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Periodical volume 15. December 1875, Nr. 18

Full text: Der Bär Issue 1.1875

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Pfarrer bei Leichenbegängnissen, und daß bei Taufen mehr geheischet 
als gebräuchlich, auch über die Forderung von 12 Gr. in dem Falle, 
wenn junge Leute mittags getraut werden; das war nie Sitte." 
Rath: „Solches ist zur Bibliothek verordnet. Die Angelegenheiten 
können übrigens bei Legung der Kirchenrechnung besprochen werden." 
In die Stelle des Archidiaconus rückte der Diaconus nicht; M. 
Haupt aus Wittenberg war derartig empfohlen, daß der Rath meinte, 
es stecke etwas Göttliches darin; Haupt hatte aber stüher als Soldat 
gedient, das schien gar bedenklich; einer der Rathmannen reiste nach 
Wittenberg und lenkte, in Gesellschaft des Probstes Fconimer und des 
Licentiaten Pomarius, die ihn nicht kannten, das Gespräch auf Hauptins. 
Er erfuhr, daß dieser ein tüchtiger 
Mann sei; freilich sei er Soldat 
gewesen, aber bevor er auf die Uni 
versität gekommen. Das thue auch 
nichts. Der vortreffliche Theologe 
Wallerus habe auch selbander Schild- 
wache gestanden, sei davongelaufen 
und habe, im Fall er eingefangen 
würde, gehenkt werden sollen. Des 
gleichen wisse man von dem h. Au 
gustin, daß er der beste Geselle 
nicht gewesen. — M. Hauptins 
hielt seine Probepredigt. Der Bür 
germeister erklärte: „Er ist beim 
Tert geblieben, er soll friedfertig sein 
und ist gut empfohlen. Ich gebe 
ihm meine Stimme." Der Pfar 
rer: „Ich habe an der Predigt 
nichts auszusetzen, habe an ihm 
nichts Strafbares gefunden; die Ge 
meinde wird wohl auch mit ihm 
zufrieden sein. Ich stinime für ihn, 
doch unterwerfe ich mich der Majori 
tät." Krusemark: ,,Jch habe wi 
der die Probepredigt nichts, doch ver 
mißte ich ein Gebet am Schluß. 
Die Herren wissen, daß allezeit ein 
Gebet hinten angehängt worden. 
Wenn der Mann nur auch fried 
fertig ist! Man bedarf hier Doc- 
tores! Wollt Ihr nicht zwei Can- 
didaten aufstellen?" Die übrigen 
waren für Haupt. 
Nun wurden die Verordneten be 
fragt; diese sagten, sie hätten nichts 
wider seine Predigt und seine Person. 
„Einen von unsern Bürgerkindern 
hätten wir lieber gesehen. Da es der 
Rath so gewollt, ist es gut." Man be 
glückwünschte nun Herrn Haupt, und 
der erzählte, er habe in einer schweren Krankheit gelobt, wenn er genesen 
würde, wolle er die erste beste Vocation annehmen, sei sie auch noch 
so schlecht! Erhalte dieses. Schließlich erfahren wir, die Pfarrwittwe 
wolle den Acker nicht besät übergeben, weil sie ihn unbesät empfangen 
habe. Es wurde die Bürgerschaft darum begrüßt, den Acker zu be 
säen, sie schlug es pure ab. Nun entschlossen sich die Rathleute, 
es selbst zu thun. 
5) Notizen über die Kontribution im Rathsprotocoll 
1653/54. Februar: Die Reiter wegen der churfürstlichen Leibgarde 
Und Legationsgelder werden erwartet; das Geld soll stündlich parat 
liegen. Viele Leute machen Schwierigkeiten, ihre Contribution aus 
zugeben. Es haben sich einige Bürger wegen der Contribution be 
schwert und um Linderung gebeten. Es kann Etlichen etwas abge 
nommen und Andern daffelbe zugelegt werden. Es ist in der Con 
tribution eine große Ungleichheit zwischen Tuchmachern, Schlächtern 
und Töpfern; der Rath will einen Ertract darüber geben. Vor Zeiten 
ist die Contribution in Claffen gesetzt. Hat einer jetzt mehr Vieh, 
als ihm in der Contribution angerechnet, soll er es treulich angeben; 
wer etwas verschweigt, soll dafür gestraft werden. Perleberg bezahlt 
24 Thlr. 10 Gr. 8 Pfg. Legationsgelder, 7 Thlr. 14 Gr. 4 Pfg. für 
die Leibwache. 
Mai: Die Bürgerschaft ist widerspenstig; die Contribution 
ist ihr für diesmal auf 1 1 / 2 Mo 
nat angekündigt, sie aber will nur 
einmonatliche geben, womit man 
nicht reichen kann. Es ist zur Er 
haltung Gehorsams und der Stadt 
Besten die Erecution vorzunehmen. 
Wie ist die Herausbringung der 
Contribution zu erhalten? Die 
Erecutoren haben sich beschwert, sie 
erhielten nichts, würden von der 
Bürgerschaft mit losen, verdrieß- 
lichen Worten abgewiesen. Die Ere 
cutoren sind abgewichen. Juni: Die 
Bürgerschaft hat einen Verschoß 
halb auf Ostern, halb auf Martini 
bewilligt, um die Rathhausschulden 
abzulösen. Es ist wenig eingc- 
kommen. Soll dem Receß Genüge 
geschehen oder nicht? Rath zu 
Verordneten: Soll der Verschoß 
richtig gemacht, oder der Contract 
löcherig werden? dein Rath ist es 
gleich und fragt er nichts danach. 
Verordnete: Es ist vorreccffiret, daß 
von solchen Geldern die Orbede 
halb auf Trinitatis, halb auf Mar 
tini abgeführt werden soll. Wenn 
der Rath das thun wolle, so möge 
er Execution wider die Retardatcn 
anwenden. — Rath am 15. Juni: 
Heute pflegen die Erecutoren an 
zukommen. Wie sind die Con 
tribution und andere Gelder aus 
zubringen? Wie hoch ist die An 
lage zu machen? Im vorigen 
Monat hat die Bürgerschaft die 
anderthalbmonatliche Contribution 
nicht geben wollen, das Be 
zahlen wird ihr jetzt leichter sein. 
Aufzubringen sind: 200 Thlr. 
dem Ribbcckschen Secretär, die er unserthalben wegen der Or 
bede bezahlt, 100 Thlr. praetor propter die Contribution, 30 Thlr. 
Herrn Georg von Winterfeldt, 100 Thlr. an Bürgermeister Strauben, 
die er vorgeschossen. Es wird zwar schwer hergehen, ist aber nicht 
zu ändern, und steht nicht in der Bürgerschaft Willkür, wie die An 
lage zu machen. An die Verordneten (20. Juni): Die Erecutoren 
kommen nicht; kündigt ihr die Contribution ein! Verordneten: Ordnet 
uns ein Mitglied des Raths zu! — Ein Verordneter beklagt sich, daß 
er wegen der Contribution verläumdet. Strafe: Abbitte und 3 Thlr 
oder in die Marktmeisterei. Rath: Zieht die Contribution ein! Ver 
ordnete: Die Gewerke weigern sich, zu der von Servatius aufgeliehenen
        
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