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Periodical volume 15. Mai 1878, Nr. 10

Full text: Der Bär Issue 4.1878

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zeit unsers Lebens verbunden seyn, dcro allergnädigsten reso- 
lution mich getröstend, und verharre, Ew. Königl. Majestät 
allerunterthänigster und gehorsamster 
Jacob Wernicke, 
Berlin, den 27. May 1704 Leib-Kutscher." 
Der König genehmigte die Bitte, wie wir aus Folgendem 
ersehen: 
„Seine Königliche Majestät in Preußen rc. Unser aller 
gnädigster Herr haben dem Supplicanten den hierinnen be 
nannten Platz hinter dero Marstall auf der Neu-Stadt, älwo 
das alte Hüner-Hauß stehet, allergnädigst geschenket, und be 
fehlen dcro Hoff-Baumeister, Grünebcrgen, hiermit in gnaden, 
Ihm solchen anzuweisen. 
Signatum Schönhausen, den 31. May 1704. 
Friederich. 
gegengez.: Graf v. Wartenberg." 
Durch das Bekanntwerden vorstehender Aktenstücke ist das 
bisherige Material über das Haus Dorotheenstraße 9 wesentlich 
vermehrt, denn was bis dahin bekannt war, beschränkte sich auf 
folgende kurze Notizen: 
Nicolai I. Seite 177: 
Links, der Sternwarte gegenüber, stehen (1786) wohlgebaute 
Häuser, deren Gärten nach dem Weidendamm gehen, worüber 
anzumerken ist: Das Haus der Akademie; ehemals König Frie 
drich I. „Hühnerhof" *). Es ward, so wie es jetzt (1786) ist, 
von Boumann dem Vater gebaut. 
Fidicin Topographie Seite 155: 
Nr. 6 und 7 war vormals, bis 1704, der Königliche 
„Hühnerhof." 
L. Schneider: 
Noch im Jahre 1848 hieß das Bataillon Bürgerwehr, 
welches aus den Bewohnern jener Gegend gebildet wurde, das 
„Hühnerhof-Bataillon." 
1806 soll sich in dieseni Hause ein hohes französisches 
Militair-Commando mit seinen Büreaus befunden haben. 
Literatur. 
Beiträge znr Geschichte der Stadt Strausberg. Von 
W. Sternbeck. Strausberg 1878. gr. 8". 220 S. 
Ter Vcrfaffer des vorliegenden Buches ist Rathsherr, Buch- 
druckereibesitzer in Strausberg und Eigenthümer der Zeitschrift „der 
Märkische Bote". Aber neben diesem auch ein „großer Freund 
der Geschichte" und hat sich in seinen Mußestunden damit be 
schäftigt, die Archive und Registraturen seiner Vaterstadt durch 
zuarbeiten und das Vorgefundene zu einem klaren Bilde zu 
gestalten. Diese Arbeit hat er, in halben Bogen gedruckt, den 
Abonnenten seines Blattes gratis beigegeben, und nun, da eine 
größere Saminlung derselben erschienen ist, dieselbe zu einem 
Buche vereinigt und unter obigem Titel in geringer Anzahl Exem 
plare ausgegeben. Uebrigens fährt er mit seinen Arbeiten weiter 
fort, und so liegen schon wieder 2 halbe Bogen vor, auf denen 
die Geschichte des Dominikaner-Kloster's zu Strausberg begonnen 
ist. Diese kleine Entstehungsgeschichte des Buches war zu geben, 
um zunächst zu verstehen, woher es kommt, daß das Buch auf 
für unsere Zeit recht schlechtem Papier gedruckt ist. Man merkt 
es dem Papier an, daß es „eher einer ephemeren Zeitschrift als 
einem Buche" angemeffen ist. Ferner vermißt man ein detaillirtes 
Jnhaltsverzeichniß, welches doch das Lesen resp. das Verständniß 
eines jeden Buches wesentlich erleichtert. Auch mag es aus dem 
Grunde, daß das Werk bogenweise erschien, gekommen sein, daß die 
Seite 12 u. 24 erwähnten Aktenstücke, von denen es heißt, sie 
würden „am Schlüße dieser Abhandlung folgen", einfach fehlen. 
