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Volume 1. Juni 1878, Nr. 11

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

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sotten. Der Richter frug ob ich damit zufrieden wehre, Ich 
antwortete: wann der Magistrat für seine Person caviren 
walte, daß er nicht entkommen solle, tönte ich es wol ge 
schehen laßen, sonsten aber nicht, der Richter sagte darauf daß 
es der Magistrat nicht thun würde, und Ich, so bleibe es 
denn bey der Sentenz, so auch geschahe und ward er alles 
bittens ungeachtet hingeführet und geschloßen, und ich nahm 
meinen abscheidt und begab mich in mein Logement. In 
2 oder 3 stunden hernach schickete der Richter wieder zu mir 
und ließ bitten, ich möchte doch belieben nach seinem Hause 
zu kommen, cs wehre daselbst auch 2 Fürst!. Mecklenburg'sche 
Bediente, die W. Eberhards halber gerne mit mir sprechen 
wolten, Dieweil es aber ein hartes ungewitter war und sehr 
regnete, entschuldigte ich mich damit und blieb zu Hause. 
Dcßselbigen abends aber noch, wie ich berichtet worden bin. 
ist der Hertzog selbst nach dem Richter gefahren, und soll 
übcrauß harte geredet haben, auch sich vieler Drauworte wieder 
den Magistrat vernehmen laßen, welches den auch veruhr- 
sachet, daß der Magistrat des folgendes Tages alß 14"? dieses 
wieder gewohnheit, in dem Sie Sonnabends keinen rahtgang 
halten, zu Rathhause sich versamlet, und ließ mich ersuchen 
auch dahin zu kommen, weil sie etwas mit mir zu conferiren 
hatten, Ich erschjen und ward abermalß in das gemach ge- 
führet, woselbst den auch zween des Rahts sich bald einsunden 
und folgende weise ihre sache anbrachten. Erstlich sagten sie 
Dank, daß auf ihre Bitte ich erschienen sei, und dan könnten 
sic mir nicht verhalten, wie daß der Hertzog von Mecklenburg 
Schwerin, gestern abend noch selbst wehre beym Richter ge 
wesen, und viele Drauworte geredet, auch dieselbe abermalß 
durch seinen HoffRaht und Secretair heute wiederholen, und 
zwar dergestalt, daß im Fall der Magistrat nicht so fort 
Werner Eberhardten wieder auf freyen fucß stellen wolle, er 
alle ihre schiffe und güter zu Demitz wolle anhalten laßen, 
und diesen affront rächen so lange er einen Blutstropfen in 
sich hätte, auch daß der Hertzog sich beschweret, daß Ew. Churfl. 
Durch!, via facti hatten Verfahren laßen, und ihn vorhero 
darumb nicht ersuchet, und baten also weil sie durch diesen 
arrest in große ungnade des Hertzogs verfallen wehren ich 
möchte zugeben' daß W. Eberhard in seinem Hause bewahret 
würde, dann: so möchte ich doch noch die Bürgen stellen, welche 
die Gerichte dieses arrestes halber noht- und schadtloß hielten, 
den sonsten und eher würden Sie W. Eberhard nicht abfolgen 
laßen können, bezogen sich daher nochmalß auf vorher an 
geführte praejudicia. 
Was das erste betreffe, daß der Hertzog Schiffe und 
güter wolte anhalten laßen, fönte ich nicht glauben, daß der 
Raht solche Trauungen attendirte, und Ew. Churfl. Durch!, 
würden aufm fall daß dem Magistrat der Stadt dieses ar 
restes halber etwaß widriges von I. Durch!, zugefüget wer 
den solte, schon auf solche mittel bedacht seyn, wodurch sie 
den Hertzog zu gelindem gedancken bringen könnten; 2 do daß 
Ew. Churfl. Durch!, via facti verfahren und nicht vorhero 
umb abfolgung den Hertzog ersuchet, verhielte sich weit anders, 
und würde dem Hertzoge noch unentfallen seyn, waß E. Chur 
fürst!. Durch!, wegen sistirung Werner Eberhards de dato 
Weßel den % 9 April dieses, an I. Durch!, gelangen und 
