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Periodical volume 1. December 1875, Nr. 17

Full text: Der Bär Issue 1.1875

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weshalb bem Gebäude von da nicht gut beizukominen ist. Die nach- ' 
folgenden Regenten ließen dasselbe mit Festungswerken und Munition j 
versehen, so daß es in den Kriegen mit Schweden zur Bedeckung des - 
Oderstromes gute Dienste gethan hat. Im 30jährigen Kriege, der 
für Deutschland verwüstend war, litt auch Oderberg, und obgleich der 
große Gustav Adolph beim Durchzuge seiner Armee diese Stadt aus 
besonderen Ursachen 1630 begnadigte, auch mit Kontribution verschonte, 
so empfand sie doch mancherlei Beschwerlichkeiten, und die große Kon- | 
tribution, welche ihr nachher im Verlaufe des Krieges 1633 abge 
fordert wurde, sehte sie dermaßen in Schulden, daß sie 1634 wegen j 
restirender Abgabe» das Niederlags- oder Stadtgericht gegen Ertheilung 
der Untergerichtsbarkeit an den Kurfürsten Georg Wilhelm abtrat. | 
Als darauf die schwedische Armee unter dem General-Major Dromark 
1637 (in welchem Jahre der erwähnte Kurfürst die Festungswerke 
der Schanze verbessern, auch die alte Mauer mit einer neuen von 
Brand- und Mauersteinen beträchtlich erhöhen ließ) wieder vor der 
Stadt anrückte, und die unter dem Hauptmann Balthasar Runik 
stehende Festung vergeblich belagerte, ruinirten die Schweden wiederum 
die größtentheils neu aufgebaute Stadt und machten sie durch Feuer i 
und Schwert dem Erdboden gleich. Diese wahre Geschichte und die I 
jetzige Lage der Stadt sind ebenfalls Beweis davon, daß damals die s 
Stadt nicht auf jetziger Stelle gestanden hat, denn es wäre den 
Schweden sonst nicht möglich gewesen, die ganze Stadt zu demoliren, ! 
da sic gerade unter den Augen der Festung liegt und daher eher ge 
deckt, als demolirt werden konnte. Die Schweden trauten sich auch 
nicht einmal auf die erste Reihe der Berge, weil man sonst aus der 
Festung gerade mit guter Wirkung hätte auf sie schießen können, sie 
-blieben vielmehr auf der zweiten Reihe der Berge und fchosien von 
hier ohne Wirkung nach der Festung. Dazu kommt noch, daß da- | 
mals die Marienkapelle nicht in, sondern bei der Stadt auf einem 
Distrikt, der Bars die genannt, belegen und mit Weinbergen und 
Weinhöfen versehen gewesen, jetzt aber das übrig gebliebene Stück 
Mauer von der Marienkapelle in der Stadt befindlich ist. 
Die armen Einwohner sahen sich nach der Zerstörung der Stadt 
genöthigt, mit Weibern und Kindern und Allem, was sie retten konnten, 
über die Oder zu flüchten, sich dort niederzulassen, da sich auch zum 
Gottesdienste zu versammeln, predigen zu lassen, Kindtaufen und Hoch 
zeiten zu halten, und auf solche Weife sieben Jahre in elenden 
Hütten zu wohnen, wobei sie sich oft bei großem Wasser in Kähnen 
vor Ueberschwemmung retten mußten. Von dieser zweimonatlichen 
Belagerung ist anzuführen, daß die Schweden auf den Bergen hinter 
der jetzigen Stadt ein Bollwerk erbaut und daraus auf die Festung 
geschossen, aber Nichts ausgerichtet haben, weil diese niedrig war und 
daher die Kugeln darüber hinweggingen, — außer einer einzigen Ka 
nonenkugel mit Ketten, die hineingefallen war, und zum Andenken 
inwendig der Festung am Thore aufgehangen wurde. 
Im Jahre 1645 kehrten die wenigen noch übrige» Bürger wieder 
diesicits der Oder und fingen an, an derem Strande einige Häuser 
auf Pfählen zu erbauen, die aber 1670 bis zur Hälfte, und 1672 
ganz abbrannten. — Es wurden 1672 nur 28 Kinder zu Oderberg 
geboren, 16 Personen sind gestorben und 6 Copulationen gewesen. 
Nach dieser Zeit ist die Stadt Oderberg allmälig da, wo sie 
jetzt steht, wieder aufgebaut und mit Einwohnern besetzt, auch 
1713 um ein Drittel mit Gebäuden vermehrt worden. Dies Wenige 
läßt sich nur mit Gewißheit von dem Ursprünge der Stadt sage». 
Also ist das Jahr 1645 als dasjenige zu betrachten, in dem 
die Stadt Oderberg erbaut wurde. 
Der Name Oderberg erklärt sich von selbst aus der Lage des 
Orts, Oder und Berge; vormals hieß es Aderberg und Adcrburg 
sowie der Fluß selbst Ader, nach alten Dokumenten und dem Stadt 
