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beschäftigt waren, und sah im Traum eine Hirschkuh, die ihn ohne
Unterlaß belästigte und ihm nicht gestattete, zu schlafen. Er ergriff
also Bogen und Pfeil und schoß sie auf der Stelle nieder. Erwacht
aber vom Schlaf, erzählte er den Traum seinen Mannen, in Bezug
deffen einer von ihnen entgegnete, die Stätte sei wohl geeignet zur
Anlage eines Klosters. Einige aber meinten, eine Burg muffe gebauet
werden gegen die Slaven, die Heiden und verdammten Feinde
des Kreuzes Christi. Darauf der Fürst erwiderte: „Eine Burg will
ich gründen auf dem Platze, und von ihr aus sollen die teuffischen
Widersacher durch die Stimmen geistlicher Männer weit fortgescheucht
werben." Und alsbald schickte er zum Abte von Sittichenbach (Sichern)
aus dem Orden der Cisterzienser, und ließ ihn bitten, daß er Brüder
aus seinem Convent verordne. Und er gab deur Kloster den Namen
Lehnin, weil im Slavischen „Lanie" auch die Hirschkuh heißt, die
er soll im Traume gesehen haben."
Der Eichenstamm aber, unter dem der Markgraf während des
Traumes geruht, wurde vor dem Altar der Kirche eingemauert.
Die Heiligkeit in des Klosters stillem Frieden veranlaßte sowohl
den Stifter desselben,
als auch die Kurfürsten
Johann (Cicero) und
seinenSohnJ o a ch i ml.
dort ihre letzte Ruhestätte
dereinst zu ffnben.
Joachim hatte für
feinen Vater das noch
erhaltene, von dem
Stückgießer Dietrich
aus Burgund gefertigte
Bronce - Monument in
Gestalt eines Sarkophags
errichten und
unter demselben eine
starke Metallplatte mit
seinem eigenen lebensgroßen
Bildniß im Kur-Ornat
anbringen laffen.
Das Meisterwerk trägt
den Namen Peter
Vischer's.
Längst schon find die
Mauern des Klosters
zerfallen — „Wolken ziehen darüber hin"; aber die Sage läßt in
mitternächtiger Stunde einen Mönch niit zürnender Gebehrde die
Stätte der gestörten Grabesruhe Lurchwandeln. — —
Denn nachdem Kurfürst Joachim II. im Jahre 1536 die „schwärze»
Mönche" (Dominikaner) aus Berlin verwiesen, erhob er die
Klosterkirche derselben zu einem Domstift, und errichtete unter dem
hohen Chor eine Fürstengruft, in die er „seinen Herrn Großvater
(Johann Cicero), Vater (Joachim I.), seine Mutter und sein erstes
herzfreundliches Gemahl, junge Herrschaft begraben und zum Theil
von Lehnin bringen laffen." Dies seine eigenen Worte aus der
an die Domherren gehaltenen Einweihungsrede.
Ursprünglich ein schlichtes, dem Sinn ihrer Stiftung entsprechendes
Bauwerk, erhob sich die Dominikanerkirche ohne Thurmbau —
der den Dominikanern und Franziskanern nicht gestattet war — in
einer Länge von 220 Fuß und 130 Fuß Breite, auf dem damaligen
Dom-, heutigen Schloßplatz, zwischen der Brüder- und Breiten Straße.
Mit Einführung der Reformation (1539) entstanden dann jedenfalls
auch die Thürme des Gotteshauses, wie wir dasselbe auf unserer Abbildung
erblicken.
Bei dem Tode des Kurfürsten George Wilhelm (1640) war die
fürstliche Tobtenkammer in der, mittlerweile dazu erhobenen Schloßund
Kathedral-Kirche gefüllt — George Wilhelm wurde in Königsberg
bestattet.
Ebenfalls unter dem hohen Chor jener Kirche ließ dann der
Große Kurfürst ein neues Grabgewölbe für ffch und feine Nachkommen
errichten; doch nur der erste König von Preußen sollte hier neben
seinem großen Vater bestattet werden.
Ueber die Beisetzung des Großen Kurfürsten (12. September
1688) melden die Berichte, daß an der Thür der Domkirche eine
Art von Portal aufgerichtet war, dekorirt mit Fahnen, Schwertern
und Harnischen. Nachdem der Leichenzug unter dem Läuten sämmtlicher
Glocken, vom Schlöffe aus, durch eine mit Inschriften versehene
Ehrenpforte die Breite Straße entlang ffch in Bewegung gesetzt
und dann, durch die Brüder-Straße ziehend, die Domkirche erreicht
hatte, wurden die acht mit schwarzen Sammetdecken behangenen
Pferde des Leichenwagens vor jenem Portal abgespannt. Hier waren
aus dem Gefolge, neben den Trägern der Fahnen, Wappen und Inffgnien
aufgestellt: das Bataillenpferd des hohen Verewigten, mit
einem rothen Federbusch
und reicher Satteldecke
geschmückt; dann das
Freudenpferd, ebenfälls
mit einer Decke
von fleischfarbenem
Sammet bekleidet, auf
deren einer Seite ein
Adler gestickt war, der,
gefolgt von vier jungen
Adlern (den Thronfolger
und dessen vier jüngere
Brüder versinnbildlichend),
zum Himmel
emporflog, während ein
Blitz auf ihn niederfuhr;
die andere Seite
zeigte den gekrönten
Adler, mit den vier jüngeren
zur Sonne emporsteigend.
Endlich das
Trauerpferd, in schwarzen
mit Gold gestickten
Sammet gekleidet.
Nun wurde der mit einer schwarzen Sammetdecke und zwölf
darauf gestickten Wappen behangene Leichenwagen mit dem Sarge
auf ein unter der Kanzel errichtetes Podium gezogen. Neben demselben
hatten die Träger der Fahnen und Wappen, des Kur- und
Souverainetäts-Schwertes, des Kurhutes, Scepters und Majestätssiegels,
des Regimentsstabes und des Ordens vom Hosenband sich
aufgestellt. Der neue Kurfürst, Friedrich Hl., nahm im langen
Trauerkleide und runden Hut, von dem ein schwarzer Flor über das
Gesicht wallte, auf dem errichteten Throne Platz, dem gegenüber das
Preußisch-Brandenburgische Wappen in Florumhüllung angebracht war.
Nach Beendigung der Leichenrede des Hofpredigers Koch, in der
achten Abendstunde, erhoben sich die vier Reichsgrafen (o. Stollberg,
Mannsfeld und zwei v. Wittgenstein), und nun wurde der Sarkophag
unter dem Gesänge der Versammlung in die Gruft hinabgetragcn,
während draußen das Läuten der Glocken, der Donner der Kanonen
und das Schmettern der Tronrpeten wiederhallte, in das der dumpfe
Ton der Heerpauken sich mischte.
Als dann die „philosophische" Königin Sophie Charlotte
am 10. Juni 1705 hier beigesetzt wurde, hatte Eosander o. Göthe
die Domkirche auf das Glänzendste zu einem Trauertenrpel umgeDer
alte Dom aus dem Schloßplatz zu Berlin.