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Periodical volume 1. Juni 1878, Nr. 11

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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Zu banco geldt hat er sich nicht verstehen wollen, vor 
gebende, daß wan Ew. Churfürstl. Durch!, er wegen seines 
ausmüntzens schuldig bliebe, er solches nicht in specie geldt, 
sondern nur in 3ÜH zuzahlen gehalten wehre, und ich habe 
ihn nach allen angewandten fleiß darzu nicht vermögen können, 
wie solches alles der Herr Raht Esisch, welcher gleich miß 
Holland in Hamburg anlangete, und mit welchem ich alles 
und iedes vorhero überleget, auch dergestalt mit seiner genehm- 
haltung, in dem der die Unmöglichkeit der suchen selbst zur 
gnügc sahe, geschloffen, bezeugen wird, und ich verbleibe 
lebenslang 
Ew. Churfürstl. Durch!. 
Unterthänigster treu 
gehorsambster Knecht 
(gez.) Christian Fried. Bartholdi. 
Hamburg den 10'k" Augusts 1677." 
Diesem Schreiben liegt die Abschrift des folgenden Proto 
kolls bei. 
(Fortsetzung folgt). 
Der märkische Chronist Andreas Cngel. 
Bo» W. Sfcriisicdi. 
(Aus Stcrnbcck: Beiträge zur Geschichte der Stadt Strausberg. Straus 
berg 1878, S. 26 ff.) 
Andreas Engel wurde am 16. November 1561 geboren. 
Seine Eltern bewohnten, wie das Schoßregister besagt, in den 
Jahren 1560—64 die heutige Stelle Nr. 189. 
Wie Magister Engel in seinen Annalen selbst schreibt 
(Seite 360 derselben), verlor er Vater, Mutter, drei Brüder und 
zwei Schwestern im I. 1575 durch die Pest, welche entsetzliche 
Seuche im genannten Jahre hier an 600 Menschen fortraffte. 
Andreas Engel war mithin im 14. Lebensjahre eine Waise. 
Es muß sich aber wohl der damalige Rektor der Schule, Ma 
gister Petrus Thiede, seiner sehr angenommen und ihn für 
das gelehrte Fach tüchtig herangebildet haben, denn als Magister 
Petrus Thiede im I. 1583 seine hiesige Stelle ausgab und 
das Rektorat an der Schule der Neustadt Brandenburg 
annahm, berief der Stadtrath den Andreas Engel als Rektor 
an die hiesige Schule. Er scheint einziger übrig gebliebener 
Erbe seines Vaters und demnach kein unvermögender Mann ge 
wesen zu sein, denn in des Raths Rechnungen wird er als 
Eigenthümer einer Hufe Acker verzeichnet, welche der Bürger 
meister Johann Pulmann von ihm gepachtet hatte; auch lieh 
sich der Stadtrath im I. 1585, wie es in der betreffenden 
Schuld-Urkunde im Archive heißt, von dem „Wolweisen und 
Wolgelahrten Gesellen Andreas Engeln in den heiligen Ostern 
350 Gulden, auf jeden Gulden 32 Gr. gerechnet." 
Andreas Engel übernahm Anfangs des Jahres 1586 
das Eonrektorat an der Schule der Neustadt Brandenburg. 
Wahrscheinlich erhielt er diese Stelle auf Befürwortung des schon 
genannten Petrus Thiede, welcher an dieser Schule als Rektor 
wirkte, und, was ich nicht unerwähnt lasten will, auch ein 
Strausberger Stadtkind war. 
Engel muß es wohl versucht haben, im I. 1591 hier zu 
predigen, worin ihm aber der Pfarrer und Inspektor Georg 
Krüger und der Diakonus Christof Wolf entgegen waren, 
bis sich das Consistorium hineinmischte und ihm das Predigen 
in unserer Stadtkirche erlaubte. Daß ihm der Stadtrath gewo 
gen gewesen ist, beweist eine kleine Notiz in der Kämmereirech 
nung von 1591, nach welcher ihm derselbe bei „seiner ersten 
Misse" ein Faß Bier geschenkt hat. 