durch den hiesigen Residenten insinuiren laßen, ohne der 
vorigen schreiben so ich itzo nicht gedenken wolte, der Hertzog 
aber hette bis dato zu, nicht eins darauf geantwortet, noch 
weniger Eberhardt hingeschickt, 3i[ das petitum anlangende. 
So erklährete ich mich nochmals dahin, wann der Magistrat 
für feine Person caviren wolle. Sie alßden wegen des gefäng- 
nißes mit ihm machen möchten, wie es ihnen gefiele, Im 
widrigen, so ließ ich es bey dem erlangeten arrest, worin 
W. Eberhard itzo begriffen wehre, allerdings bewenden und 
wiche davon auf keinerlei weise, wolte auch nicht hoffen daß 
der Magistrat dem zuwider etwas vornehmen solte, oder 
E. Churfl. Durch!, würden gewiß sich desfals an ihn, den 
Magistrat zu halten wissen, 4™ Wegen stellung der Bürgen 
hette ich schon meine Meinung gesagt, wo ich es den bewenden 
ließe, doch dießes noch hinzuthun müste, daß E. Churfl. Dl. 
es ungnädig empfinden würden, wen sie darauf bestehen 
solten, Nach meiner erklährung baten sie ihnen zu vergönnen, 
daß sie dieses dem Magistrat hinterbringen möchten umb 
anderweit ihre Meinung einzuholen, Gingen also herunter und 
kamen über eine weile wieder da sie den priora repetirten, 
doch dieses hinzusetzen, er sollte aufm Baum wol verwahret 
bleiben, der Feßel aber würden sie ihn wol entledigen, damit 
sie in etwaß dem Hertzoge satisfaetion gebtn, Ich sagte sie 
könten solches thun auf ihre gefahr, ich bliebe beständig bei 
dem waß ich mich erklähret, hierauf gingen sie zum andern 
mahl herunter, und sagten endlich, Sie könten es nicht endern, 
wolten aber für seine Verwahrung gute sorge tragen, worauf 
sie mich dernittireten. 
Welchergestalt Ew. Churfl. Durch!, es mit diesem Werner 
Eberhard wegen seiner abholung gndst. gehalten wißen wollen, 
desfalß wil ich in tiefster unterthänigkeit dero fernern gnädigsten 
befehls gehorsambst erwarten, und ersterben 
Gnädigster Churfürst und Herr 
Ew. Ehurfürstl. Durch!. 
Unterthänigst treugehorsambster Knecht. 
Hamburg, den 16. July 1678. 
(gez.) Bartholdi." 
worauf ein zweites Schreiben desselben vom 10. August desselben 
Jahres folgt, dem das Protokoll der in demselben erwähnten 
Abmachung einer Cautionsstellung beilag. 
„Durchleuchtigster Churfürst 
Gnädigster Herr, 
Ew. Churfürst!. Durch!, werden aus meiner unterthänigsten 
abgestatteten reiation vom 16"? Juli gnädigst ersehen haben, 
auf waß ahrt und weise der Magistrat zur Hamburg, Werner 
Eberhards arrestirnng halber anfänglich verfahren, und wie 
nachgehends derselbe, nachdem des Herrn Hertzogen zu Mecklen 
burg Schwerin Durch!, so sehr gedrauet, zu deßen abfolgung 
sich nicht verstehen wollen; Ob ich nun wol gehoffet es würde 
gedachter Magistrat sich nachero eines andern besinnen, So 
habe ich doch anstatt deßen (: wie es scheinet auß furcht fürm 
Hertzoge :) das Contrarium und wie derselbe Werner Eber 
hardten der Feßel entlediget, auch ihn gantz frey in einem 
guten Losament nur verwahren laßen, erfahren müßen, also 
daß mit der Zeit er leicht sich fugo salviren können. Und 
weilen ich nachgehendes weiter vermerket, daß es auch wol 
darauf angesehen, ungeachtet ich darwieder feyerlichst protestiret, 
Alß habe ich unvorgreiflich denen Herrn Commissaryis die 
Vorschläge gethan, daß wenn Werner Eberhard auf eine gewiße 
Summe, welche Sie, die Herren Commissarien, nur zube 
nennen hatten, durch einen oder mehr angeseßene Bürger in 
Hamburg Cantion stellen fönte, daß er sich in gewißer Zeit
	        
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