Soviel im Allgemeinen, auf einzelne kleine Ausstellungen unser 
seits kommen wir noch später zu sprechen. 
Gehen wir nun zum Inhalt des Buches selbst über, so ent 
wirft der Verfasser auf S. 1 — 65 ein detaillirtes Bild der 
St. Marienkirche. Dieser Theil der Arbeit ist entschieden der 
beste. Denn mit einem Eifer, der dem Geschichtsforscher würdig 
ist, bringt er das ganze Material, welches er gefunden, heran, 
und gerade in diesem Heranschaffen und der Geschichtsforschung 
Zugänglich-machen des Materials liegt unserer Meinung nach das 
Hauptverdienst des Autors. Näher hier auf die Geschichte der 
Kirche einzugehen, würde uns zu weit führen. Wir empfehlen 
sie aber zum Studien aufs Wärmste unseren Lesern. Auch 
finden wir in derselben kurze Lebensskizzen der einzelnen Prediger 
der Kirche und werden unsern Lesern jedenfalls damit eine Freude 
bereiten, daß wir ihnen die Skizze eines derselben in nächster 
Nummer geben. Ist doch — soviel wir wissen — in der 
jüngsten Zeit über den fleißigen märkischen Chronisten Angelus 
wenig publicirt worden, und dürfte deshalb das Zurückrufen des 
Lebensganges dieses für seine Zeit bedeutenden Mannes ein 
angemessenes sein. 
Nur möchten wir hier noch, ehe wir weiter auf das Buch 
eingehen, den Verfasser — in parenthesi gleichsam — auf einige 
Ungenauigkeiten oder Flüchtigkeiten seines Buches aufmerksam 
machen. Seite 5 ist 2 mal das lateinische Wort do8 als Neu 
trum gebraucht, während es, wie bekannt, kemmini generis ist. 
Seite 24 heißt es „collator, d. h. patron". Jedes Lehrbuch des 
Kirchenrechts besagt aber, daß die Functionen beider nicht iden 
tisch, sondern ziemlich verschieden sind. S. 23 steht: „wenn wir 
nicht irren, trügt sie der jetzige Pfarrer rc." Dies ließe sich 
doch für den Verfasser leicht der Wahrheit gemäß geben, oder 
steht er sich mit dem geistlichen Herrn schlecht? Schließlich noch 
eins: Seite 61 ein Citat aus Schiller ist falsch angegeben 
ei. Schiller Fiesko III. 4 in fine. 
Seite 66—99 behandelt die Altäre und Brüderschaften der 
alten Kirche mit gründlicher Sachkenntniß. Im Einzelnen finden 
Beachtung der St. Maria-Magdalenen-, der St. Erasmus-, der 
Frühmeß- oder prima wisse, der Raraten-Altar. Ferner wird 
in diesem Abschnitt behandelt die Elendsgilde, das Salve-Reginen- 
Lehn, die Stiftung der ewigen Lampe und der Kaland. Letzteren 
erklärt der Berfaffer wie folgt: „Am ersten Monatstage ver 
sammelte jeder Probst die unter ihm stehenden Pfarrer und man 
setzte gemeinschaftlich die Feste und Feiertage des Monats nach 
den Vorschriften der Kirche und dem sogenannten Oisio-llanus 
fest, die sodann den unter dem Pfarrer stehenden Geistlichen 
mitgetheilt wurden. Jeden Sonntag wurden am Schluffe des 
Gottesdienstes der Gemeinde diejenigen Feiertage angezeigt, welche 
in der eben angefangenen Woche zu feiern waren, und hierdurch 
blieb diese mit der Zeitrechnung im Zusammenhange. Dies ver 
trat die Stelle des Kalenders, und der Verein der Geistlichen 
hieß deshalb der „Kaland", die Geistlichen selbst „Kalands- 
herren". Ob diese Erklärung des Kaland richtig? Leider können 
wir hier die Frage nicht näher erwägen. Uebrigens hatte der 
Verfaffer, der doch für Laien und auch für Unstudirte schreibt. 
*) Derselbe schenkte das Haus 1704 seinem Leibkutscher Jacob Wernicke.
        
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