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Periodical volume 15. Mai 1875, Nr. 4

Full text: Der Bär Issue 1.1875

eure Kleider und sprechet Herr, wir haben gesündiget. Bekehre dich, 
Berlin, zum Herrn, Deinem Gott, denn er ist gnedig, Barmhertzig, 
geduldig und von großer Güte." 
Nachrichten, welche auch nur den geringsten Anhalt über die 
Ankunft und Abfahrt des Leichenconducts, sowie über etwaige Feier 
lichkeiten bei dieser Gelegenheit in der kurfürstlichen Residenz geben 
könnten, sind in Berlin nicht vorhanden; nirgends findet sich darüber 
eine Auszeichnung. 
Am 17. December verließ, nach der Chronik des Superinten 
denten Seyler von Bernau, der Leichenzug Berlin und traf noch an 
demselben Tage in Bernau ein, wo der Sarg in die St. Marien 
kirche gebracht und vor dem Altar niedergesetzt wurde. Diese Kirche, 
eine der schönsten der Mark, zierten zu jener Zeit noch die 200 Jahre 
vor diesem Ereigniß den Hussiten in der Schlacht auf den rothen 
Feldern von der tapferen Bernauer Bürgerschaft abgenommenen Rüstun 
gen und Waffen, sowie das eroberte Zelt des böhmischen Anführers 
Kocza; — wahrlich der geeignetste Ort, wo die Leiche des Königs 
ruhen konnte, der ja auch, wie die Böhmen, für den Glauben zu 
streiten, das Vaterland verlaffen hatte. Der Superintendent Ströh- 
mann hielt in dieser Kirche noch am 17. December die Leichenpredigt, 
deren Text er den Versen 1—22 des 9. Capitels des 1. Buches der 
Maccabäer entnahm. Er verglich den König mit dem Judas Macca- 
bäus, erörterte die Drangsale des jüdischen Glaubens zu den Zeiten 
des letzteren, wie er sich derselben angenommen und welche Klagen bei 
seinem Tode geführt worden waren. 
Am 18. December, Morgens 8 Ilhr, wurde der Leichenzug von 
Bernau nach Neustadt-Eberswalde dirigirt. Weder die Magistrats 
acten, noch die Kirchenbücher dieser Stadt, noch diejenigen von Anger 
münde, woselbst der Conduct ebenfalls gerastet haben muß, ergeben 
irgend Etwas über den Aufenthalt der königlichen Leiche. Erst aus 
Prenzlau finden sich Nachrichten in dem in der Berliner Magistrats- 
Bibliothek vorhandenen Siering'schen Manuscripte über jenen Ort. 
Darnach wurde die Leiche des „weiland durchlauchtigsten und groß 
mächtigsten Fürsten und Herrn, Herren Gustavi Adolphi, des Namens 
der Zweite, Magnus genannt, Königs in Schweden, Gothen und 
Wenden rc., nachdem Er den 6. November dieses Jahres bei Lützen, 
im Stiffte Merseburg, zwo Meilen von Leipzig, in der großen blu 
tigen Schlacht mit dem Römischen Kaiser Ferdinand II. geblieben 
war, am 20. December, 'am Tage vor dem Feste des heiligen Apostels 
Thvmä, von Leipzig in Prenzlau eingebracht. Welche Königliche 
Leiche die Königliche Wittwe, die durchlauchtigste, großmächtigste Fürstiir 
und Frau, Maria Eleonore begleitete; und ward die Leiche mit dem 
Wagen, darauf sie gebracht war, alsobald zwischen beiden Thürmen 
hinein in die Kirche St. Marien aus den Mittelplatz geführt, wo 
sie aufgestellt und von Soldaten bewacht wurde, bis sie von hinnen 
gebracht ward." 
Letzteres geschah, nach dem Manuscripte, am 22. December, an 
welchem Tage sich der Leichenconduct in der Richtung auf Pascwalk 
hin bewegte. Ob derselbe daselbst übernachtet hat, läßt sich nicht 
feststellen. Pasewalk war damals ein Schutthaufen und beide Kirchen 
mit ihren Glocken lagen in Asche, da im Septniber 1630 der kaiser 
liche Obrist Götze die Stadt, um sie für die Aufnahme zweier schwe 
dischen Escadrons zu strafen, anzünden und Feuer in die Kirchen 
werfen lies. Selbst wenn nach Wiedererbauung der Stadt von der 
tädtischen Behörde über* frühere Vorgänge Nachrichten wirklich ge- 
ammelt sein sollten, so sind diese zu dem Freudenfeuer, welches 1713 
-ie Moskowiter mit den Magistratsacten auf dem Markte anzündeten, 
vahrscheinlich mit verwendet worden. Auch die Kirchenbücher, welche 
nit demselben Jahre beginnen, geben selbstverständlich keine Auskunft. 
Oie erweislich letzte Station vor dem Einschiffungsorte der Leiche nach 
Schweden war Anclam, aus welcher Stadt jedoch, eine Mittheilung 
ierüber nicht zu erlangen gewesen ist. 
