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Periodical volume 1. Mai 1875, Nr. 3

Full text: Der Bär Issue 1.1875

Diener, so ihm aufwardten wollen, immer von sich gewiesen, welches 
alles etliche für widrige Omina nociret." 
Tiefbetrauert nicht allein von seinem Heere, welches er zum 
Schutze der evangelischen Wahrheit von den fernen Gestaden Schwedens 
über die Ostsee geführt, tiefbetrauert von Allen, die mit ihm für die 
von ihm vertretene Glaubenssache das Schwert gezogen hatten, wurde 
sein Körper vom Schlachtfelde aufgehoben, auf einem Rüstwagen nach 
dem Dorfe Meuchen, eine halbe Meile südöstlich von Lützen, wo die 
schwedische Bagage während der Schlacht Aufstellung gefunden hatte, 
gebracht und in der dortigen Kirche, nachdem er in der Sacristei ab 
gewaschen und in ein großes leinenes Betttuch gehüllt war, vor dem 
Altar niedergelegt. Die Officiere der die Leiche begleitenden Escorte 
ritten in die Kirche, um den Altar, und hielten die Ehrenwacht bei 
ihrem entschlafenen königlichen Herrn. Hierauf wurde von dem Schul 
meister Laue in der schnell erleuchteten Kirche ein Gottesdienst ein 
geleitet, wobei ein Officier die Trauerrede hielt. 
Da der Leichnam des Königs von vielen Wunden durchbohrt 
war und in diesem Zustande nicht weiter geschafft werden konnte, so 
wurde es nothwendig, ihn zu öffnen, obgleich Gustav Adolph häufig 
seinen Widerwillen gegen Leichenöffnungen ausgesprochen hatte. Die 
Section erfolgte in der Kirche, woselbst die niederen Eingeweide, 
von der großen Thür aus links, in der Mitte beigesetzt wurden. 
Ueber den Stein, der diesen Ort deckte, ist später das königlich schwe 
dische Wappen angebracht, welches noch deutlich erkennbar ist, und 
deffen Wiederherstellung gegenwärtig beabsichtigt wird. 
Als der Ortsrichter Schroeder in Meuchen 1832 den Stein 
aufheben ließ, fand er darunter ein hölzernes, ganz vermodertes Füß 
chen von Eichenholz, worin sich Erde, wie aus faulen Weidenbäumen, 
vorfand. Der :c. Schröder ließ dasselbe versenken, und gab man dem 
nächst der Vertiefung, in welcher das Füßchen gestanden hatte, eine 
aus Sand und Kalk gebildete urnenartige Form. 
In der Kirche zu Meuchen befinden sich gegenwärtig, von der großen 
Thür rechts an der Wand, ein großer und ein kleiner Säbel, 4PaarSporen 
und ein Fechthandschuh, welche aus der Schwedenschlacht herrühren. 
Nach erfolgter Section sollte die Leiche, zuerst in dem Hause 
des Schulmeisters niedergelegt werden. Dies erwies sich jedoch zu 
klein und sie wurde deshalb in das Haus eines Nachbarn desselben, 
| Namens Burghard, gebracht, durch schwedische Männer dort vorläufig 
einbalsamirt und dann in einen vom Schulmeister, zugleich als Tischler, 
in der Eile gezimmerten Sarg mit der Leinwandumhüllung gelegt. 
Dieses Leichentuch wird noch heute in der Ritterholmskirche zu Stock 
holm gezeigt. Das Haus in Meuchen, welches gegenwärtig dem 
Oekonomen Kabisch gehört, führt die No. 13. In demselben befand 
sich bis vor Kurzem, rechts vom Eingänge, hinter der Hausthür der 
Tisch, woraus die königliche Leiche bei der Einbalsamirung gelegen. 
Gegenwärtig ist ihm bei der Restauration des Gebäudes ein Platz 
in der Küche angewiesen, wo er, gerade wie früher, mit zwei eisernen 
Bändern an der Wand befestigt ist. Dieser Tisch, ein Klapptisch, 
besteht aus sechs, vier ursprünglichen und zwei nächst dem Riegel 
später eingelegten, von rechts nach links gehenden Breitem, welche 
unterhalb durch zwei, im Riegel eingefügten bretterartigen Querleisten 
getragen werden. Zwischen diesen Leisten befindet sich eine mit zwei 
eisemen Bändern am Tische befestigte, vor- und rückwärts bewegbare 
Gabel, welche beim Hemnterklappen unter den Tisch gestellt wird 
und ihn trägt. Die abgehobelten und nicht angestrichenen Bretter 
sind aus fichtenen Stämmen geschnitten; der Riegel dagegen ist aus 
Eichenholz gefertigt. Die Ausdehnung des Tisches in die Länge be 
trägt 2 V 8 / in die Breite 2'/* Ellen. 
Am Morgen des 7. November verließ der Herzog Bemhard 
mit der Armee das Schlachtfeld und führte den Leichnani des Königs 
auf dem erwähnten Rüstwagen, der von dem damaligen Chronisten 
