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Volume 1. Juni 1878, Nr. 11

Full text: Der Bär (Public Domain) Issue4.1878 (Public Domain)

Unter Mitwirkung von 
Dr. ZLrecht, Prof. Dr. I'aukus Kassel, Stadt-Archivar Jidicin, Jheod. Kontane, Stadtrath <L. Iriedcl, 
Geh. Hofrath L. Schneider, Archidiaconus Schwebet in Cüstrin rc. rc. 
herausgegeben von 
George Wtl und Ferdinand Meyer. 
Das Blatt ist durck alle Buchhandlungen und Postämter, sowie durch die Expedition (Bahnhofstr. 1) zu beziehen. — Literarische Beiträge sind an die Verlagshandlung von Alfred Weile 
in Berlin zu senden, welche sie der Redaction übermitteln wird. — Inserate, pro 3gesp. Petitzeile 25 Pfg., werden von den Herren Haasenstein u. Vogler, Nud. Messe, 
Beruh. Arndt, sowie von der Verlagshandlung entgegengenommen. 
Zuhält. Geschichte der Citadelle und Festung Spandow. Von Dr. Kuntzemiiller. (Mit Abbildung.) — Das Derfflinger'sche Haus am Cölnischen 
Fischmarkt. Von L. Schneider. (Fortsetzung.) — Der märkische Chronist Andreas Engel. Von W. Stcrnbeck. — Ob Melonen- oder 
Wallonen-Kirche? — Die Königseiche von Pausin. Bon Dr. C. Bolle. — Der Scheich des Nibelungenliedes. Von Dr. Edm. Vecken- 
stedt. — Mittheilungen aus den Vereinen für die Geschichte Berlins und der Mark Brandenburg. — Anzeigen. 
Geschichte -er Citadelle und Festung Spandow. 
Von Dr. Kimßemüllcr. 
(Mit Abbildung.) 
uf derselben Havelinsel, welche heute die Citadelle der 
Festung Spandow einnimmt, stand vor dieser ein festes Schloß, 
eine Burg'). Urkundlich wird die Burg Spandow zum ersten 
Male 1317 erwähnt; sie ist aber viel älter. 1308 brachten die 
Vormünder Johanns, des letzten Markgrafen aus der ottonischen 
oder salzwedelschen Linie der Askanier, ihr Mündel in die Burg 
Spandow, um dasselbe vor Markgraf Waldemar aus der stendal- 
schen Linie, seinem Schwager, der die Vormundschaft selbst 
übernehmen wollte, zu sichern. Waldemar erschien jedoch bald 
darauf unvermuthet mit einer Schaar Bewaffneter vor dem Schlöffe, 
erstieg die Befestigungen desselben, bemächtigte sich seines jungen 
Schwagers und führte fortan allein die vormundschaftliche Re 
gierung für denselben ^). 79 Jahre früher zogen sich die Stamm 
väter der beiden askanischen Linien in Brandenburg, die Markgrafen 
Johann I. und Otto III., als sie im Jahre 1229 von dem Erz 
bischöfe Albert von Magdeburg an der Plane geschlagen worden 
waren, in die Burg Spandow zurück"). Noch früher war Spandow 
0 3UeM, Codex diplom.Brandenb. 1.11, 23. „per presentes litteras 
dotamus altare in honorem beatorum Dyonisn sanctorumque ejusdem 
premissorum in capella castri Spandowiense.“ 12. April 1317. 
2 ) Riedel, cod. IV. 19. Bruchstücke einer brandbg. Chronik aus 
Pukcawas böm. Chron. 
3 ) Meibom, script. rev. Germ. II. p. 330. Chronicon Magde- 
burgense. 
bereits Sitz eines markgräflichen Vogtes. Unter den Zeugen zweier 
Urkuitden aus dem Jahre 1197 erscheint Eberhard Vogt in 
Spandow^). Die Vögte waren Vorsteher der Vogteien, der 
jenigen Amtsbezirke, in welche das Land zur Pflege des Rechts 
und zur Erhebung der an die markgräfliche Kammer zu zahlenden 
Abgaben getheilt war, Sie sollten die in ihrem Bezirke Wohnenden 
getreulich schützen und schirmen nach bestem Vermögen, des Schlosses 
und der Vogtei Gerechtigkeit und Zubehürungen rechtlich hand 
haben und hegen und dem Landesherrn davon nichts entfremden. 
Auf einer landesherrlichen Burg, nach welcher die Vogtei benannt 
wurde, hatte der Vogt seinen Sitz. Es ist also kaum zu bezweifeln, 
daß schon in den ersten Zeiten der Askanier die Burg Spandow 
vorhanden war. Vielleicht irrt man nicht, wenn man dieselbe 
als eine Gründung Albrechts des Bären betrachtet"). 
Durch die letzte Eroberung Brandenburgs, im Jahre 1157, 
dehnte Albrecht der Bär seine Herrschaft bis an die östliche Havel 
^Riedel, cod. L. 8, 468. 8, 124. „Everardus advocatus in 
Spandow.“ 
5 ) Daß die Burg an der Stelle der heutigen Citadelle lag, geht 
daraus hervor, daß in einer Urkunde vom l l.Decbr. 1481 die Kietzer von 
Spandow, als vor dem Schlöffe wohnend, bezeichnet werden (Riedel cod. I. 
11. 119). Damals aber lag der Kietz auf dem linken Ufer der Havel an 
der heutigen Berliner Straße, dem jetzigen Garnisonlazareth gegenüber. 
Diese Stelle wird noch heute der alte Kietz genannt.
	        
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