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Band 1. April 1875, Nr. 1

Volltext : Der Bär (Public Domain) Ausgabe 1.1875 (Public Domain)

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beschäftigt  waren,  und  sah  im  Traum  eine  Hirschkuh,  die  ihn  ohne
Unterlaß  belästigte  und  ihm  nicht  gestattete,  zu  schlafen.  Er  ergriff
also  Bogen  und  Pfeil  und  schoß  sie  auf  der  Stelle  nieder.  Erwacht
aber  vom  Schlaf,  erzählte  er  den  Traum  seinen  Mannen,  in  Bezug
deffen  einer  von  ihnen  entgegnete,  die  Stätte  sei  wohl  geeignet  zur
Anlage  eines  Klosters.  Einige  aber  meinten,  eine  Burg  muffe  gebauet
  werden  gegen  die  Slaven,  die  Heiden  und  verdammten  Feinde
des  Kreuzes  Christi.  Darauf  der  Fürst  erwiderte:  „Eine  Burg  will
ich  gründen  auf  dem  Platze,  und  von  ihr  aus  sollen  die  teuffischen
Widersacher  durch  die  Stimmen  geistlicher  Männer  weit  fortgescheucht
werben."  Und  alsbald  schickte  er  zum  Abte  von  Sittichenbach  (Sichern)
aus  dem  Orden  der  Cisterzienser,  und  ließ  ihn  bitten,  daß  er  Brüder
aus  seinem  Convent  verordne.  Und  er  gab  deur  Kloster  den  Namen
Lehnin,  weil  im  Slavischen  „Lanie"  auch  die  Hirschkuh  heißt,  die
er  soll  im  Traume  gesehen  haben."
Der  Eichenstamm  aber,  unter  dem  der  Markgraf  während  des
Traumes  geruht,  wurde  vor  dem  Altar  der  Kirche  eingemauert.
Die  Heiligkeit  in  des  Klosters  stillem  Frieden  veranlaßte  sowohl
den  Stifter  desselben,
als  auch  die  Kurfürsten
Johann  (Cicero)  und
seinenSohnJ  o  a  ch  i  ml.
dort  ihre  letzte  Ruhestätte ­
  dereinst  zu  ffnben.
Joachim  hatte  für
feinen  Vater  das  noch
erhaltene,  von  dem
Stückgießer  Dietrich
aus  Burgund  gefertigte
Bronce  -  Monument  in
Gestalt  eines  Sarkophags ­
  errichten  und
unter  demselben  eine
starke  Metallplatte  mit
seinem  eigenen  lebensgroßen ­
  Bildniß  im  Kur-Ornat
  anbringen  laffen.
Das  Meisterwerk  trägt
den  Namen  Peter
Vischer's.
Längst  schon  find  die
Mauern  des  Klosters
zerfallen  —  „Wolken  ziehen  darüber  hin";  aber  die  Sage  läßt  in
mitternächtiger  Stunde  einen  Mönch  niit  zürnender  Gebehrde  die
Stätte  der  gestörten  Grabesruhe  Lurchwandeln.  —  —
Denn  nachdem  Kurfürst  Joachim  II.  im  Jahre  1536  die  „schwärze»
  Mönche"  (Dominikaner)  aus  Berlin  verwiesen,  erhob  er  die
Klosterkirche  derselben  zu  einem  Domstift,  und  errichtete  unter  dem
hohen  Chor  eine  Fürstengruft,  in  die  er  „seinen  Herrn  Großvater
(Johann  Cicero),  Vater  (Joachim  I.),  seine  Mutter  und  sein  erstes
herzfreundliches  Gemahl,  junge  Herrschaft  begraben  und  zum  Theil
von  Lehnin  bringen  laffen."  Dies  seine  eigenen  Worte  aus  der
an  die  Domherren  gehaltenen  Einweihungsrede.
Ursprünglich  ein  schlichtes,  dem  Sinn  ihrer  Stiftung  entsprechendes ­
  Bauwerk,  erhob  sich  die  Dominikanerkirche  ohne  Thurmbau  —
der  den  Dominikanern  und  Franziskanern  nicht  gestattet  war  —  in
einer  Länge  von  220  Fuß  und  130  Fuß  Breite,  auf  dem  damaligen
Dom-,  heutigen  Schloßplatz,  zwischen  der  Brüder-  und  Breiten  Straße.
Mit  Einführung  der  Reformation  (1539)  entstanden  dann  jedenfalls
auch  die  Thürme  des  Gotteshauses,  wie  wir  dasselbe  auf  unserer  Abbildung ­
  erblicken.
Bei  dem  Tode  des  Kurfürsten  George  Wilhelm  (1640)  war  die

