 
Zusammenstellung in Berlin geborener, sowie in Berlin gestorbener berühmter Personen. Von Otto Runk. (Fortsetzung.) — Hymnus „auf 
die Jagd in der Jungfern-Heyde unweit Charlottenburg" 1728. — Eine merkwürdige Sentenz Friedrich Wilhelms I., vom 16. Oktober !724. 
Bon Günther. — Literatur. — Mittheilungen aus dem Verein für die Geschichte Berlins und dem Historisch - Statistischen Verein zu 
Frankfurt a. Oder. — Briefkasten. . 
Die Jungfern-Allee tut hiesigen Thiergarten. 
Von t, 
ie neuerdings aufgeworfene Frage: „ woher stammt der 
frühere Name der jetzigen großen Quer-Allee „Jungfern-Allee" 
im hiesigen Thiergarten, und der Versuch einer Beantwortung 
dieser Frage dahin, daß der Name einem Edikt vom 5. März 1686 
seinen Ursprung verdanke, haben Veranlasiung gegeben, der Sache 
näher zu treten und durch archivalische Forschung die Richtigkeit 
der aufgestellten Frage zu prüfen. — Die mit gedachtem Edikt 
in Verbindung gebrachte Ansicht, als haben junge Ehepaare dort 
Bäume pflanzen müssen, kann nicht bewiesen werden, die Akten 
schweigen hierüber vollständig. Die Edikte selbst aber widerlegen 
die angenommene Ansicht durch ihren Wortlaut, indem es dort 
heißt: „daß die kleinen Städte, Flecken und Dorfschaften hier 
zu herangezogen werden sollen", und kein Erlaß existirt, welcher 
die Sache mit Berlin in Verbindung bringt. 
Die genaüe Beschreibung des Thiergartens bei Berlin, von 
Georg Wilhelm v. Raumer, 1840 bei Lüderitz erschienen, 
erwähnt auf S. 35 der gedachten Allee mit folgenden Worten: 
„Die sogenannte Jungfern-Allee, die im vorigen Jahrhundert 
auch wohl Philosophen-Allee genannt ward (jetzige große Quer 
allee, welche am Ende des Exercierplatzes quer durch den Thier 
garten bis an die Thiergarten-Straße hinter der Luiseninsel 
führt), soll unter König Friedrich I. entstanden sein, indem er 
befahl, daß jedes Brautpaar in Berlin ein paar Bäume in dieser 
Allee Pflanzen solle, daher der Name Jungfern-Allee". 
'. ißtofc. 
Da aber F. G. Hauchecorne in seiner Oesoription äs 
Berlin. Berlin 1792. kl. 8. S. 1l, 12 über dieselbe Allee 
sagt: „In derselben Zeit (z. Z. Fr. Will). I.) lvurde die lange 
Eichenallee angelegt, die den Park durchschneidet und von einer 
der Ecken des Waffenplatzes (jetzt Königsplatz) bis zu dem Rande 
der Gärten reicht, die zu seiner linken (Thiergarten-Straße) liegen. 
Man nennt sie deutsch: „Jungfern-Allee", französisch „Philosophen 
weg". Der deutsche Name der Allee verdankt seinen Ursprung 
wahrscheinlich einem Gesetze, das noch am Anfange dieses 
Jahrhunderts bestand, und wonach das Mädchen, welches sich 
verheirathen wollte, verpflichtet war, vor der Gründung ihres Haus 
standes zwei Eichen in dieser Gegend anzupflanzen"; — so ist 
anzunehmen, daß sich v. Raumer dieser Annahme anschloß, den 
Wortlaut in sein Werk übernahm und nur durch die Zugabe 
„auf einen Befehl des Königs" in Bezug der Berliner Braut 
paare wahrscheinlicher machte. Sämmtliche einschlagende Akten 
sind hierauf durchforscht, aber nirgend ist eine Verfügung, wie 
angeführt auf Berlin bezüglich, erlassen worden; es liegt also 
nur eine Vermuthung vor, welche den Namen mit den früher 
bestandenen Gesetzen erklären wollte; aber der Wortlaut der Edikte, 
wonach große Städte von dieser Verpflichtung stillschweigend 
ausgeschloffen wurden, ist wohl genügender Beweis, daß Berlin 
niemals zu dergleichen herangezogen worden ist.
	        
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