Nach der Chronik der Stadt Wolgast, vom Archidiakonus Heller, 
soll der Leichenconduct am 13. Juni 1633 daselbst eingetroffen sein. 
Dies erscheint jedoch, da die Leiche schon am 22. December 1632 
Prenzlau verlassen hatte, und der Weg von hier über Wolgast in 
höchstens vier Tagen zurückzulegen war, unrichtig, wenn man nicht, was 
jedoch aus Mangel an Nachrichten unerwiesen bleibt, annehmen will, 
daß sie von Ende December bis zum Juni in Anclam geblieben sei. 
Bald nach dem Eintreffen in Wolgast wurde der königliche Leich 
nam in einen glatten silbernen Sarg gelegt und in der Schloßkirche 
bis zur Abfahrt nach Schweden beigesetzt. In den Langseiten des 
Sarges waren die Wappen der schwedischen Provinzen, und auf dem 
Deckel am Kopfende das große schwedische Wappen, der ganze Titel 
Gustav Adolph's, sowie seine Geburts- und Sterbestunde eingravirt. 
Am 16. Juni, dem für die Abführung nach Schweden be 
stimmten Tage, hielt der Hofprediger vr. Fabricius in der Schloß 
kirche zu Wolgast vor der glänzenden Trauerversammlung einen Vor 
trag über das Leben und die Thaten des großen Königs, und dem 
nächst die Leichenpredigt auf seinen entschlafenen Gebieter. Zun, 
Tert derselben nahnr er den 16. Vers des 5. Capitels der Klage 
lieder Jeremiä: „Die Krone unseres Hauptes ist abgefallen, o wehe, 
daß wir so gesündigt haben." 
Die Predigt selbst theilte er in zwei Hauptstücke: den Trauer 
fall und die prophetische Bnßklage. In dem ersteren wandte er als 
Beispiel den 35. Vers des 2. Buches der Chronika an, welcher die 
Klage um den in der Schlacht wider Necho, auf der Ebene bei Mo- 
giddo, von den egyptischen Bogenschützen verwundeten und an den 
Wunden in Jerusalem verstorbenen König Josia enthält. In dem 
zweiten Hauptstücke zeigte er, wie der Herr der Heerschaaren die 
Menschen Unglück treffen lasse, um sie dadurch auf ihre Sünden auf 
merksam zu machen, und ermahnte deshalb die Zuhörer zur Reue 
und Buße. 
Nach geendeter Tranerpredigt wurde die königliche Leiche in fol 
gender Procession nach dem Meeresgestade behufs ihrer Einschiffung 
»ach Schweden geführt: 
Den Zug eröffnete der Obrist Arel Lillie zu Pferde mit einem 
Regimente Musketiere. Diese marschirten in 85, acht Mann starken 
Gliedern; sie waren schwarz gekleidet, hatten schwarz taffetne Binden 
an den Hüten und trugen mit gleichfarbigem Tuche überzogene Mus 
keten. Hierauf folgten 36 Paar Schüler mit 6 Lehrern, welche 
musicirten. Diesen schlossen sich 50 Studenten aus Greifswald, 100 
deutsche und 14 schwedische Priester, mit langen Trauermänteln be 
kleidet, an. Hiernächst kanr die Trauermusik, bestehend aus 2 schwarz 
überzogenen Heerpauken, 6 schwarz bekleideten Trompetern, dann wieder 
2 Heerpauken und nochmals 6 Trompetern. Die an den Trompeten 
hängenden Fahnen waren von Damast, aus welchen, das königliche 
Wappen in Gold gestickt war. Hinter der Musik ritten zwei Herolde, 
ein Obristlieutenant und ein Major; jeder trug einen mit Edelsteinen 
und Diamanten reich besetzten Scepter in der Hand, auf ihren Röcken 
befand sich auf Brust und Rücken das königliche Wappen in Gold 
gestickt. Demnächst wurden die Reichsinsignien, Reichsapfel, Krone 
und Schwert von Edelleuten getragen, denen ein Marschall, Erich 
Güldenster,,, mit den brandenburgischcn und mecklenburgischen Räthe» 
sowie einer großen Menge Adliger sich anschlossen. Diesen folgte der 
General der Artillerie, Limmard Torstensohn, welcher die sogenannte 
Btutfahne trug; 33 schwarzbehangene Pferde, die auf den Seiten 
Schilde mit dem Wappen je einer der Krone Schwedens gehörigen 
Provinz, des Fürstenthums :c. trugen, von Officicren, mit Fahnen 
und gleichen Insignien geführt. Ihnen folgte der Reichsstallmcister, 
Benedict Orenstirn, unterstützt von einigen Officicren, mit einer großen 
schwarzen Fahne, in deren Mitte sich das königlich schwedische Wappen 
in Gold gestickt und von den Wappen sämmtlicher 33 Provinzen rc. 
umgeben, vorfand. Jetzt kam des Königs Leibroß, welches ihn in
        
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