fürstliche  Tobtenkammer  in  der,  mittlerweile  dazu  erhobenen  Schloßund
  Kathedral-Kirche  gefüllt  —  George  Wilhelm  wurde  in  Königsberg ­
  bestattet.
Ebenfalls  unter  dem  hohen  Chor  jener  Kirche  ließ  dann  der
Große  Kurfürst  ein  neues  Grabgewölbe  für  ffch  und  feine  Nachkommen
errichten;  doch  nur  der  erste  König  von  Preußen  sollte  hier  neben
seinem  großen  Vater  bestattet  werden.
Ueber  die  Beisetzung  des  Großen  Kurfürsten  (12.  September
1688)  melden  die  Berichte,  daß  an  der  Thür  der  Domkirche  eine
Art  von  Portal  aufgerichtet  war,  dekorirt  mit  Fahnen,  Schwertern
und  Harnischen.  Nachdem  der  Leichenzug  unter  dem  Läuten  sämmtlicher ­
  Glocken,  vom  Schlöffe  aus,  durch  eine  mit  Inschriften  versehene ­
  Ehrenpforte  die  Breite  Straße  entlang  ffch  in  Bewegung  gesetzt ­
  und  dann,  durch  die  Brüder-Straße  ziehend,  die  Domkirche  erreicht ­
  hatte,  wurden  die  acht  mit  schwarzen  Sammetdecken  behangenen
Pferde  des  Leichenwagens  vor  jenem  Portal  abgespannt.  Hier  waren
aus  dem  Gefolge,  neben  den  Trägern  der  Fahnen,  Wappen  und  Inffgnien
  aufgestellt:  das  Bataillenpferd  des  hohen  Verewigten,  mit
einem  rothen  Federbusch
und  reicher  Satteldecke
geschmückt;  dann  das
Freudenpferd,  ebenfälls
  mit  einer  Decke
von  fleischfarbenem
Sammet  bekleidet,  auf
deren  einer  Seite  ein
Adler  gestickt  war,  der,
gefolgt  von  vier  jungen
Adlern  (den  Thronfolger ­
  und  dessen  vier  jüngere ­
  Brüder  versinnbildlichend), ­
  zum  Himmel
emporflog,  während  ein
Blitz  auf  ihn  niederfuhr; ­
  die  andere  Seite
zeigte  den  gekrönten
Adler,  mit  den  vier  jüngeren ­
  zur  Sonne  emporsteigend. ­
  Endlich  das
Trauerpferd,  in  schwarzen ­
  mit  Gold  gestickten
Sammet  gekleidet.
Nun  wurde  der  mit  einer  schwarzen  Sammetdecke  und  zwölf
darauf  gestickten  Wappen  behangene  Leichenwagen  mit  dem  Sarge
auf  ein  unter  der  Kanzel  errichtetes  Podium  gezogen.  Neben  demselben ­
  hatten  die  Träger  der  Fahnen  und  Wappen,  des  Kur-  und
Souverainetäts-Schwertes,  des  Kurhutes,  Scepters  und  Majestätssiegels, ­
  des  Regimentsstabes  und  des  Ordens  vom  Hosenband  sich
aufgestellt.  Der  neue  Kurfürst,  Friedrich  Hl.,  nahm  im  langen
Trauerkleide  und  runden  Hut,  von  dem  ein  schwarzer  Flor  über  das
Gesicht  wallte,  auf  dem  errichteten  Throne  Platz,  dem  gegenüber  das
Preußisch-Brandenburgische  Wappen  in  Florumhüllung  angebracht  war.
Nach  Beendigung  der  Leichenrede  des  Hofpredigers  Koch,  in  der
achten  Abendstunde,  erhoben  sich  die  vier  Reichsgrafen  (o.  Stollberg,
Mannsfeld  und  zwei  v.  Wittgenstein),  und  nun  wurde  der  Sarkophag
unter  dem  Gesänge  der  Versammlung  in  die  Gruft  hinabgetragcn,
während  draußen  das  Läuten  der  Glocken,  der  Donner  der  Kanonen
und  das  Schmettern  der  Tronrpeten  wiederhallte,  in  das  der  dumpfe
Ton  der  Heerpauken  sich  mischte.
Als  dann  die  „philosophische"  Königin  Sophie  Charlotte
am  10.  Juni  1705  hier  beigesetzt  wurde,  hatte  Eosander  o.  Göthe
die  Domkirche  auf  das  Glänzendste  zu  einem  Trauertenrpel  umgeDer ­

  alte  Dom  aus  dem  Schloßplatz  zu  Berlin.
            
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