mit einer „Kutsche" bezeichnet wird, nach Weißensels. 
Den Tod des Königs scheint man, wenigstens nach den Archiv- 
nachrichten zu Weißensels, vorläufig geheim gehalten zu haben, denn 
in einem Schreiben vom 9. November ist beinerkt: „In geheim wird 
gehalten, daß Ihre königliche Majestät todt und in dem Geleitshause 
auf einem Wagen stehet. Gott stehe uns bei." 
Wie dem auch sei, die Nachricht von dem den König betroffenen 
Unglück verbreitete sich dennoch, wenn auch bei den damaligen Com- 
municationsmitteln nur langsam; so erreichte sie Berlin erst am 14. 
November. In Weißensels brachte man die Leiche in den kleinen 
Saal des alten Amtshauses, des jetzigen Geschästgebäudes der dortigen 
Gerichts-Commission. Hier wurde der Körper von dem Stadtapotheker 
Casparius kunstgerecht einbalsamirt, bei welcher Gelegenheit etwas 
Blut an die Wand spritzte. Zum Schutze desselben ist ein hölzerner 
Schieber angebracht, über dem ein vom damaligen Rathe in Weißen 
fels mit Siegel und Unterschrift bekräftigtes Dokument hängt, welches 
bezeugt, daß man hier den Körper des Königs einbalsamirte und daß 
das noch sichtbare Blut davon herrühre. Ein langer Stoßdegen, 
wie er zur Zeit des 30jährigen Krieges üblich war und welcher über 
der genannten Urkunde befestigt ist, wird, ohne jeden historischen 
Nachweis, für die Waffe ausgegeben, die der König bei Lützen trug. 
Die Eingeweide der Leiche wurden in der St.-Clarakirche in Weißen- 
fels beigesetzt, das Herz dagegen, welches 1 Pfd. 20 Loth wog, ließ 
die Königin, welche sich am Schlachttage auf der Rudelsburg bei 
Naumburg befunden hatte, und auf die Todesnachricht sogleich 
nach Weißensels gekommen war, in einer goldenen Kapsel verschließen, 
welche sie stets bei sich trug. Erst nach Jahresfrist brachte es die 
schwedische Geistlichkeit dahin, daß sie das Herz ihres Gemahls bei 
dessen Leiche aufzubewahren gestattete. 
Wie lange die Leiche in Weißensels geblieben ist, läßt sich nicht 
feststellen, jedoch wurde beschlossen, sic bald fortzuführen und 
ihre Bedeckung den Resten des Regiments Smaländer, an deren Spitze 
der König seinen Tod fand, anzuvertrauen. Der Leichenconduct schlug 
demnächst die Straße nach Leipzig ein und traf hier am 26. No 
vember an. 
Nach allen Ermittelungen haben Feierlichkeiten weder bei der 
Ankunft, noch bei dem Aufenthalte daselbst stattgefunden. Und das 
ist auch vollständig erklärlich. Nach der Schlacht bei Lützen nahmen 
die Kaiserlichen ihre Flucht nach Leipzig, das bald mit Verwundeten 
überfüllt war. Die Pleißenburg hielt der kaiserliche Oberwachtmeistcr 
Melchior Moser mit 500 Mann besetzt. Die Belagerung des Schlosses 
währte bis zum 2. December, wo der Commandant capitulirte und 
freien Abzug erlangte. Angriff und Vertheidigung der Pleißenburg 
wurden mit großer Energie betrieben, und vor den in die Stadt ge 
schleuderten Hohlgeschossen und Kugeln war Niemand seines Lebens 
sicher. Da die Leiche schon am 26. November eintraf, so mochten 
Rath, Geistlichkeit und Bürgerschaft wohl keinen Drang fühlen, sich 
bei einem Comitat oder einer sonstigen Festlichkeit den feindlichen 
Geschossen auszusetzen. 
Die Dauer des Aufenthalts der Königsleiche in Leipzig läßt 
sich hiernach ebenso wenig aufilären, als sich die Städte, in welchen 
sie bis zum 7. December gerastet haben mag, angeben lassen. 
Am 8. December dagegen traf sie in Wittenberg ein, hier wurde 
sie an der Elbbrücke von der Universität, den: Rathe und der Bürger 
schaft mit Gesang und unter dem Läuten der Glocken empfangen; darauf 
nach der Schloßkirche, an deren Thür Luther am 31. Oct. 1517 
seine Thesen anschlug, geleitet, vor dem Altar niedergesetzt und die 
Nacht hindurch von schwedischen Soldaten bewacht. 
Am folgenden Tage in der Frühe erhielten, aus dringendes Er 
suchen, mehrere Standespersonen die Erlaubniß, das Angesicht des 
Königs durch die im Sargdeckel angebrachte, verschließbare Oeffnung 
zu betrachten, welches sie noch zum Erstaunen ähnlich fanden. 
Um 8 Uhr setzte der Leichenzug sodann seinen Weg auf der
        
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