Path:
Periodical volume 1. November 1875, Nr. 15

Full text: Der Bär Issue 1.1875

148 
1. Bürgermeister und Rathmannen. 
Ihr Eid lautet: „Ich schwöre, daß ich dem Churfürsten zu 
Brandenburg, meinem gnädigsten Herrn und Landesfürsten, getreu 
und hold fein, auch I. Ch. Durchl. Stadtregiment zu Perleberg, als 
ein Bürgermeister (als ein Rathsherr) getreulich vorstehen, derselben 
Stadt und gemeine Bürgerschaft Nutz und Frommen schaffen und 
fördern, ihren Schaden und Nerderb verhüten und abwenden helfen 
will, nach meinem besten Berniögen; ich will auch Raths Rath und 
was mir zu verschweigen gebühret, nicht melde»; ich will auch, wie 
sich nach gestalten Sachen gebühren will, dem Armen als dem Reichen, 
dem Reichen als dem Armen Recht und Gerechtigkeit gestatten und 
verhelfen, und das nicht unterlassen, noch um Gunst, Gabe, Liebe, 
Freundschaft oder Feindschaft, Haß, Neid, noch um jenige Thuns 
willen, das mich von dem Rechten ziehen möchte, und will sonsten 
meines Vermögens thun, was einem getreuen Bürgermeister und 
Rathmann eignet und gebühret, Alles getreulich ohne alle Gefährde, 
Also helfe mich Gott und sein heiliges Wort." 
Jährlich waren zwei Bürgermeister im Amt; der eine führte 
vom 1. Februar bis zum 1. August, der andere von da ab bis zum 
1. Februar d. f. Jahres als regierender Bürgermeister den Vorsitz 
im Rath, und erhielt für die halbjährliche Arbeit (seit dem dreißig 
jährigen Kriege) eine Besoldung von 26 Thalern. Von der nächsten 
Umsetzung des Rathes an, machten zwei andere Bürgermeister es ebenso, 
wie beschrieben, und im folgenden Jahre kamen die beiden ersten 
wieder an die Reihe. Die Bürgermeister waren Juristen. Die Be 
schwerden des Amtes veranlaßten den Bürgermeister Georg Krusemark, 
S. Chrf. D. mit einer Bitte um 6 Bürgermeister und 12 Raths 
herrn zu Perleberg anzugehen. 
Nachdem sie bereitwilligt, schreibt er zum andern Male: „Es ist 
hergebracht, daß das Stadtregiment mit 6 Bürgermeistern ist besetzet 
gewesen; seit einigen Jahren haben sich die noch lebenden 4 Bürger 
meister, das mühselige Amt ein Jahr ums andere zu führen, belegen 
lassen, jedoch dabei in Gegenwart der Verordneten aus Gewerken und 
Bürgerschaft bedinget, daß es ihnen allemal frei sein soll, das 
andere Jahr das Stadtregiment über sich zu nehmen, oder es hin 
wieder auf die alte vorige Art richten zu lasse». — Ich habe bei 
Chrf. D. um sechs aus erheblichen Gründen angehalten, und es ist 
dem Rathe befohlen. Auf vielfältige Zusprache meiner Kollegen und 
der Verordneten habe ich mich bewegen lassen, daß ich ums 2. Jahr 
das Stadtregiment über mich genommen. Meine Jahre nehmen zu, 
die Kräfte ab, beim Rathhaus häufen sich die Arbeiten wegen der 
follicitirenden Creditoren ungestüm, die Mittel zur Bezahlung fehlen 
der Stadt, und die Bürgerschaft will nicht collectiren lassen; der reg. 
Sin. muß entweder von den Creditoren viel verdrießliche Worte ein 
nehmen oder von dem Seinen Vorlage thun. Ich habe in 3 Jahren 
ans einander an 200 Thlr. belegt und sehe nicht, wovon ich meine 
Beftiedigung werde nehmen können. Ich vermag solche Mühwaltung 
ums Jahr nicht wieder zu übernehmen, ich müßte mich denn Weib 
und Kindern entziehen und meine Praris ganz darniederlegen. Zu 
gewärtigen hätten ich und die Meinigen nichts als der gemeinen 
Welt Lohn und allerhand unverdiente Verfolgung. Darum bitte ich 
E. CH. D-, mich des Consulats bei der Stadt Perleberg entweder 
gänzlich zu entlaffen und dem Rath zu befehlen, an meiner Stelle 
einen andern zu erwählen, oder falls dieser sich nieiner Assistenz femer 
zu gebrauchen belieben sollte, daß ich im nächsten Jahre übersehen 
und erst 1656 mit dem Stadtregiment belegt werden soll. 
24. Nov. 1654." 
Hierauf bestimmt S. Ch. D., wegen Bestellung der Bürgermeister 
und Rathspersonen es wieder auf den alten Fuß zu setzen, noch zween 
Bürgernieister zu erwählen, und Supplicanten das künftige Jahr mit 
dem Stadtregiment zu verschonen. 2. Dezbr. 1654. 
