Path:
Periodical volume 15. April 1875, Nr. 2

Full text: Der Bär Issue 1.1875

15 
an der Spreeseite bei Festgelagen und Tournieren kaum genügten. 
Dort ein Anderer, ebenso verfallen, birgt die Gebeine der Mutter 
dieses Fürsten, welche in der Nacht zum 25. März 1528 aus dem 
älteren Schlosse, verkleidet und auf einem Baucrnwagen nach der 
altsächsischen Residenz Torgau flüchtete, um als eine Anhängerin 
Luthers den Drohungen ihres, der neuen Lehre abholden Gemahls 
zu entgehen; die dann nach siebenundzwanzigjähriger Abwesenheit, 
am ersten Pfingsttage des Jahres 1555, sterbenskrank nach Berlin 
zurückkehrte, ohne indessen die Räume des Schloffes wieder zu be 
treten,' welche Zeugen ihrer Seelenangst gewesen. 
Vorüber! . . . 
In dem zweiten Pfeilerdurchgange rechter Hand stehen vier kleinere 
Särge mit den im frühen Alter verstorbenen Kindern des Kronprinzen, 
nachmaligen Königs Friedrich Wilhelm I. Den ersten dieser Särge 
ziert am Fußende ein mächtiger, vergoldeter Adler; aus dem geschweif 
ten Deckel von Ebenholz ist, ebenfalls vergoldet, Prinz Friedrich 
Ludwig (1707 geboren), halb ausgerichtet und in mehr als Lebens 
größe dargestellt. Sein Haupt trägt die mächtige Königskrone, deren 
Druck während der Tauffeierlichkeit den bald darauf erfolgten Tod 
des Thronerben herbeigeführt haben soll. Das kunsthistorisch höchst 
bemerkenswerthe Werk ist ebenfalls eine Schöpfung Schlüters. 
Wir lenken unsere Schritte vorüber an dem dritten Pfeilerdurch 
gang, in dessen Raum die erste Gemahlin Königs Friedrich I. und 
deffen fünf Kinder ruhen, um einen Blick hinter den Pfeiler zu 
werfen, der seinen Schatten über den Sarkophag der Prin 
zessin Wilhelmine, aus dem Hause Hessen-Kassel, breitet. Sie 
war die Gemahlin des Prinzen Heinrich, dessen Feldherrntalent 
selbst neben dem großen Friedrich, seinem Bruder, zu hoher Aner 
kennung gelangte und diesem das ehrenvolle Urtheil abnöthigte: er 
sei im Kriege der einzige General gewesen, welcher keine Fehler ge 
macht habe. Nach dem Frieden lebte der Prinz, getrennt von seiner 
Gemahlin, zu Rheinsberg den Künsten und Wissenschaften. Die 
Prinzessin bewohnte das ihrem Gemahl gehörige Palais — die heutige 
Universität, — und verstarb als Wittwe am 8. Oktober 1808. 
Mit tiefer Ehrfurcht betrachten wir im ersten Pfeilerdnrchgang 
auf der nördlichen Seite den schlichten, schwarzen Marmor-Sarkophag 
der königlichen Sophie Dorothea, welche der Welt den größten 
Helden seines Jahrhunderts — Friedrich den Einzigen gebar! 
Davor erhebt sich der Sarg der Lieblingsschwester des großen 
Königs, der geistreichen und kunstsinnigen Prinzessin Amalia 
Unwillkürlich steigt vor unserem geistigen Blick der Schatten eines 
Mannes auf, welcher die glanzvollen Höfe von Berlin, Petersburg 
und Wien mit dem düsteren Kerkerleben vertauscht, bis sein Hmipt 
in Paris unter dem Beile der Guillotine fiel. Freiherr Friedrich 
von der Trenck, eine männliche Schönheit und ausgestattet mit 
großen Fähigkeiten, war 1743 in preußische Kriegsdienste getreten 
und von Friedrich dem Großen zum Ordonnanz-Offizier ernannt worden. 
Einer zärtlichen Zuneigung der Prinzessin sich rühmend, wurde — 
wie er selbst berichtet — der an sich unschuldige Brieswechsel mit 
seinem Vetter, dem berüchtigten kaiserlichen Panduren-Obersten, ent 
deckt und er des Hochverraths angeklagt. Zweifellos wollte der un 
glückliche Abenteurer mit dieser angeblichen Zuneigung in den Augen 
der Welt sich den Nymbus eines Märtyrers verleihen. 
In den nördlichen Seitengang einbiegend, gewahren wir in der 
mittleren Nische desselben den schlichten Todtenschrein der Gemahlin 
Friedrichs des Großen. Die Inschrift daran lautet: „Elisabeth 
Christine, Königin von Preußen, aus dem Hause Braunschweig. 