siegel. Sic gehörte ehedem zur Uckermark, wie der von der Stadt 
Brandenburg (acta 1319 Yoldak) ausgefallene Revers der Gut 
sagungsbrief ertheilt, wo die Uckermärkischen Städte in der Reihen 
folge aufgeführt sind: Prenzlow, Pafewalk, Schwedt, Angermünde, 
Oderberg, Zehdenick, Fürstenberg; jetzt aber gehört sie zur Mittel 
mark, und zwar zum Ober-Barnimschen Kreise. Sie war auch eine 
Jmmediat - Stadt und der Stadt Berlin incorporirt, nach dem 
Anerkenntniß vom 20. Januar 1502, wonach sie zur Städtekasse 
gehörte, auch den Scheffelgroschen und andere Abgaben an dieselbe 
entrichtete. 
Das Stadt Wappen von 1620 besteht aus einem Schlöffe 
mit 3 Thürmen, die auf dem Schlosse sind, über dem mittelsten 
Thurm schwebt ein Adler. Das Thor des Schlosses ist geöffnet und 
soll wahrscheinlich auf den Handel, den die Stadt betrieben hat, deuten. 
Das Ganze ist von der alten Festung mitgenommen. Die Stadt 
ist, wie gedacht, ganz offen und ihre beiden Ausgänge heißen das 
Berliner und das Angermünder Thor. 
Folgendes mag zur Ergänzung der Nachrichten von der auf 
einem Werder bei Oderberg befindlich gewesenen Festung dienen. Kur- 
fürst Friedrich Wilhelm ließ die Mauern der Festung erhöhen, und 
König Friedrich I. diese wieder mit einer Contra-Etage und Traverse 
verbessern, auch in der Form eine wirkliche Festung;• ferner nord 
wärts eine ziemlich hohe Batterie, die von der Oder bestrichen werden 
konnte, an die Festung anhängen, von der noch jetzt Ueberbleibsel zu 
sehen sind; zugleich wurde sie mit beständiger Garnison und der nö 
thigen Artillerie versehen, auch eine kleine Garnisonkirche angelegt; 
an der linken Hand eine Batterie, um den Morast und beide 
Arme südwärts der Oder beschießen zu können, sowie auch linker Hand 
der Festung Nordostwärts zwei niedere Batterien, jede nur von zwei 
Stück, angelegt wurden. 
Nachdem aber Stettin und die Provinz Pommern an das Preu 
ßische Haus gekommen, hat König Friedrich Wilhelm diese Festung 
wieder eingehen lassen, worauf sie fast gänzlich demolirt worden. In 
dessen stehen noch einige Ueberbleibsel daselbst und inwendig auf dem 
Hofe befindet sich die Jahreszahl 1686 eingehauen oder vielmehr in 
Stein gebrannt über dem Eingänge. Mau hat den größten Theil 
der Steine von der Festung zu anderen Gebäuden verwendet. 
Die noch vorhandenen alten Baracken, welche ne6st der Festung 
und zugehörigen Einkünften von dem Könige Friedrich Wilhelm II. 
dem ehemaligen Kommandanten zu Spandow, General-Major v. Kleist, 
geschenkt, die dieser aber wieder gegen eine Averfionalsumme an die 
Kurmärkische Kammer verkauft hat. Beim Abbrechen der Festung 
soll ein Maurer eine Büchse mit rothem Pulver nebst verschiedenen 
mit chemischen Characteren bezeichneten Blättern gefunden haben, 
weil er aber Nichts davon verstanden hat, und beides viel 
leicht für Zaubersachen angesehen, so verschüttete er das Pulver und 
warf die Blätter zuui Theil weg; aus den übrig gebliebenen wenigen 
Blättern sollen Sachen, ganze Proben Gold zu machen, befunden 
sein, und das verschüttete Pulver soll wirklich adepodisches gewesen sein. 
Das ehemalige Schloß zu Oderberg hat auf einem, eine kleine 
Viertel-Meile von der Stadt belegenen Berge, der mit den daneben 
liegenden den Namen Schloßberg führt, gestanden, worauf man 
noch jetzt Gruben findet; auch befindet sich eine Art Brunnen oder 
Keller von Feldsteinen ausgemauert und dem Anschein nach sehr tief, 
aber jetzt schon etwas verfallen, auch große Feldsteine und Ueber 
bleibsel von Fundamenten zusammenhängender Gebäude. Wahrschein 
lich ist es in der Rcgierungsepoche des Markgrafen Albrecht II. von 
1205 — 1220 geschehen, denn schon 1370 war Frankow Hauptmann 
von Oderberg, der also dies Landesherrliche Schloß verwaltete. Es 
heißt darüber im Landbuche von 1375: „Oderberg zum Schlöffe bei 
Oderberg und ganz zum Deputat des Franci, wegen der Gebäude, 
nenilich was an Zoll aufkommt nebst dem Finow Zoll von Neustadt 
E.-W. und den Einkünften der beiden Dörfer Lunow und Saathen, 
deren Betrag sich außer dem großen Zoll auf 140 Schock beträgt."
        
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