Da Bürgemieister und Rathmannen dagegen schreiben, antwortet 
S. Ch. D.: „Wir haben zwar dasjenige, was ihr angehört, erwogen; 
befinden aber als das Zuträglichste, daß es bei dem alten Herkommen 
bleibe, zwei find an der Regierung, die andern beede, so das consulatum 
verwalten und alle Sach, welche im vorigen Jahre vergangen, inne 
haben, werden den ersten adjungiret, die beede dritten werden gelaffen, 
daß sie ihre Privatsach, advocatur oder Commissiones abwarten können. 
Es wird dadurch das Rathhaus nicht graviret, sintemal nur die beeden 
Bürgernieister, so in der Regierung sind, etwas und zwar ein Leid 
liches an Gelde bekommen. 3. Januar 1655." 
2. Der Secretarius. 
Er wird vom Rathe angenommen, schwört Treue dem Landes 
fürsten und E. E. Rath; soll des Raths Rath und Geheimniß, so 
ihm vertrauet, nicht melden, die Schösse und Register in Einnahme 
und Ausgabe in Acht haben, und in solche Register ohne Vorwissen 
und Willen des Raths nichts einsetzen, noch weniger etwas daraus 
lassen, allerwenigst auch darin etwas ändern, sondern in dem Allen 
Nnterschleif steuern und wehren. In Sachen des peinlichen und 
bürgerlichen Gerichts soll er getreulich aufschreiben was fürfällt und 
gehandelt wirdt, Urtheile und Zeugenaussagen vor der Veröffentlichung 
verschweigen, auch den Parthen von den Gerichtsacten unverdächtige, 
wahrhafte Copias herausgeben. 
Unter den Stadtschreibern, die übrigens auch studirte Leute waren, 
zeichnet sich durch eine schöne Handschrift sowohl, wie durch klare, 
übersichtliche Darstellung der Thatsachen Johannes Unger, ein Perle- 
berger, aus. Er hat eine lange Reihe von Eingaben und Bittschriften 
an den Churfürsten verfaßt, und diente der Stadt von 1670 bis 1689. 
3. Verordnete der Gewerke. 
„Ich schwöre, daß ich dem Amte der Gewerke Hierselbst zu 
Perleberg nach meinem bestem Vermögen dermaßen vorstehen will, 
daß es meinem gnädigsten Herrn, dem Churs, z. Br., dem Ehrbaren 
Rath und gemeinen Stadt Perleberg zu Nutz und Frommen gereichen 
möge, und will sonsten thun, was einem getreuen Verordneten der 
Gewerke eignet und gebühret re." 
Das Amt der Verordneten war in Zeiten des Kampfes zwischen 
Rath und Bürgerschaft ein sehr mühseliges und ärgerliches, wie sich 
im Verlaufe der Darstellung noch oft zeigen wird. Die Verordneten 
wurden später häufig Mitglieder des Raths; Bürgermeister und Senatoren 
wurden in Gegenwart der Verordneten verändert. 
4. Der Jnspector über die Roggenziefe. 
„Ich schwöre, nachdem ein Ehrbarer und Wohlweiser Rath zu 
Perleberg mich, anstatt unsers gnädigsten Herrn des Churfürsten zu 
Brandenburg, in seine Chrf. Durchl. Stadt Perleberg zum Jnspector 
der Weizen, Roggen und Brantweinsziesen günstlichen bestallt und 
angenommen, daß ich demnach nicht gestatten will noch soll ohne 
Erlegung der gebührlichen Ziesen, jemand Weizen) Roggen und 
Brantweinskorn in der Mühlen mahlen zu laffen, noch selbst Ziese 
geben, vielweniger deswegen Geld aufnehmen, sondern vielmehr darob 
sein, daß die Ziesen treulich gegeben, verzeichnet, berechnet und von mir da 
neben fleißige, unparteyische Gegenregister gehalten und alle Unterschleife 
höchstes meines Vermögens verhütet und abgewendet werden mögen ic." 
Von einer strengen Richtigkeit der Verziesung und Register muß 
man, trotz des Beamten und seines Schwures, absehen. Den Beweis 
daftir liefert ein in Stendal abgefaßter Brief an Perleberg, der 
schwere Vorwürfe wegen Betrugs bei der Ziese enthält und besonders 
auch die Vornehmen trifft. Es mußte nämlich der Scheffelgroschen 
an den Stendalischen Städtekasten in Sachen des altmärkisch-prig- 
nitzischen Schuldwesens bezahlt werden. Das Schreiben beginnt: „Sie 
als eine Hauptstadt sollten mit gutem Ereuipel und Beförderung der 
Städtesachen anderen Städten vorgehen, aber — —" und enthält 
die Stelle: „Wenn die Bürgemieister, denen die Jnspection ernstlich 
befohlen, sich selbst so unrichtig verhalten, was sollen sie denn mit 
Fleiß Andere zur Richtigkeit weisen?"
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.