Hinterlassene Wittwe König Friedrichs II. Geboren den 18. November 
1715 — gestorben den 13. Januar 1797". . . Ein langes Erden 
wallen, das dem Gedächtniß der Nachwelt viel zu memoriren hinter 
läßt, fand hier seinen Abschluß. Von dem Könige nie geliebt, aber 
wegen ihrer vorttefstichen Eigenschaften von ihm hoch geachtet, war 
Elisabeth Christine in den letzten Jahren die ftiedliche Bewohnerin 
des Schlosses Schönhausen — ein Bild edler, duldender Zurück 
gezogenheit, im Wohlwollen ftir die Menschheit erzogen, erwachsen und 
gealtert. Geliebt und verehrt, beweint von den Armen, denen sie 
ein milder Engel gewesen, schied sie aus der Welt mit den Worten: 
„Ich habe keine Handlung begangen, durch die der geringste Mensch 
an seinem Glück gelitten hätte." Ehre ihrem Gedächtniß — Friede 
der Asche! 
Unfern der Nische steht der kolossale Bietallsarg Friedrich 
Wilhelms II.; daneben derjenige seiner am 25. Februar 1805 
verstorbenen Wittwe Friederike, aus dem Hause Hessen-Darmstadt. 
Zur Rechten des Königspaares ruhen drei Kinder Friedrich 
Wilhelms HI. — zwei derselbe» im zartesten Alter verstorben, 
und eine todtgeborene Tochter. Wer, mit der Geschichte unseres 
Königshauses verttaut, wird dabei nicht an jene verhängnißvolle 
Treppe in dem damaligen und jetzt wieder kronprinzlichen Palais 
erinnert! Etwa vierzehn Tage nach der an> 22. September 1794 
erfolgten Rückkehr des Kronprinzen aus dem polnischen Feldzuge, 
gewährte der Hoftnarschall einem Fremden die Erlaubniß zur Besichttgnng 
des Palais, in der Meinung, daß die Kronprinzessin dasselbe bereits 
verlassen habe. Diese, eben im Begriff, die nach dem Arbeitszümner 
ihres Gemahls führende Treppe hinabzusteigen, wird plötzlich des 
fremden, gerade auf sie zuschreiteuden Mannes gewahr und stürzt, aus 
das Heftigste erschreckt, die Stufen hinab, um bald darauf von jener 
todten Tochter entbunden zu werden. 
Wir betreten das zweite Schiff des Gewölbes. In dem mittleren 
Pfeilerdurchgange desselben steht ein brauner Sarkophag von Holz, 
prunklos zwar und die Spuren der Ergänzung tragend, aber von 
Poesie umklungen und von dem Glorienschein des Heldeuruhms um- 
strahlt für alle Zeiten! Ein nimmer welkender, weil metallener Lorbeer 
kranz auf dem Deckel des Sarges trägt auf feinen Schleifen die 
Widmung: „Ludwig Ferdinand, Prinz von Preußen, geboren den 
18. November 1772. Unserem hochgeehrten und geliebten Regiments- 
Chef. Mit Leouidas' Muth starb Er Lconidas' Tod bei Saatfelds 
den 10. Oktober 1800. Die Offiziere seines Regiments." — Nach 
dem der Leichnam des Heldenprinzen, von dreizehn Hieb- und Stich 
wunden feindlicher Husaren verstümmelt und beraubt aufgefunden, 
schmückte die Herzogin von Kvburg den Sarg mit einem Lorbeer- 
kranz. So blieben die sterblichen Ueberreste des Prinzen in Saat 
feld beigesetzt, bis Friedrich Wilhelm IN. im Jahre 1811 die Ueber- 
führung derselben nach Berlin anordnete. Ein frischer Lorbeerkranz 
wurde aus das Haupt des Verewigten niedergelegt, und am 21. März 
jenes Jahres bewegte der feierliche Leichenzug sich vom Schloß Belle 
vue durch das Brandenburger Thor bis zum Dom, wo der Sarg 
in der Fürstengruft beigesetzt wurde. So ruht, für dessen Feuergeist 
die Schranken seiner Zeit zu eng waren, Prinz Ludwig Ferdinand 
hier im schmalen Todtenschrein . . . 
Dem Kostbarsten gleichkoinmend, was an Grabmonumenten nur 
je geschaffen worden, erhebt sich in dem dritten Gange längs der 
Spreeseite ein metallener Sarkophag. Mit reichvergoldeten kriegerischen 
Emblemen und Figurengruppen aus dem Kriegerleben des Dahin 
geschiedenen geschmückt, zu Haupt und Füßen von vier vergoldeten 
Geschützröhren getragen, zieht um das sechs Fuß hohe Kunstwerk sich 
eine Inschrift hin, welche uns die sämmtlichen Titel und Würden des im 
Tode verherrlichten Markgrafen Friedrich von Brandenburg 
und Schwedt meldet. In der mörderischen Schlacht bei Mollwitz 
(10. April 1741) beschloß der 31jährige Prinz — ein Neffe des 
Großen Kurfürsten, — laut jener Inschrift „das ruhmvolle Leben, 
nach empfangenen zwei Schüssen in die Brust und Lende." Nachdeut 
die Trophäen voni Schlachtfelde, unter dem Vorritt von Herolden, 
mit Pauken und Trompeten eingeholt und im Zeughause aufgestellt 
worden, fand das feierliche Leichenbegängniß des Prinzen statt.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.