Andreas Engel war Magister (oder nach heutigen Be 
griffen „Doktor") der Theologie und Philosophie. Diese Würde 
zu erlangen, war aber in jener Zeit nicht so leicht, wie heute. 
Ein Magister nahm damals eine hohe Stufe in der gesellschaft 
lichen Rangordnung ein: er rangirte nach deni Reichsgesetz vor 
dem blos Adligen und war den Rittern gleich geachtet. 
So kurz das Leben dieses gelehrten Mannes gewesen, so 
hat er dennoch viele Schriften hinterlassen, unter denen das Mär 
kische Chronikon besonders hervorzuheben ist. Dieses Werk er 
schien 1598 und ist betitelt: „Annales Marchiae Branden- 
burgiae das ist Ordentliche verzeichnuss vnd beschreibung 
der furnembsten vnd gedenckwürdigsten Märkischen Jahr 
geschichten vnd Historien so sich vom 416. Jahr vor Christi 
Geburt bis auffs 1596. Jahr im Churfurstentkumb Bran 
denburg, vnd dazu gehörenden Landen vnd Herrschafften, 
von Jahr zu jähr begeben vnd zugetragen haben pp. 
Durch M. Andream Angelum, Strathiomontanum pp. 
1598. Cum gratia et privilegio pp. In Verlag Johan 
Hartman, Buchführer in franckfurt an der Oder“. Das 
Werk ist gewidmet dem Churfürsten Joachim Friedrich und 
seinem Bruder, dem Markgrafen Christian. 
Auf diese Jahrgeschichten hat Magister Engel vielen Fleiß 
verwandt, aber sich leider von dem alten und verderbten Ge 
schmack der damaligen Chronikenschreiber nicht los machen können, 
die an Fabeln, traurigen Mordgeschichten und abgeschmackten 
Seltenheiten ein besonderes Vergnügen hatten. Darüber ver 
säumten sie die richtige Beurtheilung und den Gebrauch der 
Schriften. Man muß sich wundern, wie es möglich gewesen, 
daß Magister Engel in seinen Annalen mit Dreistigkeit hat setzen 
können, daß selbige die vornehmsten und merkwürdigsten Geschich 
ten enthielten, welche sich vom Jahre 416 vor Christi Geburt 
bis auf's Jahr 1596 nach der Geburt Christi int Kurfürsten 
thum Brandenburg und dazu gehörigen Herrschaften zugetragen. 
Gleich auf der ersten Seite meldet er, daßBrennus, der Fürst 
der Semnonen, die alte Stadt Brandenburg an der Havel, oder 
vielmehr das Schloß, wo die Stiftskirche steht, im I. 416 vor 
Christi erbaut habe, daher sie auch Brandenburg wäre genannt 
worden. Auf der 16. Seite meldet er, daß die neue Stadt 
Brandenburg im I. 230 nach Christi von dem fränkischen Her 
zoge Brando sei erbaut worden, von dem die Stadt ihren Na 
men bekommen habe. Er geht noch weiter und fügt ein Ge 
schlechtsregister des Herzogs Brando sogleich hinzu, und leitet 
ihn vom König Autenor her, welcher um das Jahr 440 vor 
Christi Geburt gelebt haben soll. Unter dessen Nachkommen 
stehen sodann Pantenor, Priamus, Hektar, Nikanor, 
Helenus, Basan, Markomirus, Heligastus, Gruno, 
Sunno rc. und, damit er sich decke, so beruft er sich auf den 
Justus, Encelius, Albinus, Sabinus und andere. Eben 
so bestimmt er die Jahreszahlen, wann die Städte Seehausen, 
Gardelegen und andere mehr in der Altmark sind erbaut worden. 
Da ihm die römischen und griechischen Scribenten nicht unbekannt 
gewesen sind und fast auf allen Seiten von ihm angezogen wer 
den, so muß man sich um so mehr über solche Erdichtungen eines 
Chronisten wundern, da ihm, um nur eines einzigen Punktes 
zur Widerlegung zu gedenken, aus dem Tacitus nicht hätte 
unbekannt sein sollen, daß die alten Deutschen in keinen Städten
        
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